Jürgen Udolph: Zogen die Hamelner Aussiedler nach Mähren?

Die Rattenfängersage aus namenkundlicher Sicht

[in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 69(1997)125-183]

Einleitung. Namenkundlicher Aspekt

Es gibt nicht wenige Stimmen, die sich in letzter Zeit dafür ausgesprochen haben, daß die wis-senschaftliche Untersuchung des historischen Kerns der bekannten Sage vom Rattenfänger von Hameln kaum noch neue Argumente wird bieten können. In diesem Sinne heißt es etwa bei W. Mieder: „Vor allem die Arbeiten von W. Krogmann (1934), Wolfgang Wann (1949), Heinrich Spanuth (1951) und Hans Dobbertin (1970) haben eine detaillierte Geschichte der Sage ausgearbeitet, so daß die historische Erforschung als abgeschlossen erklärt werden kann“ . Es muß daher Verwunderung auslösen, wenn ich nochmals versuche, zu der Sage ei-nen Beitrag zu liefern. Ich wage es, weil es eine wissenschaftliche Disziplin gibt, die in der bisherigen Diskussion oft herangezogen worden ist und die durchaus zu einer gewissen Klä-rung des zugrundeliegenden historischen Ereignisses beitragen kann, die aber eine strenge Methodik verlangt, die von fast keinem der bisherigen Interpreten der Sage beherrscht wurde: das Feld der Namen und ihrer Erforschung. Das mag zum Teil darin begründet sein, daß man als Historiker geneigt ist, dieses Gebiet als „Hilfswissenschaft“ zu bezeichnen. Man kann aber nicht umhin festzuhalten, daß die Namen Aussagemöglichkeiten gerade dann bieten, wenn historische Quellen fehlen; und das sollte man nutzen.
Ich werde im folgenden daher keineswegs zum Sagenstoff selbst beitragen oder beitragen können, sondern nur zu einem Teilbereich, der allerdings dann wiederum seine Bedeutung für den Kern der Sage gewinnt: gemeint ist die schon lange diskutierte Frage, wohin die Aussied-ler aus dem Hamelner Raum gezogen sein könnten, vorausgesetzt, die Ostkolonisationstheorie liegt der Erzählung wirklich zugrunde. 
Mein Beitrag wird sich im wesentlichen auf die Diskussion bisheriger Vorschläge beschrän-ken, dabei aber zeigen können, wie leichtfertig und oberflächlich man doch gelegentlich mit dem Namenmaterial umgegangen ist, zumeist wenn es darum ging, die Richtigkeit einer The-se zu beweisen.
Namenforschung und bishere Thesen zum Kern der Sage
Am Anfang meines Beitrages soll ein knapper Überblick über die Geschichte der Forschung stehen, wobei natürlich besonderer Wert auf die Berücksichtigung namenkundlicher Argu-mente gelegt wird. Eine - wie mir scheint - nüchterne und auf die wesentlichen Punkte be-schränkte Zusammenstellung des Sagengerüstes haben R. Frenzel und M. Rumpf geboten . Allerdings haben sie - darauf wird noch zurückkommen sein - diese Nüchternheit bei ihrer eigenen Interpretation gegen Ende ihres Beitrages aufgegeben und sind bei dem Griff nach einem Namen (Coppenbrügge) einem Irrtum verfallen. Erstaunt war ich, daß W. Krogmann in seiner Studie  die Namen kaum berücksichtigte; sie spielen auch in der wichtigen Sammlung von H. Dobbertin  keine Rolle (zu anderen Arbeiten des Herausgebers werden wir noch kommen).
Nüchterne Beobachter der vielfältigen Diskussion haben schon bald aus den unterschiedlichen Interpretationen gefolgert, daß mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ostkolonisation hinter der Sage zu vermuten ist. Die Nichtberücksichtigung dieser These erzeugte sogar Erstaunen au-ßerhalb von Europa: „Sonderbarerweise hat ein wirklich wichtiges politisches Ereignis des mittelalterlichen Europa bei den früheren Forschern, die dem Rattenfänger auf der Spur wa-ren, nur flüchtige Beachtung gefunden: das Phänomen der Massenauswanderung nach dem Osten, der ständige Strom deutscher Kolonisten ...“ . Nicht nur H. Dobbertin, dessen Thesen uns - wie gesagt - noch beschäftigen werden, hat sich dieser Auffassung angeschlossen. Auch aus anderer Richtung fand dieses Zustimmung, so etwa bei M. Kroner : „Für die Deutung des historischen Kerns der Sage hat die Wissenschaft bisher verschiedene Erklärungen angeboten. Wir nennen schlagwortartig folgende: Kinderkreuzzug, Naturkatastrophe, großes Kinderster-ben, priesterlicher Ritualmord, Tanzwut (Veitstanz), Erinnerung an die großen Verluste Ha-melns in der Schlacht von Sedemünde (1260), Ostkolonisation. Von allen Erklärungen hat die im Zusammenhang mit der deutschen Ostkolonisation den höchsten Wahrscheinlichkeits-grad“.
 
Siebenbürgen?

Gelegentlich ist - wie auch in der Fassung der Rattenfängergeschichte bei den Brüdern Grimm angedeutet - Siebenbürgen als Ziel der Wanderung angegeben worden. So sah man auch schon früher in dem Rattenfänger einen Werber, „der Kolonisten für Siebenbürgen geworben habe“ . „Obwohl diese Deutung für Siebenbürgen selbst nicht zutrifft“, dürfte sie nach den Worten von M. Kroner  „für andere Gebiete des deutschen Ostens Gültigkeit haben. Die Urheimatfor-schung der Siebenbürger Sachsen hat nämlich ergeben, daß ausgerechnet nach Niedersachsen, in dem Hameln liegt, keine Herkunftsspuren hinführen ... Die Erklärung, die man gelegentlich dafür gibt, es handele sich um eine assoziative Mißdeutung einer bei Hameln gelegenen Ort-schaft Seeberge in Siebenbürgen, leuchtet mir nicht ein“. Das Siebenbürgen nicht in Frage kommt, betont auch A. Ostermeyer .
Es sind vor allem sprachwissenschaftliche und namenkundliche Argumente, die dagegen sprechen, als Ziel der Auswanderung den Balkan anzunehmen. Wenn man diesen Bereich ausnimmt, dann wird man sich andererseits fragen müssen, ob nicht Sprachwissenschaft und Namenforschung dazu beitragen können, das mutmaßliche Gebiet zu ermitteln. Denn meines Erachtens wird man mit M. Kroner  festhalten können: „Die Rattenfängersage dürfte nichts-destoweniger mit der Besiedlung anderer Gebiete in Osteuropa in Verbindung stehen“. Aller-dings „gehen (die) Ansichten weit auseinander. Man ist sich nicht nur uneins darüber, mit welcher Region der deutschen Ostsiedlung der Hamelner Vorgänge verknüpft sein könnte , sondern es ist nach Meinung mancher Forscher auch immer noch sicher, „ob ein solcher Zu-sammenhang überhaupt bestanden hat“ .

Die Mähren-Theorie

Greift man mit diesem Wissensstand zu den beiden großen deutschen Enzyklopädien, so fin-det man in einer  als ersten Titel in dem alphabetisch nicht geordneten Literaturteil die Arbeit von W. Wann  und in der anderen  den Satz „Kern ist vielleicht die Anwerbung von Hamel-ner Burschen und Mädchen durch den Bischof von Olmütz zur Besiedlung Mährens“. Prüft man diese Angaben weiter nach, so wird man auf die in der Anmerkung 15 genannte Würzburger Dissertation von Wolfgang Wann geführt und schon bald mit der These konfrontiert, daß Aussiedler aus dem Weserbergland in Mähren eine neue Heimat gefunden hätten und daß dieses seinen Niederschlag in Orts- und Flurnamen gefunden habe. Folgt der Namenforscher diesem Weg, so wird er schon bald zu einer Diskus-sion herausgefordert. Nimmt er sie auf, so muß der Weg der Sage verlassen werden und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Details beginnen. Das soll im folgenden ver-sucht werden.

Bruno von Schaumburg

Es kann gar kein Zweifel daran bestehen, daß es enge Beziehungen zwischen dem Weserberg-land und Mähren gegeben hat : sie kristallisierten sich vor allem in der Person des Bischofs von Olmütz Bruno von Schaumburg. An dessen Kolonisationswerk kann nicht vorbeigegan-gen werden. Auf Einzelheiten ist hier nicht einzugehen, man vergleiche etwa die Ausführun-gen bei H. Schiffling , F. v. Klocke  und anderen. Nach eigenen Erklärungen ließ Bruno von Schaumburg unter anderem  „die Wälder roden und die deutschen Dörfer Petersdorf, Johan-nesthal, Hennersdorf, Arnsdorf, Batzdorf, Pittarn, Liebenthal, Röwersdorf, Peischdorf und die Burgen zu Füllstein und Hotzenplotz anlegen“ . Unzweifelhafte Zeugnisse sind unter ande-rem die Burg Schauenstein etwa 15 km östlich der Mährischen Pforte und Schaumburg bei Holštejn .
Selbstverständlich befanden sich in seiner Gefolgschaft auch Schaumburger. Bei Wann heißt es dazu: „Seine ritterliche und geistige Gefolgschaft, die sich allmählich um ihn sammelte ..., stammte zwar aus dem gesamten Reich, die meisten aber kamen doch aus dem Weserbergland und waren hier insbesonders zwischen Minden und Höxter beheimatet. Dazu gehörten, um aus der reichen Fülle nur einige zu nennen, z.B. die Bardeleben, Bose, Cul, Dassel, Emse, Fülme-Füllstein, Heimsen, Hohenbüchen, Homburg, Hörstel, Höxter, Kämmerer, Lachdorf, Landsberg, Meinsen, Romberg, Rottorf, Eisbergen, Spenthove, Stockvisch, vom Turm, Vroleb-sen,
 
Wertinghausen und viele andere mehr“ . Auch Fortsetzer seines Werkes sind bekannt .
Das sind gewichtige Argumente, die W. Wann zu Schlußfolgerungen wie diesen führten: „Die Forschungen der letzten Jahre, insbesondere in den mährischen Archiven, erbrachten zu die-sen einmaligen Beziehungen zwischen der Mährischen und der Westfälischen Pforte ein ganz neues und reichhaltiges Material an Familien-, Orts- und Flurnamen, an Wappen, rechtshisto-rischen und volkskundlichen Denkmalen. Sie bilden gleichzeitig einen Bestandteil innerhalb eines komplizierten Beweissystems, mit dem der endgültige Verbleib der Hämelschen Kinder präzise dokumentiert aufgezeigt werden kann“ . Bezeichnenderweise erscheinen bei dieser Argumentation die Ortsnamen mit an erster Stelle, es wird daher zu prüfen sein, ob sie die gezogenen Konsequenzen stützen können.

Ortsnamen aus dem Wesergebiet in Mähren?

Es ist nicht verwunderlich, daß ausgehend von der Kolonisationstätigkeit Brunos von Schaumburg in Mähren die Vermutung entstehen mußte, es könne ein Zusammenhang mit der Rattenfängersage bestehen. Die von Wolfgang Wann entwickelte These  basiert nach seinen eigenen Worten - und das ist nicht immer genügend beachtetet worden - auf namenkundlichen Argumenten: „Ich habe ... im Laufe der Jahre dieses gesamte Kolonisationsgebiet eindring-lichst kennen und oft gerade dort, wo es schon längst slawisch geworden war und wo nur mehr die Steine, die die Urkunden oder die Familien- und Flurnamen sprachen, lieben ge-lernt .
Diese Bemerkungen sind für einen Namenforscher bedenklich, wenn nicht alarmierend: die Aufdeckung eines namenkundlichen Substrats gehört zu den schwierigsten Aufgaben, denen sich ein Onomast unterzieht. Hier aber wagt ein auf diesem Gebiet nicht ausgewiesener Laie weitreichende Schlußfolgerungen, die den Weg bis in unsere Enzyklopädien finden. Den Grund dafür nannte ich schon anfangs: die Namenforschung ist eine „Hilfswissenschaft“.
Ohne Prüfung durch die Onomastik fand die These von W. Wann Anklang. So heißt es bei H. Spanuth : „Ich bin davon überzeugt, daß er ... den Nachweis erbracht hat, daß die mittelalter-liche Besiedlung seiner Heimat, des Gebietes des alten Bistums Olmütz, durch Kolonisten aus unserem engeren Heimatgebiet, darunter auch der Stadt Hameln, erfolgt ist. Darüber hinaus hat er es nach meiner Überzeugung bis zu einem an Gewißheit grenzenden Grade wahrscheinlich gemacht, daß der Hamelner An-teil an dieser kolonisatorischen Leistung den Ursprung der alten Ortssage vom ,Exodus Hame-lensis’, dem ,Auszug der hämelschen Kinder’, bildet ...“, und weiter: Wann hat „den Nach-weis geführt, daß die deutsche Besiedlung seiner mährischen Heimat im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts durch den damaligen Bischof von Olmütz, einen Grafen Bruno von Schaumburg, und seinen Nachfolgern auf Veranlassung des böhmischen Königs Ottokar durchgeführt wor-den ist, dessen vertrauter Ratgeber Bruno war ...“ . Etwas vorsichtiger wurde die These von anderen aufgenommen: „Wann (und unabhängig von ihm von Klocke) haben den Nachweis versucht (der freilich von Schnath 1980 [G. Schnath, Die Rattenfängersage aus der Sicht des Historikers, Vortrag anläßlich des 61. Niedersachsentages in Hameln 1980] infragegestellt wurde ...), daß im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts (also zur Zeit des Hamelner Gesche-hens) die deutsche Besiedlung des dünnbesiedelten Raumes der ,Mährischen Pforte’ durch den damaligen Bischof von Olmütz, einen Grafen Bruno von Schaumburg und seine Nachfol-ger, auf Anordnung des böhmischen Königs Ottokar durchgeführt worden sei ... Es ist selbst-verständlich, daß der aus dem Wesergebiet stammende Bischof Bruno von Schaumburg wie seine wohl ebenfalls aus dem Wesergebiet kommenden adligen Locatoren und die von ihnen abgesandten Werber die Siedler in erster Linie aus ihrem eigenen Heimatgebiet zu gewinnen suchten“ .
Eine Lösung der strittigen Frage kann nur von seiten der Namenforschung kommen, denn den „stärksten Beweis für diese Annahme bietet die Identität vieler Geschlechternamen im Hei-matgebiet und dem Siedlungslande. Unabhängig von Wann hat auch der westfälische Histori-ker von Klocke enge Beziehungen zwischen Westfalen bzw. dem Wesergebiet und dem mäh-rischen Bistum Olmütz nachgewiesen“ . H. Spanuths recht positive Aufnahme der Thesen von W. Wann  fand zum großen Teil in den Besprechungen ihre Fortsetzung, so etwa bei K. Brüning : Spanuth „weist nach, ... daß ... der Troppauer Archivar Wann die richtige Erklä-rung gefunden hat: Der Rattenfänger ist ein Werber, der zahlreiche junge Leute aus dem We-sergebiet, darunter viele Hamelner ,Stadtkinder’ als Kolonisten nach Mähren brachte, wo sie in der Olmützer Gegend angesiedelt wurden“. Etwas vorsichtiger war K. Ranke : „ ... Wann versucht als erster in einer anscheinend sehr sorgfältigen Untersuchung über die Besiedlung des Bistums Olmütz auf Grund von lokalen und namenkundlichen Forschungen den exakten Nachweis zu erbringen, daß der Hamelner Anteil an dieser kolonisatorischen Leistung den Ursprung unserer Sage gebildet habe“, jedoch bliebe die Publikation der Dissertation abzu-warten. Schon sicherer heißt es bei U. Stille  „Mit namenkundlichen und siedlungsgeschichtlichen Untersu-chungen vor allem hat Wann diese Deutung beweiskräftig belegen können - soweit Spanuth darüber berichtet, denn die Arbeit von Wann selbst liegt bislang leider nur als maschinen-schriftliche Würzburger Dissertation vor. Die Erklärung erscheint jedoch recht einleuchtend, und sie scheint die Auflösung des Rätsels der Sage zu bedeuten“ .
Die angesprochene Dissertation wurde nicht publiziert und liegt nur in maschinenschriftlicher Form vor. Bekannt sind die Thesen von W. Wann aber dennoch, zum einen durch die positive Aufnahme bei H. Spanuth, zum andern dadurch, daß 35 Jahre nach der Promotion die Theorie anhand von nachgelassenen Manuskripten im Auftrag des Sudentendeutschen Archivs von Walter Scherzer neu formuliert wurde . Die für unsere Aufgabe wichtigsten beiden Punkte erscheinen in diesem Buch zum einen auf S. 19 in Abschnitt 5 „Auswanderung im Zuge der Ostkolonisation, die wahrscheinlichste Deutung“, und zum anderen auf S. 20 in der Wendung „Wann waren bei der Erforschung der Siedlungsgeschichte seiner Heimat nicht nur die nicht zu übersehende Zahl niederdeutscher Orts- und Familiennamen, sondern auch die durch den Olmützer Bischof Bruno von Schaumburg (1245-1281) gegebenen Familienbeziehungen zur unmittelbar benachbarten Stadt Hameln aufgefallen“.
Nach dieser knappen Vorstellung der Mähren-These von W. Wann, die von H. Spanuth im wesentlichen übernommen worden ist und durch die Herausgabe durch W. Scherzer einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde, ist es an der Zeit, die Konzeption anhand der im einzelnen vorgebrachten Argumente zu überprüfen. Ich beginne bei den Ortsnamen, gehe dann zu den Flurnamen über und beschließe diesen Abschnitt mit den Personennamen.
Eine wichtige Stütze - für den Namenkundler sogar die wichtigste - liegt in dem Versuch, mit Hilfe etlicher Ortsnamen zu versuchen, die Beziehungen zwischen Mähren und dem Weser-bergland herauszuarbeiten und darin Beweise für eine Aussiedlung aus dem Hamelner Raum zu sehen. Eine gute Übersicht über die meisten der im folgenden herangezogenen Ortsnamen bietet die von W. Scherzer herausgegebene Publikation (im folgenden abgekürzt als Wann/Scherzer) in einer Karte im Anhang des Buches.
 
Kritik der mährischen Ortsnamen

Ich beginne die Diskussion mit einer Passage bei F. v. Klocke über Bruno von Schaumburg : „Nach seiner eigenen Erklärung ließ er dort die Wälder roden und die deutschen Dörfer Pe-tersdorf, Johannesthal, Hennersdorf, Arnsdorf, Batzdorf, Pittarn, Liebenthal , Röwersdorf , Peischdorf und die Burgen zu Füllstein und Hotzenplotz anlegen“. Zum Beweis, daß es sich dabei um Namen handelt, die sich auch im Weserbergland finden, wird zunächst nichts ausge-führt (auf den sicher dazugehörenden Namen Füllstein komme ich noch zurück). Aber es wird wenige Seiten weiter betont: „Die Dörfer bei Hotzenplotz führten auch zunächst typisch nie-derdeutsche Namensformen, die sich erst später verloren, so 1255 Godevridestorp (Gott¬frieds¬dorf, später Füllstein genannt) und Rudolveswalt (heute Roßwald), 1256 Henrikestorp (heute Hennersdorf), Levendal (heute Liebenthal) und Renverdestorp (heute Röwersdorf; erstes Stammwort Reinfried), 1267 Janestorp (heute Johannesthal), Arnoldestorp (heute Arnsdorf), Bertoldestorp (heute Batzdorf), Peterswalde (heute Petersdorf), Pizkerstorp (heute Peisch-dorf)“ . Aus den niederdeutschen Formen wird sofort anschließend gefolgert: „Hier, im so-genannten Olmützer Bistumsland von Hotzenplotz ist mit westfälischer Bauernkolonisation sicher zu rechnen „, später hätten dann mitteldeutsche und schlesische Kräfte zu einer Assi-milation und Aufgabe der niederdeutschen Formen geführt.
Diese Ausführungen finden sich auszugsweise bei Wann/Scherzer, S. 28 wieder, indem an niederdeutschen Ortsnamen im Bistum Olmütz angeführt werden: Arnoldestorph (zuletzt Arnsdorf), Janestorph bzw. Jansdorf bzw. Johannesthal, Henrikestorph (Hennersdorf), Bertholdestorph (Batzdorf), Renfridestorph (eine Wüstung).
Der Namenforscher fragt sich zum einen, ob der niederdeutsche Charakter der Ortsnamen zweifelsfrei ist, und zum andern, ob es Hinweise auf westfälische Herkunft gibt. Meine Durchsicht der Namen führte zu folgendem Ergebnis:
a.) Petersdorf (Peterswalde), èechisch heute Petrovice. Die alten Belege zeigen, daß ein ur-sprünglich slavischer Ortsname vorliegt: 1208 in Petrouich, 1267 in villa Petrowiz, 1389 Pe-tersdorf, 1570 Petersdorf usw. (L. Hosák, R. Šrámek ; im folgenden: Hosák-Šrámek). Nie-derdeutsches ist nicht festzustellen.
b.) Johannesthal, èechisch Janov, erscheint in seinem ältesten Beleg 1267 als Ianestorph, später: 1446 Janow, 1595 jiným johantalskym . Bei v. Klocke und Wann/Scherzer wird un-sauber zitiert „1267 Janestorp“. Dadurch wird niederdeutscher Einfluß (dorp) suggeriert, der aber gar nicht vorhanden ist (1268 Ianestorph). Der Name ent-hält offenbar den slavischen Personennamen Jan, erst später setzt sich Johann durch. Der Versuch, durch eine später in diesem Ort bezeugte Person Haemler eine Beziehung zu Ha-meln herzustellen , wird damit gegenstandslos. Zudem wird eine Quelle für diesen Beleg nicht genannt.
c. Hennersdorf, heute èechisch Jindøichov, darf als Gründung aus der Zeit Brunos von Schaumburg angesehen werden: 1256 Henrikestorp, 1267 Henrikestorph usw. . Auch der niederdeutsche Charakter des Personennamens darf als sicher gelten . Als Beweis für eine Zuwanderung aus dem Wesergebiet reicht dieses allerdings keineswegs aus.
d. Arnsdorf, èechisch Arnultovice, 1267 Arnoldestorph, 1320 in Arnoldisdorf usw. , zeigt keine speziell niederdeutsche Lautung.
e. Batzdorf, èechisch Bartultovice, ist in den Quellen wie folgt belegt: 1267 Bertoldesdorph, 1320 in Pertoldisdorf, 1389 Bertoldi villam usw. . Niederdeutsches ist nicht zu entdecken; vielmehr spricht der Beleg von 1320 für oberdeutschen Einfluß.
f. Pittarn ist ein Ortsname unklarer Herkunft . Er ist zweifellos älter als die deutsche Ostsied-lung.
g. Liebenthal, èechisch Liptaò, ist ursprünglich ein niederdeutscher Name: 1256 Leuendal, 1262 Luptyn , 1267 Leuendal, 1280 in Luptyn, 1300 in Lybental, 1320 in Liebental usw. . Daneben muß allerdings auch ein slavischer Name Luptin bestanden haben. Die niederdeut-sche Form scheint auf eine Siedlung am leven dale (= hochdeutsch am lieben Tale) zurückzu-gehen, jedoch kann auch ein sehr alter Name (die èechische Form erweckt diesen Verdacht) vorliegen. Eine spezielle Beziehung zum Weserbergland oder zu Westfalen läßt sich aber nicht entdecken.
h. Röwersdorf, èechisch Tøemešna, ist alt wie folgt belegt: 1256 Renuerdostorp, 1267 Renfridestorph, 1320 in Rinfridisdorf, 1389 Reynersdorff usw. . In dem Bestimmungswort, d.h. in dem Personennamen, kann man eine niederdeutsche Form sehen (vor allem der Beleg von 1256 spricht dafür). Damit gewinnt man aber noch lange keine Verbindung mit Westfalen oder dem Weserbergland.
 
i. Peischdorf, èechisch Piskoøov, erscheint in den Quellen wie folgt: 1267 Piskerstorph, 1317 villam Piskersdorf, 1318-26 Piskersdorf, 1318 Piskoøov, 1389 Pikorzaw . Der Name ist nicht ganz leicht zu erklären, man wird am ehesten von einem Personennamen im ersten Teil ausgehen dürfen, der mit dem èechischen Fischnamen piskoø „Schlammbeißer“, am ehesten über einen Personennamen, zu verbinden ist. Die slavische Fischbezeichnung ist in das Deut-sche entlehnt worden. Für niederdeutsche oder weserländische Siedlung spricht nichts.
j. Hotzenplotz. Der Name dieses Ortes geht auf den Flußnamen Hotzenplotz, èech. Osoblaha, poln. Osob³oga, zurück, der vorslavischer Herkunft ist . Für unsere Problemstellung ist die-ses ohne Wert.
k. Rudolveswalt, èechisch Rudoltice, 1255 Rudolueswalt, 1389 Rudolswald usw. , zeigt keinerlei Spuren eines niederdeutschen Einflusses.
Das Resümee der Überprüfung ist kurz: nichts weist auf spezielle Beziehungen zum Weser-bergland hin. Allein ein Name, der von v. Klocke und von Wann/Scherzer angeführt worden ist, kann dafür herangezogen werden: der Burgname Füllstein, auf den noch zurückzukommen ist.
Es hat sich gezeigt, daß eine genaue Überprüfung der vorgebrachten Argumente nicht nur notwendig ist, sondern zu fundierten Aussagen führen kann. Diese Methode soll daher auch bei weiteren Ortsnamen, die als Beweis für eine westfälisch-weserländische Besiedlung  ge-wertet worden sind, angewendet werden.
l. Branekesdorf, eine Wüstung bei Blansko (heute Ortsteil dieser Stadt) nördlich von Brünn, ist nur einmal 1277 als Branekesdorp erwähnt . Es lag in der Nähe des Ortes Hamlíkov, der als wichtiges Argument für eine Beziehung zu Hameln angeführt wird (s. unten) und trug nach Wann/Scherzer 42 einen niedersächsischen Namen. Zusammen mit zwei anderen Orten ge-hörte er „seit 1277 den ... Herren von Stango ...“ . Ich habe mich bemüht, einen niederdeut-schen Personennamen Branek o.ä. nachzuweisen. Die einschlägigen Wörterbücher kennen jedoch keinen. Nimmt man weiter zur Kenntnis, daß die Silbe -ek- auch ein slavisches Suffix widerspiegeln kann, so gewinnt die slavische Deutung bei Hosák-Šrámek I 106 an Gewicht.
m. „Die nach Bischof Bruno benannten Siedlungen“  sind nach Wann/Scherzer, S. 30: 1.) Braunsberg, 2.) Brunswerde (nach Wann/Scherzer „Ausgangssiedlung für Braunsberg und daher später Altendorf genannt“), 3.) Brunseifen, 4.) Braunseifen (so auch bei F. v. Klocke : „Braunseifen, d.h. soviel wie Brunostal“), 5.) Brunthal, „der zweite Name für die Stadt Freudenthal“, 6.) Brunos, Wg. bei Walachisch-Meseritsch. Eine Überprüfung ist notwendig.
Zu Braunsberg, èechisch Brušperk: sowohl die alten Belege (1269 civitatem, quem Brunsperch nuncupavi ... Brunsperh, 1270 in Brunsperg usw. ) wie die historische Überliefe-rung läßt keinen Zweifel daran, daß in der Tat eine Brunonische Gründung vorliegt . Aller-dings weisen die Ortsnamen im zweiten Teil auf oberdeutsche Lautung (-perg für -berg) hin. Niederdeutsches -barg ist nicht zu erkennen.
Zu Brunswerde: ein Teil der Nachfolgesiedlung trägt heute den Namen Stará Ves, an alten Belegen sind zu nennen 1267 Bruneswerde, 1269 Brunswerde, 1389 in Braunswerde, 1403 in Brunswerd, 1408 super bonis illis Bravnswerd, 1466 de Antiqua villa vulgariter z Starewsy, 1518 v Stare Wsy, ... 1718 Altendorf . Der Zusammenhang mit dem Namen Brunos von Schaumburg ist unstrittig.
Zu Brunseifen/Braunseifen: mir gelingt nur der Nachweis eines Ortsnamens Braunseifen, èechisch Brunzejf, heute Rýzovištì. Aufgrund der alten Belege (1320 Brunsif, 1408 super Brunzyw, 1437 de oppido Brunsiffi usw. ) ist ein Zusammenhang mit dem Namen Brunos möglich. Da aber das Genetivformans fehlt (Brunos-seifen wäre zu erwarten), vermuten Ho-sák-Šrámek durch die Assimilation des ersten -s- an das zweite -s- frühen Ausfall des Genus-formans. Das kann man akzpetieren, es fällt aber zum einen auf, daß der Name im Gegensatz zu sonstigen Gründungen Brunos sehr viel später erwähnt ist und daß eine unmittelbare Ver-bindung mit mittelhochdeutsch brun + seifen „Bach, Wasserlauf“ auch von P. Vogt, dem wir eine gründliche Zusammenstellung der einschlägigen Namen verdanken , angenommen wor-den ist. Vogt hat auf weitere Namen im ehemaligen Kreis Olmütz (Brandseifen, Goldseifen, Kaltenseifenmühle, Rabenseifen, Seifenmühle, Stubinseifen) aufmerksam gemacht hat. Es spricht somit einiges dafür, in dem Namen von einem Adjektiv auszugehen und den Bischofs-namen fernzuhalten.
Im Fall von Brunthal, dem „zweiten Name für die Stadt Freudenthal“ , ist die Ansicht bei Wann/Scherzer , der ON. Bruntál bei Troppau sei „später umbenannt in Freudenthal“ und „nach dem Bischof Bruno benannt“, verfehlt. Die alten Belege lauten zwischen 1220 und 1405 nur Freudental, Wrowdintal, Vreudental  u.ä., erst 1456 begegnet zum ersten Mal sta-rosta bruntalsky , daher lehnten Hosák und Šrámek auch mit Recht einen Zusammenhabng mit dem Namen des Bischofs ab:
 
„Rovne? nelze v místní jménì hledat osobní jméno olomouckého biskupa Bruna ze Schauen-burku“.
Im Gegensatz zu dem vorigen Namen wird der der Wüstung Brunos (woher diese Form stammt, ist mir unklar geblieben) bei Walachisch-Meseritsch auch von Hosák-Šrámek I 111 anhand der Belege 1297 villam Brunnow, 1505 Brniow, 1535 ves Brniow usw. mit Bruno von Schaumburg in Verbindung gebracht, wobei man sich vor allem auf den ersten Beleg von 1297 stützt. Mich überzeugt das nicht; viel eher wird eine Schreiberumdeutung des ursprüng-lichen èechischen Namens Brnov vorliegen. Dieser wiederum gehört viel eher zu dem im Sla-vischen weit verbreiteten Sumpf- und Morastwort brn, an das auch Brno/Brünn angeschlossen werden kann .
n. Wann/Scherzer 42 nennen als deutschen Ortsnamen bei Hamlíkov Birchow, um auch da-durch die Beziehungen nach Hameln zu stützen. Offenbar (letzte Sicherheit konnte nicht ge-wonnen werden) handelt es sich um den 1320 einmal bezeugten Wüstungsnamen Briczow . Deutsche Herkunft scheidet angesichts dieses Beleges aus.
o. Nach Wann/Scherzer 34 hält der ON. Bu(t)schafka bei Hotzenplotz wie der ehemalige Buschhof südlich von Hotzenplotz „die Erinnerung wach an die von dem Bussche“. Der skep-tischen Haltung von H. Dobbertin , daß es erst recht nicht zutreffe, „daß die niedersächsische Adelsfamilie von dem Bussche etwas mit dem Buschhof südlich Hotzenplotz und mit der Ort-schaft Bu(t)schafka zu tun hatte“, kann nur zugestimmt werden. Sucht man die historischen Belege für den Ort Butschafka, èechisch Buèávka, bei Hosák-Šrámek I 126 auf, so findet man dort: „1570 Bischofka, 1582 ves Bussowecz, 1720 Buschaweg“. Es ist schon erschre-ckend, wie hier von seiten der Vertreter der Mährenthese gearbeitet worden ist.
p. Unzweifelhaft schaumburgischen Einfluß verrät der Burgenname Füllstein bei Hot-zenplotz, èechisch Fulštejn, heute Bohušov. Seine Belege, die hier nicht aufgeführt zu werden brauchen , sowie die geschichtliche Überlieferung weisen klar darauf hin, daß der Name eine Übertragung einer aus Schaumburg nach Mähren ausgesiedelten Adelsfamilie ist . Nur am Rande sei erwähnt, daß Spuren dieser Familie bis in die Ukraine zu verfolgen sind .
 
q. Nach Wann/Scherzer 28f. erinnert „das 1267 erstmals urkundlich erwähnte Kolonisations-dorf Grabowe (heute eingemeindet in Groß-Ostrau) ... direkt an niedersächsische Familien. Dieses großbürgerliche Geschlecht wird zwischen 1247 und dem 14. Jahrhundert in Hameln oft erwähnt“. Nichts davon läßt sich halten. Der ON., heute èechisch Hrabová, 1297 in Gra-bow, 1389 ville Antiquae Grabouie usw.  stand in Beziehung zu dem Ortsnamen Hrabùvka, 1389 Nouam Grabouiam usw. , und gehört zu den unzähligen slavischen Ableitungen von grab, hrab „Weißbuche“ .
r. Hamlíkov. Dieser Wüstungsname nordöstlich von Brünn ist ein besonders wichtiges Argu-ment für einen angeblichen Zuzug aus Hameln, denn er stellt nach Wann/Scherzer, S. 41 „die enge Beziehung zwischen dem Olmützer Bistumsgebiet und Hameln besonders klar heraus ... Die Siedlung wird unter der Bezeichnung Hemlincow erstmals 1353 in der Olmützer Landta-fel als zur Herrschaft Holstein gehörend genannt. Doch da für die Eintragungen in die alten Landtafeln in der Regel nur die tschechischen Namensformen maßgebend waren, ist Hemlin-cow bereits die ins Tschechische abgewandelte Schreibweise eines deutschen Ortsnamens, zumal der Tscheche seit Ende des 13. Jahrhunderts stimmhaftes g nicht mehr kennt. Die Schreibweisen in späteren Landtafeln lauten daher Hamlikow und sogar Hamakow, wobei dem deutschen Hamling(en) oder Hemling(en) die slawische Ableitungssilbe -ow (= Dorf u.ä.) angefügt worden ist. Der Name Hemlincow ist im gesamten Osten einmalig und aus dem Alt-tschechischen nicht zu erklären. Wohl aber darf man in der deutschen Namensform Ham-ling(en) bzw. Hemling(en) ein Patronymicum, d.h. Ableitung von einem Namen vermuten ...“. Die Konsequenz lautet: „Hemlincow-Hamlingen wäre demnach die Siedlung, in der sich Ab-kömmlinge aus Hameln niedergelassen haben“ . Diesem schloß sich H. Spanuth  an: „Selbst den Namen einer Siedlung, der aus dem der Stadt Hameln abgeleitet ist, hat Wann festgestellt, das inzwischen wüst gewordene Hamelingow (-kow), bei dem das Stammwort Hamel durch die eine Siedlung bezeichnende Silbe -ing und überdies durch das gleichbedeutende slawische -ow erweitert ist. Hamelner Herkunft beweisen auch die Familiennamen Hamlinus, Hämler und Hamel“.
Diese These versuchen Wann/Scherzer, S. 44 auch mit einem Blick in Hosák-Šrámek zu stützen: „ ... zumal auch tschechische Siedlungs- und Ortsnamenforscher den Namen Hem-lincow aus dem Deutschen ableiten, so zuletzt L. Hosák und R. Šrámek in dem von ihnen be-arbeiten Ortsnamenbuch Mährens und Schlesiens (1970, S. 239)“.
 
Die Auffassung dieses Ortsnamens als eine „Siedlung, in der sich Aussiedler aus Hameln nie-dergelassen haben“, blieb jedoch nicht ohne Widerspruch. Zunächst hat H. Dobbertin  nur ganz allgemein Zweifel angemeldet, dann vertrat er zunächst die Auffassung, „das winzige mährische Dorf [sei ] ... in Wirklichkeit nach einem Amelung (Ameling, Hamelinus)“ be-nannt . Wenige Jahre später verwies er auf einen Beitrag von E. Èerný , der sich mit der Geschichte des Dorfes intensiv beschäftig hatte, jedoch irrtümlich Hamlíkov mit dem 1349 erwähnten Holštejner Dorf Hertwigslog gleichsetzte .
Konkreter heißt es an gleicher Stelle: „Die Schreibweise Hamlingen kommt urkundlich gar nicht vor. Die von Dr. Wann gemeinte winzige Siedlung heißt 1353 Hemlynkov und Hemli-kov, 1385 Hamlicow, 1407 Hamlyko, 1437 Hamlinkow, 1511 Hamakow und gehörte zu den überwiegend deutschen Rodungsdörfern im Distrikt der erstmalig 1283 genannten Burg Holstejn zwischen Brünn und Olmütz“ . Auch an dieser Stelle nimmt H. Dobbertin an, „Ham¬líkov als Gründung eines Locators namens Hamelinus = Ameling/Amelung aufzufassen (vergleiche das seit 1466 bezeugte nach einem Ruprecht benannte Nachbardorf Rupp-recht/Ruprechtov“ . Dabei wird die Deutung von Hosák-Šrámek I 239 kritisiert: „Entschie¬den abzulehnen ist die von  ... Šrámek vorgeschlagene Ableitung des Ortsnamens Hamlíkov vom deutschen Wort Hammel (L. Hosák, R. Šrámek, ... I, 239)“ . Wieder etwas anders heißt es bei H. Dobbertin an anderer Stelle : „Heute leite ich den Ortsnamen Hamlingow ... von dem in Mähren vereinzelt, in Frankreich häufig auftretenden Personennamen Hamelinus (Ameling, Amelung) ab, nicht aber von dem Namen der Stadt Hameln (Quernhameln) ...“. Einen weiteren Vorschlag aus dem Jahr 1986 (Hemlynkow (1353) ... dürfte von Österreich aus besiedelt sein, denn sie hieß 1349 Merhlinslag“ ) hat er selbst später revidiert . In jüngster Zeit nimmt er an, daß der Beleg 1349 Merhlin-slag aus Hemlin-slog verlesen ist und auf einen deutschen Lokator namens Hamelinus (Ameling, Amelung), der frühestens um 1250 bei Ged-witz wirkte, zurückgeht . Damit steht für ihn fest, daß eine Herleitung des Namens vom dt. Wort Hammel im Sinne von Hosák-Šrámek I 239 ein Fehlgriff ist.
Die hier keineswegs in ganzer Breite dargestellte Diskussion zeigt, wie gering die Kenntnisse der Autoren auf namenkundlichem Sektor sind. Die Belege werden je nach Bedarf hin und her geschoben, eine saubere Chronologie wird nicht geleistet, auf lautliche und morphologische Fakten wird nicht geachtet, ein Vorschlag folgt dem nächsten, die Deutung basiert zum Teil auf aus der Luft gegriffenen Belegen usw. Man wagt sogar, den ausgewiesenen Fachvertretern der Onomastik ihre Kenntnis abzusprechen. Dabei bieten L. Hosák und R. Šrámek  eine Chronologie der Überlieferung des umstrittenen Namens und eine fundierte Deutung. Der Name Hamlíkov, inzwischen wüst, ist wie folgt überliefert: 1385 Hamlicov , 1407 in Hamly-ko, 1437 Hamlinkow, 1511 vsi pusté ... Hamakow (!), in ihm liegt eine Ableitung von einem Personennamen Hamlík vor, der seinerseits auf dt. Hammel beruht.
Die obigen Deutungen stecken voller Fehler: ein Suffix -ing- ist nicht vorhanden; eine Form Hemlincow ist nicht belegt; der Name Hameln bleibt fern; Hosák und Šrámek leiten den Na-men keineswegs aus dem Dt. ab, sondern von einem tschechischen PN., der mit slavischem Suffix -ik- von dt. Hammel abgeleitet ist (das ist zu beachten!); Dobbertin wirft Amelung, Ameling, Hamelinus ohne Kommentar in einen Topf.
Unser Resümee ist kurz: der Name hat mit Hameln nichts zu tun. Alle Vermutungen, die in diese Richtung gingen, sind verfehlt .
s. Hombok, ein mährisches Angerdorf, nach H. Dobbertin  bezeugt seit 1351, ist seiner An-sicht nach eine Gründung des in Quellen zwischen 1231 und 1277 erscheinenden Hildeshei-mer Edelherren Ulrich von Hohenbüchen. Dieses ist aus der Luft gegriffen.
Die Überlieferung des Namens zeigt (1364 parua Hluboky, 1365 Hlubiczki, 1391 mediam villam Hlubeczkeho usw. ), daß tschechisch hluboký „tief“ vorliegt . Der erste Beleg, der deutschen Einfluß zeigt, stammt aus dem Jahre 1691 Hohnbockh.
 
Man sieht, daß auch H. Dobbertin die Grundlagen der slavistischen Namenforschung nicht beherrscht.
t. Der Ortsname Hochwald, tschechisch Hukvaldy, südlich von Mähr. Ostrau, geht dagegen zweifelsfrei auf den Namen der Grafen von Hückeswagen zurück : 1234 Arnulfhus comes de Hucesvage, 1235 de Hugensvald, 1285 de Hukenswald usw. , deren westfälischer Heimatort außer Frage steht.
u. Hinsichtlich des Ortsnamens Rosenowe, tschechisch Ro?nov, heißt es bei Wann/Scherzer 29: „Zu diesen Ortsnamenbildungen ist wohl auch die zu den älteren Brunonischen Gründun-gen gehörende Stadt und Burg Rosenowe (zuletzt Roschnau genannt) an der der unteren Bet-schwa ... zu rechnen, kommt doch der Familienname Rosenau heute noch in Hamburg und im Holsteinischen vor. Auch wird im Ratzeburger Bistumszehntverzeichnis von etwa 1230 im Grenzbereich Ratzeburg gegen Holstein gleichfalls ein Ort Rosenowe genannt“. Auch hier irren die Autoren. Während Hosák-Šrámek I, S. 390f. nach Auflistung der Belege (1267 Ro-senowe, 1366 zu Rosenow usw.) noch die deutsche Deutung referieren, aber auch eine slavi-sche erwägen, sind sich R. Trautmann  und H. Wurms  in bezug auf den Ortsnamen bei Ratzeburg einig: die slavische ist vorzuziehen. Personennamen aus Hamburg und Schleswig-Holstein können als Gegenargument kaum belastet werden.
v. Schauenstein, Burg etwa 15 km östlich der Mährischen Pforte, zwischen 1270 u.1280 er-baut, „erinnert an die im Schaumburger Land bei Obernkirchen zwischen Hannover und Min-den gelegene Burg gleichen Namens“ . Dem ist angesichts der historischen Überlieferung (1293 Schornstein, 1307 in nouo Castro, 1347 castra nostra Schowensteyn usw. ) nur zuzu-stimmen. In der Nähe der Burg liegt der heutige tschechische Ort Kopøivnice, dt. Nesselsdorf. Diesen Namen vergleichen Wann/Scherzer, S. 30 mit Nesselberg (Nettelberg), „auf dem die Stammburg der Schaumburger Grafen oberhalb des Wesertals erbaut worden ist“. Diese An-sicht ist zwar angesichts der historischen Überlieferung (1511 od hranice kopøivnický, 1517 z Koprziwnicze, 1581 ves Kopr?ywnicze ..., erst 1846 Nesselsdorf ) verfehlt, jedoch folgen die tschechischen Autoren des mährischen Ortsnamenbuches (und das kennzeichnet ihre in-tegre Haltung gegenüber den Namen) der Ansicht von J. Pilnáèeck , der das Motiv der Na-mengebung in dem Wappen Brunos von Schaumburg, dem Nesselblatt (tschech. kopøivný list) sieht, wodurch schaumburgischer Einfluß doch vorhanden wäre. Ich muß gestehen, daß mich diese These nicht überzeugt. Der Ortsname geht viel eher auf den den Ort durchfließenden Bachnamen Kopøiv¬nice zurück, einer ganz gewöhnlichen Ableitung zu dem tschechischen Wort für die „Brennessel“ kopøiva.
w. Unstrittig ist die Verbindung zur Weser im Fall des Burgennamens Schauenburg, tsche-chisch Šaumburg, 1282 de Schowenburg, 1292 de Schowenburg, 1297 de Schonwenburg usw. , dessen Bau nach Wann/Scherzer, S. 31 1272 von Bischof Bruno geplant und in den nächsten Jahren durchgeführt worden ist. Diesem stimmt auch H. Dobbertin  zu.
x. Die Burgruine Stangow bei Dieditz im Kr. Wischau, erinnert nach Wann/Scherzer, S. 34 „an das Geschlecht der (von) Stange (Stango)“. Es könne daher auf Beziehungen zum Weser-bergland geschlossen werden. Erneut liegt ein schwerer Fehler vor: es gibt einen einzigen Be-leg für diese Ruine: 1361 Dyedycz ... in duobis castris videlicet Nouo, quod Stagnow dici-tur . Es ist äußerst schwierig, aufgrund dieser einen Nennung den Namen deuten zu wol-len , aber ein deutscher Personenname liegt auf keinen Fall zugrunde.
y. Ebenso verfehlt ist die Vermutung, der Ortsname Stangendorf in Nordböhmen erinnere „an das Geschlecht der (von) Stange (Stango)“ . Der Ortsname ist slavischer Herkunft: 1407 Trnecz de Stanowicz, 1457 und 1473 in Stanowiczich usw., erst 1665 Stangendorff .

Mährische Ortsnamen - Zusammenfassung

Wir sind am Ende der Durchsicht der herangezogenen Ortsnamen. In der Beurteilung kann ich mich kurz fassen: entgegen der von W. Wann vorgebrachten und so überzeugend klingenden These, daß die Forschungen zu den „einmaligen Beziehungen zwischen der Mährischen und der Westfälischen Pforte ein ganz neues und reichhaltiges Material an Familien-, Orts- und Flurnamen ...“ erbracht hätten , muß festgehalten werden, daß die herangezogenen Ortsna-men nur in wenigen Fällen belastet werden können. Vieles steht auf tönernen Füßen oder ist mehr als fraglich.
Für eine Verbindung zum Wesergebiet sprechen folgende Namen: Braunsberg/Brušperk, Brunswerde (jeweils zum Namen Brunos von Schaumburg), Füllstein/Fulštejn (Adelsname aus Schaumburg), Hochwald/Hukvaldy (enthält den Adelsnamen Hü-ckeswagen aus Westfalen) sowie die für sich sprechenden Burgennamen Schauenstein und Schauenburg.
Vor weiteren Schlußfolgerungen sollen aber zunächst die Flur- und Personennamen geprüft werden.
Trotz W. Wanns energisch vertretener Auffassung, es ließen sich auch Flurnamen als Beweis für engste Beziehungen zwischen Mähren und dem Weserbergland nachweisen, hat er selbst keinen einzigen Namen erwähnt. Da auch bei anderen Autoren entsprechendes Material nicht behandelt worden ist, kann eine Überprüfung hier nicht geleistet werden. Ob eine kritische Durchsicht mährischer Flurnamenarbeiten zu einem Erfolg führt, wage ich nicht zu beantwor-ten. Herangezogen werden könnten z.B. zwei Abhandlungen von J. Skutil: Místopisný slovník obcí okresu Blansko, Blansko 1966, und Mikrotoponymie a oronymie Drahanské vrchoviny, Blansko 1968.

Deutsche Personennamen in Mähren

Ein anderes Bild zeigt sich bei Argumenten, die mit Hilfe von Personennamen angeführt wor-den sind. In diesem Bereich scheinen die Vertreter der Mähren-These mehr Erfolg zu haben. Schon im Jahre 1940 meinte F. v. Klocke im Hinblick auf die Kolonisation in Mähren : „ ... die dem Schaumburger und Mindener Weserlande entstammenden Ritter oder Rittergenossen Rutger v. Bardeleben, Johann Kämmerer, Heinrich und Bruno v. Spenthofen, Dietrich v. Rot-torf, Konrad v. Lachdorf, Johann v. Cul und der tecklenburgische Ritterbürtige Eberhard v. Hörstel gehörten irgendwie zum Olmützer Gefolgschaftskreise“. Bei W. Wann heißt es daran anschließend über Bruno von Schaumburg: „Seine ritterliche und geistige Gefolgschaft, die sich allmählich um ihn sammelte ..., stammte zwar aus dem gesamten Reich, die meisten aber kamen doch aus dem Weserbergland und waren hier insbesonders zwischen Minden und Höx-ter beheimatet. Dazu gehörten, um aus der reichen Fülle nur einige zu nennen, z.B. die Barde-leben, Bose, Cul, Dassel, Emse , Fülme-Füllstein, Heimsen, Hohenbüchen, Homburg, Hörs-tel, Höxter, Kämmerer, Lachdorf, Landsberg, Meinsen, Romberg, Rottorf, Eisbergen, Spen-thove, Stockvisch, vom Turm, Vrolebsen, Wertinghausen und viele andere mehr“ .
 
H. Spanuth war von den Thesen überzeugt: „Diese[s] ... beweist Wann ... vor allem durch den Nachweis der gleichen Geschlechternamen im Heimatgebiet wie im Siedlungslande“ , und daran anschließend: „Die stärksten Beweise ... gewinnt er ... auf rein historischem Wege. In mühsamer Arbeit hat er aus Urkunden seiner alten Heimat eine große Zahl von Bürgernamen gesammelt, die gleichzeitig in Alt-Hamelner Quellen bezeugt sind, darunter so charakteristi-sche und wenig häufige Namen wie Leist, Rike, Fargel, Hake, Ketteler u.a. Diese Reihen wie-gen umso schwerer, als bürgerliche Familiennamen damals erst aufkamen und überdies nur ein Bruchteil von ihnen in den stark dezimierten Urkunden der Stadt Hameln überhaupt vor-kommt“ .
Dieses letzte Argument allerdings haben R. Frenzel und M. Rumpf zurückgewiesen: : „Es handelt sich um in ganz Mitteldeutschland gebräuchliche Namen wie Leist, Rike, Hake, Kette-ler - also kein Beweis“.
Es bleiben somit zur Prüfung die oben von W. Wann genannten Personennamen und weitere, vor allem bei Wann/Scherzer angeführte Namen. Ich werde sie im folgenden im einzelnen anführen und kurz besprechen.
Den Familiennamen Apole glauben Wann/Scherzer, S. 33 mit dem Ortsnamen Apelern zu-sammenbringen zu können. Das ist vom sprachwissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen unmöglich. Der Vergleich überzeugt nicht.
Das Geschlecht derer von Bardeleben ist im Urkundenbuch von Hameln gut bezeugt. W. Wann stützt sich aber vornehmlich auf eine Urkunde von 1264, zu der H. Dobbertin  einzu-sehen ist.
Eine besondere Beziehung zwischen dem Familiennamen Bose in Schaumburg und Mähren  vermag ich nicht zu entdecken.
Zu der Verbindung des Familiennamens von dem Busche (Schaumburg) mit mährischen Na-men wurde oben schon ablehnend Stellung genommen.
Der Familienname Cul (Schaumburg) erscheint in der strittigen Urkunde von 1264, zu der Anm. 118 zu vergleichen ist.
Die Heranziehung des Familiennamens Eisbergen überzeugt mich nicht. Genauere Angaben fehlen.
Zum Namen Emse, der mit Schaumburg nicht zu tun hat, wurde oben schon Stellung genommen.
 
Akzeptiert werden können die Beziehungen der Familie Fülme-Füllstein mit Mähren, die sich in dem oben diskutierten mährischen Burgennamen niedergeschlagen haben.
Spezielle Verbindungen zu Hameln glauben Wann/Scherzer, S. 40 in den Personennamen „Hamel (Hamal) im Boskowitzer Bezirk westlich von Olmütz“, ferner in einem gewissen „Hamelinus aus der nach Bischof Bruno benannten Siedlung Bruntal (später umbenannt in Freudenthal) und vor allem ein Haemler in ... Janestorph (Johannesthal, Kreis Jägerndorf)“ erblicken zu können. Nichts davon läßt sich halten. Der Ort Bruntal ist nicht nach Bischof Bruno benannt (s.o.), der Personenname Haemler verrät Umlaut und damit Ableitung von dem altdeutschen Namen Hamilo, Hemilo , bei allen drei Namen kommt eher der Hammel als Übername in Betracht als der Ortsname Hameln.
Unstrittig ist die Herkunft derer von Hemenhusen aus dem Wesergebiet, die nach Olmütz und in die Nähe von Hotzenplotz ausgewandert sind , auch wird man nicht bestreiten können, daß „sich mit Achilles von Heimsen ... [und anderen] Bürger und Bauern aus Hameln und Umgebung in Olmütz angesiedelt haben können“ . Und dennoch gibt es gegenüber der The-se, daß der Auszug über die Uckermark nach Pommern erfolgt ist, gewichtige Unterschiede, auf die noch einzugehen sein wird.
Verfehlt ist der Versuch, in dem mährischen Ortsnamen Hombok den Namen derer von Ho-henbüchen (bei Alfeld/Leine) zu sehen (s.o.). Die Familie ist aber in Mähren nachweisbar und offenbar aus Südniedersachsen eingewandert. Eine spezielle Beziehung zu Hameln läßt sich allerdings nicht nachweisen .
Ein Ritter mit dem Namen Eberhard von Horstelau erscheint in der umstrittenen Urkunde von 1264, zu der oben schon Stellung genommen wurde.
Genauere Angaben zu einem Familiennamen Höxter fehlen.
Die Herkunft der Familie von Hückeswagen (an der Wupper) ist unzweifelhaft. Über ihr Wirken in Mähren war schon oben die Rede. Eine besondere Beziehung zu Hameln besteht aber nicht .
Für den Familiennamen Kämmerer sind besondere Beziehungen zum Wesergebiet nicht nachzuweisen.
 
Konrad von Lachdorf erscheint in der strittigen Urkunde von 1264 und war wahrscheinlich Bürger von Minden .
Das Geschlecht von Landisbergen ist an Weser bei Leese und Estorf beheimatet; Hameln liegt weit ab .
Beziehungen zwischen Hameln und Mähren spiegeln sich dagegen in dem Namen des Ritters Tethardus Lothe wieder .
Den Namen des Ortes Meinsen bei Minden trägt offenbar Herbordus de Meynhusen, „der ... beim schlesischen Kloster Heinrichau begütert war“ . Aber auch dieser Ort liegt von Ha-meln weiter entfernt.
Auf die Umgebung von Rinteln verweist der von Wann herangezogene Familienname Rottor-pe, nämlich auf die Wüstung Rottorf östlich von Rinteln . Allerdings handelt es sich erneut um einen Beleg der umstrittenen Urkunde von 1264.
Die unzweifelhaft vorhandenen Beziehungen zwischen Schaumburg und Mähren schlugen sich auch darin nieder, daß Nikolaus von Schaumburg 1263 von Bruno ein Lehen zu Choryn bei Wallachisch-Meseritz erhielt .
Nicht ganz so sicher sind die Beziehungen der in Mähren genannten von Spenthove .
Für spezielle Verbindungen zu Hameln nahmen W. Wann und W. Scherzer den Familienna-men Stockvisch in Anspruch . H. Dobbertin hat jedoch mit Recht darauf verwiesen , daß ein Ritter namens Stocvisch 1283 in Diensten der Grafen von Schwerin gestanden hat. Auch zu diesem Gebiet hat Mähren unzweifelhaft Beziehungen unterhalten.
Besser steht es um den 1256 genannten Helmbert de Turri, einen Getreuen Brunos, „der vom Turmhofamt bei Möllenbeck abstammte“ .
Das betrifft auch einen „nicht genauer bezeichneten Beamten Brunos: Johann Vrolenwezen oder Frolebsen aus der Gegend von Hameln, der 1273 mit 10 Hufen zu Katscher bei Troppau belehnt wurde“ . H. Dobbertin meint zwar, daß es sicherlich nicht zutreffe, daß „dieser Knappe Johannes Vrolewezensis (1273) nach der Wüstung Frolibeshusen südlich Hameln benannt sei“ , aber er nennt nur die aus der Wende des 8. bis 9. Jahrhunderts stammende Belegform der Fuldaer Tradition Frolibeshusen, während Formen des 14. Jahrhunderts wie die um 1350 belegte Variante in Vrolevessen , 1365 Vrolevessen  und auch spätere Belege wie z.B. 1534 im Frolevser Feld  doch eindeutig für eine Verbin-dung des Familiennamens mit der Wüstung bei Hagenohsen sprechen.
Verfehlt ist allerdings die Annahme von W. Wann und W. Scherzer , mit der Person Her-mann von Wertinghausen (seit 1273 Erbvogt in Müglitz, 32 km von Olmütz entfernt) ließen sich spezielle Verbindungen mit Hameln als „Angehöriger eines in Hameln vielgenannten Geschlechtes“ herstellen , vgl. die ausführlichen Gegenargumente von H. Dobbertin .

Mährische Personennamen - Auswertung

Damit sind wir am Ende der Betrachtung derjenigen Argumente angekommen, denen Perso-nennamen als Basis zugrunde gelegt wird. Wir konnten einige nicht als Beweis für enge Be-ziehungen zwischen Mähren und Hameln (oder der näheren Umgebung) akzeptieren, aber einige Gleichungen sind sicher und nicht zu erschüttern. Wer sich jedoch in namenkundlichen Arbeiten auskennt, weiß, daß bei der Diskussion von strittigen Beziehungen die Flexibilität von Personen gegenüber der Beharrung von Ortsnamen eine geringere Aussagekraft besitzt. Natürlich kann es keinen Zweifel daran geben, daß es Kontakte zwischen dem Weserbergland und Mähren gegeben hat. Es fragt sich nur, ob es nicht einen anderen Bereich gegeben hat, der zu Hameln und seiner Umgebung engere, festere und (das ist angesichts der mutmaßlichen Datierung des „Auszugs der Hamelner Kinder“ nicht unwichtig) auch nach dem Ende der Tä-tigkeit von Bruno von Schaumburg andauernde Beziehungen unterhalten hat.
Ich übergehe den Glauben von W. Wann und W. Scherzer daran, daß zu unserer Frage Vor-namen etwas beitragen könnten („Vornamen wie etwa Balduin, Christian, Ewerhard, Hen-ning, Herbord, Lambert, Mauriz, Steven, Tilman, Witigo weisen nach Niedersachsen“) , da das zu dünnes Eis ist, um darauf etwas zu bauen, und komme zu einer zusammenfassenden Wertung der Thesen von W. Wann.

Kritik der Mähren-Theorie

Wie schon mehrfach angesprochen, meinte Wann, daß die „Forschungen der letzten Jahre, insbesondere in den mährischen Archiven, ... zu diesen einmaligen Beziehungen zwischen der Mährischen und der Westfälischen Pforte ein ganz neues und reichhaltiges Material an Fami-lien-, Orts- und Flurnamen, an Wappen, rechtshistorischen und volkskundlichen Denkmalen [erbrachten]“. Seine Thesen gipfeln in der Behauptung, daß diese Beziehungen „gleichzeitig einen Bestandteil innerhalb eines komplizierten Beweissystems, mit dem der endgültige Ver-bleib der Hämelschen Kinder präzise dokumentiert aufgezeigt werden kann, [bilden]“ . Dar-in stimmte ihm W. Scherzer zu, wenn er in dem Vorwort zur Neuausgabe 1984 meinte: „Die von ihm [W. Wann, J.U.] nach Niedersachsen und Hameln weisenden Belege sind zahlreich und bei weitem reichhaltiger als die Unterlagen früherer Deutungsversuche zur Rattenfänger-sage“ . Daß diese Auffassung nicht zu halten ist, werden wir bei einem Vergleich der Orts- und Personennamen des Wesergebietes mit denen der deutschen Ostsiedlung noch sehen.
Jedoch sind die Auffassungen von W. Wann und W. Scherzer auch bereits von anderer Seite nachhaltig kritisiert worden: „Die von Wann gebrachten Namen überzeugen nicht. Es sind Namen, wie sie in Mittel- und Norddeutschland üblich sind. Überdies wäre auch eine genaue Ableitung der Namen und der Heimat der Träger keineswegs ein stichhaltiger Beweis dafür, daß diese Namensträger unbedingt den Rattenfängerzug mitgemacht hätten“ . Nachdenklich stimmt auch die folgende Bemerkung von A. Cammann : „Im mährischen Urkundenbuch ist nach Dobbertin keine Hamelner Bürgerfamilie des 13. Jahrhunderts genannt, niemand von den Werengisi, Gruelhut, Lotho, von Wenge u.a.m. Dagegen sind sie in Pommern und an der Heerstraße Hameln-Magdeburg-Stettin-Kolberg häufig nachzuweisen“. In dieselbe Richtung geht die knappe Bemerkung von H. Dobbertin: „Hamelner Patriziernamen des 13. Jahrhun-derts hat Wann in oder bei Olmütz nicht nachgewiesen“ . Ebenso bedeutsam sind die An-merkungen von R. Frenzel
und M. Rumpf : „Wann behauptet, es habe sich um die niederen Schichten der Bevölkerung gehandelt. Dazu wäre zu sagen: Diese Bevölkerungsschichten hatten im 13. Jahrhundert noch keine Familiennamen. Die bürgerlichen Familiennamen bildeten sich damals erst langsam beim Patriziat heraus“. Daß die niederen Schichten gerade keinen Anteil an der Siedlung in Mähren hatten, hat auch - vielfach unbemerkt - der so gern von W. Wann und W. Scherzer herangezogene F. v. Klocke Jahrzehnte vorher bemerkt: „So wird durch günstige Urkunden-überlieferung für das Schaumburg-Olmützer Kolonisationsbemühen einmal der westfälische Ritteranteil am Ostunternehmen ... nach Umfang und Bedeutung klar erkennbar ... Hingegen bleibt der Anteil westfälischer Bauern an der Schaumburger Siedlung in Mähren viel unklarer als der in Holstein“   [Unterstreichung von mir, J.U.]. Hinzu kommt, daß das mit der Ratten-fängersage zusammenhängende Ereignis zeitlich später als die mährische Kolonisation schaumburgischer Adeliger anzusetzen ist. Das unterstrich - ganz unabhängig von der Ratten-fängersage - der von W. Wann und W. Scherzer gern zitierte F. v. Klocke: „Daß der ländliche Siedlungsbereich in Mähren nach Brunos Tod noch nennenswerten Nachschub aus Westfalen erhielt, läßt sich nicht annehmen“ . Ein halbes Jahrhundert später führte G. Schnath diese Tatsache als für ihn wichtigstes Argument gegen die Mährenthese an: „Anläßlich des 61. Nie-dersachsentages in Hameln 1980 [lehnte] ... Schnath ... Wanns Auslegung ab, weil die Besied-lung des Bistums Olmütz schon 1240/50 stattgefunden habe“ .
Bischof Bruno starb 1281. Der Einfluß aus dem Wesergebiet ließ rapide nach. W. Wanns Be-hauptung, im 13. Jahrhundert habe „von den ... zur engeren Wahl stehenden fünf Ländern: Neumark, Brandenburg, Oberschlesien, Westgalizien, Nordmähren und Oberungarn ... letzt-lich nur eine einzige Landschaft ... zur fraglichen Zeit nachweisbar enge und in ihrer Art auf-fallende Kolonisationsbeziehungen zumindestens zur unmittelbaren Hamelner Nachbarschaft unterhalten ...: das einen Bestandteil Alt-Mährens bildende Olmützer Bischofsland“ , ist falsch und entschieden zurückzuweisen. Sie berücksichtigt nicht die entscheidende Bedeutung der Schlacht bei Bornhöved (1227). Die Niederlage des dänischen Königs führte zum Zu-sammenbruch der dänischen Vormachtstellung und zum Aufstieg des deutschen Ostseehan-dels. Die Barrieren für die deutsche Ostsiedlung, vor allem in die ostseenahen Länder Meck-lenburg, Pommern, Ostpreußen und in das Baltikum, waren durchbrochen. Dieses sollte sich auch in den Orts- und Flurnamen dieser Gebiete niederschlagen und ist deshalb von erhebli-cher Bedeutung, weil für W. Wann die aus dem Namenmaterial erarbeiteten Parallelen die entscheidenden Argumente für Mähren als Ziel des „Rattenfängerauszuges“ darstellen. Diese Tatsache sind auch von Kritikern der Wannschen These nicht immer genügend beobachtet worden.

Die Gegenposition: Pommern und benachbarte Gebiete

Wir hatten bereits gesehen, daß W. Wann auf onomastischem Gebiet entscheidende und schwerwiegende Fehler unterlaufen sind. Von seinem Material bleibt nur im Bereich der Per-sonennamen Belastbares übrig. Ganz anders sieht es dagegen bei einem Vergleich der Namen des Weserberglandes und dessen Umgebung mit denen Pommerns, der Uckermark und weite-rer Ziele der deutschen Ostkolonisation aus. Dazu soll jetzt übergegangen werden.
Es darf schon hier bemerkt werden, daß ich im wesentlichen mit der Meinung von H. Dobber-tin übereinstimme, der in zahlreichen Beiträgen  den Nachweis zu erbringen versuchte, daß die Beziehungen des Hamelner Raumes mit denen Pommerns und den angrenzenden Gebieten viel enger als mit denen Mährens waren. Es wird allerdings auch darauf verwiesen werden müssen, daß ihm - ebenso wie W. Wann - bei der Behandlung der Orts- und Personennamen schlimme Fehler unterlaufen sind.
Die mit der deutschen Ostsiedlung verbundenen Aspekte sind vielfach behandelt worden. Ich werde darauf nur am Rande eingehen und nur insoweit, wie sie für das Weserbergland und den Hamelner Raum von Bedeutung sind. Hinweise dazu fand ich vor allem in den Beiträgen von C. Krollmann , F. Bertheau , E. Weise , F. Morré , W. Kuhn  und in dem Sam-melband Die deutsche Ostsiedlung des Mittelalters als Problem der europäischen Geschichte .

Ortsnamen

Uns soll im folgenden nur der namenkundliche Aspekt beschäftigen, vor allem die Frage, ob die nach Osten wandernden Siedler durch mitgenommene Namen etwas zu ihrer Herkunft aussagen können. An erster Stelle stehen dabei die Ortsnamen.
 
Durch die fortschreitende Bearbeitung der mitteldeutschen Namen sind die Vergleichsmög-lichkeiten in der letzten Zeit erheblich besser geworden. Nicht zuletzt durch die Arbeiten am Brandenburgischen Namenbuch  ist die Basis für Vergleiche zwischen westdeutschen und mitteldeutschen Namen erheblich verbessert worden. Dabei haben sich die Autoren auch den Namenübertragungen zugewandt; jeder Band des Brandenburgischen Namenbuchs enthält einen Abschnitt, in dem mutmaßliche Namenentsprechungen diskutiert werden. Weiterhin ist eine im Druck befindliche zusammenfassende Studie von S. Wauer mit reichhaltigen Litera-turangaben zu berücksichtigen , in der die Problematik der Namenübertragung am Beispiel der Uckermark ausführlich behandelt worden ist.
Nach diesen einleitenden Bemerkungen soll zu einzelnen Ortsnamen, die im Zusammenhang mit der deutschen Ostsiedlung als Übertragungen diskutiert worden sind und Hinweise auf die Herkunft der Siedler geben könnten, übergegangen werden.
1.) Altfelde bei Marienburg. H. Dobbertin vermutete , „‘daß der Vogt Johann von Alfeld 1283 in Masuren als Vasall des Grafen Nikolaus von Spiegelberg verschollen ist’, auch mit weiteren genealogischen Perspektiven, z.B. auf Gründung des Dorfes Altfelde bei Marien-burg“. Diese Gleichsetzung ist in jeder Hinsicht verfehlt, sowohl hinsichtlich des ON. Alfeld (Leine), der mit niederdeutsch old „alt“ nichts zu tun hat, wie auch des ON. Alt(en)feld(e) bei Marienburg, heute polnisch Stare Pole, 1330 Aldenvelt, 1398 Aldefeld, 1565 Althfelth alias Stare Pole usw. . Schon an diesem einen Beispiel kann man sehen, daß auch den Gegnern der Mähren-These W. Wanns auf namenkundlichem Sektor grundlegende Kenntnisse fehlen.
2.) Altschaumburg an der Oder (nördlisch von Küstrin), 1460 Schawenborch, heute polnisch Szumi³owo, ist von H. Dobbertin zunächst  als „nach den beiden gleichnamigen Grafenfami-lien des Weserberglandes benannt“ aufgefaßt worden. Später präzisierte er diese Angabe und sah in dem Ortsnamen einen Bezug auf die Brandenburger Markgräfin Heilwigis von Schaumburg-Holstein . In jedem Fall ist seine Bemerkung wichtig, daß der Name nicht be-weise, daß „die Grafen von Schaumburg-Holstein einseitig die Olmützer Kolonisation unter-stützt haben“ .
 
3.) Verschiedentlich ist vermutet worden, daß der nahe bei Hindenburg (zu diesem Namen s. unten) in der Uckermark liegende ON. Baßdorf von Lippe übertragen worden sei . Dabei ist aber der westfälische Vergleichsname nicht genannt worden, ich vermute, daß man an Bas-dorf, eine Wüstung bei Minden, oder an Basdorf bei Korbach (Hessen-Waldeck) gedacht hat. In jedem Fall muß der Vergleich aufgegeben werden, da die alten Belege für Baßdorf (Uckermark) 1335 Bartoldesdorp, 1375 Bartilsdorp, 1486 Berstorff, 1527 Bergestroff usw., um 1720 Barsdorff , eindeutig auf Ableitung von einem stark flektierenden Personennamen Barthold weisen , während die beiden westdeutschen Toponyme ganz anderer, z.T. noch ungeklärter Herkunft sind: Basdorf bei Korbach in Waldeck ist nach dem Westfälischen Ur-kundenbuch, den Zusammenstellungen bei Erhard, Regesta Historiae Westfaliae und anderen Quellen alt nur überliefert als Barstorp, Borstorp. Eine Ableitung von Berthold, Barthold liegt keineswegs vor. Die ältesten Belege für die Wüstung Bastorpe bei Minden am Bach Bastau sind 1181 Bastorpe, ca. 1191 Basthorpe , worin E. Förstemann  vielleicht mit Recht eine Ableitung von dt. Bast sieht. Die Verbindung mit dem Osten ist m.E. nicht überzeugend.
4.) In dem ON. Beweringen, heute poln. Bobrowniki (Stargard), einem ON. bei Marienfließ, poln. Marionowo (östlich von Stargard), sieht H. Dobbertin  mit Recht eine Übertragung von Beveringen bei Pritzwalk und weiter von Beverungen an der Weser. Jüngere Untersu-chungen bestätigen diese Auffassung nachhaltig. So hat S. Wauer den ON. Beveringen bei Pritzwalk behandelt und ihn aufgrund der alten Belege 1368 Beueringhe, 1376 in Beueringen usw. als Übertragung von Beverungen an der Bever bei Höxter angesprochen. Wichtig ist ihre Bemerkung, daß keine Bildung „PN. Bever ,Biber’ + -ingen“ vorliegen kann, „da zur Zeit der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung Namen mit dem Suffix -ingen nicht mehr gebildet wurden“ . Zum ON. Beverungen an der Weser, 826-876 Beuerungen, am Rand: Beuerun-gen, 1155 de curia Beueringen, (1162) de curia Beveringen, (1205-16) Heinricus de Beverun-gen, (1223-54) Conradus de Beverunge, 1238 (K.) Conrado de Beverungen, 1252 Conradus de Beuerungen, 1252 Conradus de Beuerunge, 1256 dictus de Beuerungen, 1300 (oder 1306) (A.) in Beverungen, 1266 Bertoldus de Beverungen, 1262 miles de Beverungen, 1283 villa Beuerungen, (vor 1284) in inferiori Beverungen (Nieder-
Beverungen), 1284 in minori Beverungen (Nieder-Beverungen), 1399 an Beverungen , einer hochaltertümlichen Ableitung zum Flußnamen Bever, habe ich an anderem Ort Stellung ge-nommen . Der Wechsel zwischen -ing- und -ung- ist häufiger zu beobachten; man kann im allgemeinen eine Entwicklung von -ung- > -ing- feststellen. Die Beobachtung von S. Wauer ist deshalb so bedeutsam, weil es sich bei den Namen in der Prignitz und in Pommern auf-grund des nicht mehr produktiven Suffixes nur um eine Namenübertragung handeln kann und nicht um Schöpfungen aus dem lebendigen Wortschatz.
5.) Dem Vorschlag von L. Enders , in der Namenparallelität Bischofshagen, Wüstung bei Greiffenberg (Uckermark) - Bischofshagen (bei Löhne in Westfalen) eine Übertragung aus dem Westen zu sehen, ist S. Wauer gefolgt . Bischofshagen bei Greiffenberg ist wie folgt belegt: 1375 Byscoppeshaghen, 1416 to Byschopshagen, 1481 zu Bischofshagen, 1498 zu pi-schoffeshagen usw. , für Bischofshagen in Westfalen habe ich einen Beleg von 1318 in den Bischopeshagen ...  gefunden . Zu weiteren -hagen-Ortsnamen wird weiter unten noch Stellung genommen.
6.) Bei jedem Namen ist sorgfältig zu prüfen, ob die Verbindungen korrekt sind. Nach S. Wauer ist der Versuch von L. Enders , den uckermärkischen ON. Boisterfelde („bis ins 19. Jahrhundert hinein „Biesterfelde“ gesprochen ...“), auf Biesterfeld in Westfalen (südlich von Lügde bei Bad Pyrmont) zurückzuführen, abzulehnen, denn dieser „kann nicht auf Biester-feld/Westfalen zurückgehen, da dieser Ort weit jünger ist“  . Für sich genommen ist das rich-tig, aber offenbar sind die Verhältnisse bei dem westfälischen Namen etwas komplizierter. Klar dürfte sein, daß der uckermärkische Name auf altes Bi(e)sterfeld zurückgeht: 1375 Bis-tervelt, 1528 Biestenfeldt, 1629 Biesterfeldt (FlurN.) .
Der westfälische Name Biesterfeld südlich von Bad Pyrmont geht auf eine Meierei zurück, die (zusammen mit anderen) zur Zeit von Simon VI. im 16. Jahrhundert entstanden ist . Zu be-achten ist aber sowohl eine Adelsfamilie Lippe-Biesterfeld, die Graf Jobst Hermann (1625-1678) begründet hat, wie auch der alte und bisher nicht sicher erklärte Wüstungsname Biest bei Lemgo, 12. Jahrhundert und später Bist, Biest, der auch dem Biesterberg und der Biestermark bei Lemgo seinen Namen gegeben hat. Auch als Familien-name erscheint diese Bezeichnung, z.B. 1293 als Iohanne de Bist  .
Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß Boisterfelde in einer Beziehung zu Biest, Biester-berg, Biestermark und auch Biesterfelde steht, wobei zuzugestehen ist, daß von diesen Bies-terfelde der jüngste Name in Lippe zu sein scheint. Die Familie Lippe-Biesterfeld muß jedoch ihren Namen auch aus dieser Gruppe erhalten haben. Ich meine, man kann die Verbindung mit Boisterfelde aufrecht erhalten, zumal weitere Übertragungen in den benachbarten Ortsnamen Hindenburg und Hammelspring (zu beiden s.u.) vorliegen.
7.) Auf Beziehungen zwischen Bischof Bruno und Ostpreußen weisen Wann/Scherzer selbst hin: dessen Teilnahme an einem Feldzug „scheint  mit der Benennung der wohl 1254 gegrün-deten Stadt Braunsberg (Brunsberg) im preußischen Ermland honoriert worden zu sein“ . Allerdings ist diese weit verbreitete Annahme mit einem kleinen Fragezeichen zu versehen: Braunsberg, heute poln. Braniewo, ist bereits 1249 in der Form Brusebergue überliefert, er-scheint zwar 1254 als Brunsberg, dann aber (1274-75) wieder etwas abweichend als Brunen-berch, und gewinnt erst später Stabilität in den Formen Brunsberg, Braunsberg . Während K. Rymut nur darauf verweist, daß 1249 eine Bezeichnung für ein preußisches Dorf vorliege, hat S. Rospond wohl mit Recht in dem Beleg von 1249 einen preußischen Namen gesehen, der dann von den deutschen Kolonisten an den Namen Brunos angeglichen worden sei („na-dali mu pr. m. [den preußischen Namen, J.U.] przeinaczaj¹c nazwê na niem. Brunsberg ku czci œw. Brunona“). Ganz so sicher ist also die Verbindung mit dem Namen Brunos nicht .
8.) Auf Beziehungen zur Weser weist aber der ON. Dahlhausen bei Pritzwalk in der Prignitz hin. Seine historischen Belege (1487 dat dorp Dalehusen, 1503 Dallhusen, 1581 Dalhausen, 1601 Dahlhausen, 1652 Dalhausen) stützen die von S. Wauer  angenommene Übertragung von Dalhausen bei Beverungen an der Weser, 9.-11. Jh. (auch Kopie 1479) Daelhusen. Nicht zuletzt die Nähe zu Beverungen bzw. Beveringen bei Pritzwalk spricht nach ihrer Ansicht für diese Auffassung.
9.) Ähnlich verhält es sich mit dem ON. Eberstein bei Naugard, heute poln. Wojcieszyn. Es handelt sich zweifelsfrei um eine Übertragung, die auf Burg, Herrschaft und Familie (von) Everstein bei Holzminden zurückgeht. Ausführlich hat  sich dazu und zu den intensiven Verbindungen der Familie mit Pommern H. Dobbertin geäu-ßert , man vergleiche auch die Ausführungen von A. Hofmeister .
10.) Daß man seine Phantasie auch gelegentlich zügeln muß, zeigt der ON. Fanger, jetzt poln. Wêgorza, bei Naugard, 1461 Vanger. Daß diesem ON. slavisch *vo gorü „Aal“ zugrunde liegt, hätte schon ein Blick in die wirklich nicht unbekannten Arbeiten von R. Trautmann  gezeigt; auch für H. Dobbertin  ist dieses ein „zweifellos slavischer Ortsname“. Dennoch hat auch er damit spekuliert, dieser Name könne in Verbindung mit den benachbarten Pipenborg und Ro-den Vehr zur Namenbildung und Vorstellung von einem „Rattenfänger“ und „Piper“/¬Pfei¬fer beigetragen haben . Noch weiter ging A. Cammann mit der Vermutung, ob sich nicht „aus dem Herrschaftsnamen Roden Vehr - Fanger der Beiname Rattenfänger [hätte] bilden können für jenen Nikolaus ...? Das sind gewagte Thesen, aber des Nachdenkens wert“ . Diese Spe-kulationen führen viel zu weit, selbst wenn man zugestehen muß, daß die hier angesprochene Gegend von Hameln aus besiedelt worden ist .
11.) Fraglich ist auch die Ansicht von H. Dobbertin , der Name der Familie von Mansfeld-Friedeberg (Vredeberch, Vriberch) lebe angeblich in etlichen Ortsnamen der Neumark, Schlesiens und Mährens fort, so in 1. Friedeberg, poln. Strzelce Krajeñskie (in der Nähe auch Mansfelde, heute poln. Lipie Góry, also wahrscheinlich übertragen von Mansfeld), nahe der Netzemündung, 1272 (Strzelecz), 1334 Vredebreg, 1433 Strzelcze, 1440 Strzelce ,  2. in Friedeberg, heute poln. Mirsk, bei Grünberg, 1337 Fridberge, 1346 Frideberg, 1687 Frid-berg , 3. in Hohenfriedeberg bei Striegau, heute poln. Dobromierz, 1565 Hochfridberg usw. , 4. in Friedeberg am Altvatergebirge, èechisch Frýdberk, heute ?ulová, 1325 Vredberg, 1348 castrum Vredberg usw.  und schließlich 5. in Frideberch, èechisch Místek bei Mähr. Ostrau, 1267 Frideberch, 1288 Vridberg usw. .
Eine Überprüfung der einschlägigen onomastischen Literatur (S. Rospond, K. Rymut, Hosák-Šrámek) zeigt, daß die genannten Namen kaum anders als als typische „Gründungsnamen“ mittelalterlicher Städte  aufgefaßt werden können und zu dt. Friede und Berg bzw. Burg gehört. Damit wird in diesem Fall - unbeabsichtigt - die Möglichkeit einer Verbindung zwi-schen dem Mansfeldischen und Nordmähren, die W. Wann und W. Scherzer vielleicht nicht unwillkommen gewesen wäre, höchst unwahrscheinlich.
12.) Ebenfalls zurückzuweisen ist die von L. Enders  vermutete Beziehung zwischen Fürs-tenau in Westfalen und Fürstenau in der Uckermark, man vergleiche die Kritik von S. Wau-er .
13.) Ganz anders steht es mit den -hagen-Ortsnamen, deren besondere Problematik in Ver-bindung mit dem Hägerrecht hier gar nicht diskutiert werden soll . Wichtig sind hier nur Verbindungen zwischen -hagen-Namen. So betonten W. Wann und W. Scherzer , daß Wüs-tenhagen im Olmützer Gebiet besonders an die „in der Grafschaft Schaumburg zahlreichen  hagen-Siedlungen - ehemalige Rodungssiedlungen - ...“ erinnere.
Setzt man dem die Verhältnisse in Brandenburg, Pommern, der Neumark und weiteren durch die deutsche Ostsiedlung erreichten Territorien gegenüber, so zeigen einige Zitate den bedeu-tend größeren Umfang: „Fast ganz auf das pommersche Uckerland beschränkte sich bei der Namenbildung die Verwendung des Grundwortes -hagen. Es verweist auf westfälischen Sied-lungseinfluß, der von Schaumburg-Lippe ausgehend über Mecklenburg und Pommern anhand zahlreicher Namenbelege erkennbar und unter pommerscher Herrschaft bis in die Uckermark gelenkt worden ist“ , „Planmäßige Hagensiedlungen entstanden, von Schaumburg-Lippe ausgehend, in Mecklenburg und Pommern, vorwiegend an der Ostseeküste und am Oderhaff, doch auch im Binnenland, vornehmlich auf dem Territorium der Fürsten von Werle-Güstrow, in einem breiten Landstreifen zwischen Müritz- und Kummerow-See bis zur Tollense hin. Die unter pommerscher Herrschaft bis 1250 im Uckerland vollzogene Gründung der Hagen-Dörfer kann nicht isoliert von diesem Trend geschehen sein, zumal die Siedler zu einem Teil aus dem westfälischen Hagen-Gebiet stammten“ . Speziell zur Uckermark bemerkt S. Wauer : „Das im nördl. Teil der Ucker-mark häufig vertretene GW steht mit dem Siedlungszug von Westfalen nach Mecklenburg und Pommern in Verbindung“.
Eines der Ausgangsgebiete hat jüngst W. Laur namenkundlich bearbeitet  und zur Verbrei-tung ähnliche Schlußfolgerungen gezogen: „Die ersten Erwähnungen von -hagen-Namen fin-den wir in Westfalen ... Von hier aus haben sie sich wohl mit den Schaumburgern nach Schleswig-Holstein verbreitet und vom östlichen Niedersachsen weiter nach Nordosten“ . Man vergleiche dazu auch die Ausführungen von R. Weiß  und F. Engel .
Ich denke, daß diese Bemerkungen ausreichen, um die intensiven Kontakte des Wesergebietes mit dem Nordosten deutlich zu machen. Spärliche Spuren nach Mähren können das nicht aus-gleichen.
14.) Hameln und dessen engere und weitere Umgebung stand bei den bisherigen Namenparal-lelen schon des öfteren zur Debatte. Daß sich dieses in der Diskussion um die Beziehungen des Mutterlandes mit den ostdeutschen Kolonisationsgebieten gut einpassen läßt, machen ei-nige Zitate deutlich. Dem zwanzig Kilometer entfernten Kloster Wülfinghausen schenkt 1250 der Herzog Barnim von Pommern seine Kirche in Pyritz (südlich von Stargard). „Der Geleit-brief des Erzbischofs von Magdeburg zeigt, daß Vertreter des Klosters in der betreffenden Zeit im Osten unterwegs waren, um Stiftungen zu erhalten ...“ . Die ungewöhnliche Bezie-hung blieb in den historischen Quellen ohne Folgenotizen, aber der Vorfall als solcher ist schon bemerkenswert. Für die nördliche Uckermark unterstreicht L. Enders , daß sie „von Norden und Nordwesten her aus dem holsteinisch-mecklenburgischen und westfälisch-niedersächsischen Raum beeinflußt“ ist . Schon seit 1158 holte „Erzbischof Wichmann von Magdeburg ... Kolonisten, unter anderm aus Flandern und Westfalen, in seine ostelbischen Besitzungen“ .
 
In dieses Umfeld gehört wohl eine der auffälligsten Namenparallelen  zwischen dem Hamel-ner Gebiet und dem Nordosten: die Verbindung zwischen Hamelspringe im Kreis Hameln-Pyrmont und Hammelspring in der Uckermark.
Hamelspringe am Süntel westlich von Bad Münder erscheint seit 1163 mit geringen Schwan-kungen als Hamelspring, in Verbindung mit Personennamen als Hamelspringe und Ha-melsprynghe . Die Deutung des Namens ist einfach: hier entspringt die Hamel, die später bei Hameln in die Weser mündet. Dieser durchsichtige Name ist in die Uckermark übertragen worden  und heißt dort heute Hammelspring (bei Zehdenick). Der älteste Beleg stammt aus dem Jahr 1375: Havelspryng, wenig später (1438) erscheint Hamelspringe . Der erste Beleg suggeriert, daß hier die Havel entspringen würde; diese liegt jedoch etliche Kilomter entfernt und spielt für den Namen des Ortes keine Rolle . Die Übertragung des ON. darf als gesichert bezeichnet werden . Es besteht Grund zu der Vermutung, daß Conrad II. von Hamelspringe entscheidend bei der Kolonisation in die Gebiete nördlich von Berlin mitgewirkt hat . In der Chronik von Hamelspringe heißt es dazu bei H. Schiffling: „Auf der damals kürzesten Wege-verbindung in den pommerschen Kolonisationsraum, über Magdeburg, Brandenburg, Havel-berg, Stettin in die Siedlungsgebiete Gollnow-Hindenburg-Naugard, mußte man hinter Havel-berg über das Kloster Zehdenick und Prenzlau. Zwischen diesen beiden Städten gibt es unter anderen Angerdorfgründungen zwei Orte namens Hindenburg und einen Ort Hammelspring. Es besteht die Vermutung, ... daß die Gründung von Hammelspring und die Orte Hindenburg auf das siedlungsunternehmerische Betreiben Conrads II. von Hamelspringe zurückgeht“ .
15.) Die nötige Sorgfalt im Umgang mit den Namenmaterial ist vor allem in umstrittenen Fäl-len besonders wichtig. H. Dobbertin glaubt, einen 1254 in Riga erwähnten Begleiter des Gra-fen Adolf von Schaumburg mit dem Namen Heyde 
von Heyen bei Bodenwerder herleiten zu können . Vergleicht man damit die etwa zeitgleich belegten Formen dieses Ortsnamens im Kreis Holzminden (1197 Heigen , 1304 (Kopie) in Eygen , 1310 (Kopie 17. Jh.) in Heyen , 1313 Heyen , 1316 Heyen  usw. ), so wird deutlich, daß diese Interpretation zurückzuweisen ist.
16.) Die schon genannten Orte Hindenburg sind ein weiterer wichtiger Aspekt in den Verbin-dungen des Weserberglandes mit dem Nordosten. Ausgangspunkt ist nach H. Dobbertin  und anderen die bei dem heutigen Ort Hinnenburg, Ortsteil von Brakel westlich von Höxter, früher gelegene Burg und um 1265 von Edelherrn Bertold von Brakel gegründete Herrschaft Hindenburg , 1237 Bertoldus de Hindeneburg, 1238 de Hindeneburg, um 1254 de Hindene-borgh, 1267 castrum Hyndeneborch usw.  Die „Familie Hindenburg stammt aus der Gegend von Beverungen“, heißt es knapp bei A. Cammann .
Mit hoher Wahrscheinlichkeit finden sich Übertragungen des Ortsnamens in den östlichen Kolonisationsgebieten in folgenden Orten wieder:
a.) Hindenburg, heute poln. Koœciuszki , bei Naugard, 1317 territorium Hyndenborch, 1331 castra ... Hindenborgh usw. , nach H. Dobbertin  von Hameln aus besiedelt und ur-sprünglich Wohnsitz der Familie von Hindenburg .
 
b.) Hindenburg bei Stendal in der Altmark , wo nach S. Wauer  eine Burg nachzuweisen ist, 1283 jhm dorffe Hindenburg, 1327 ville Hindenburg, 1441 dorffe zcu Hindenborg, 1464 Conrades to hindenborch, 1471 to hyndenborch (2mal) , nach H. Dobbertin  vermutlich gegründet um 1208, da in diesem Gebiet 1208 ein Reynerus de Hindenburg bezeugt ist .
c.) Lindenhagen bei Prenzlau, erst 1949 umbenannt aus Hindenburg, 1269 Fredericus de Hyndenborg, 1321 in villa Hindenborch . Eine Übertragung des Namens aus Westfalen nehmen auch L. Enders  und S. Wauer  an.
d.) Hindenburg bei Templin, 1369 tu Hindenborch bi Templin, 1375 Hyndenborch usw.
auch erwähnt 1438/73,  wo keine Burg nachzuweisen ist . Dieses Dorf ist nach H. Dobber-tin  besonders interessant: „es wird nämlich 1438 und 1473 - zusammen mit dem unmittel-bar westlich angrenzenden Dorfe Hammelspring - als Zubehör des Schlosses Zehdenick ... erwähnt“. Eine Übertragung des Namens aus Westfalen nehmen auch L. Enders  und S. Wauer  an.
e.) Nicht ganz sicher ist, ob hier auch Hindenberg bei Neuruppin einzureihen ist. Die Überlie-ferung zeigt kein Grundwort -burg: 1365 domus hindenberghe; Nycolaus hyndenberch, 1520 die veltmarckenn hindenbergk ..., 1540 der feldtmarck hinneberg . Vielleicht liegt eher eine Bildung „hinter (dem) Berg“ vor“.
Ich halte es für möglich, daß hier auch
f.) Hindenberg bei Luckau in der Niederlausitz anzuschließen ist. Dessen Überlieferung weist nicht auf -berg, sonder auf -burg: 1411 Hindenburg, 1482 Hindberg, Hindeberg, 1525 Hin-denborg, Hindenborg, Hindenborgk, [1527] Hindebergk. S. Körner, aus dessen Arbeit  die Belege stammen, etymologisiert den Namen als „Siedlung am Hirschkuhberg zu ahd. hinta ,Hirschkuh’“.
 
Fern bleiben Hindenburg in Oberschlesien, früher und jetzt Zabrze, und Hindenburg, Kr. La-biau in Ostpreußen, früher Groß-Friedrichsgraben, die zu Ehren des Feldmarschalls Hinden-burg (der zwar aus der Familie derer von Hindenburg stammt, was für unsere Frage aber ohne Bedeutung ist) so benannt worden sind .
17.) Nicht immer kann man jedoch den Ausführungen von H. Dobbertin, die im Fall des Ver-gleichs der Hindenburg-Orte überzeugen, folgen. So sind ihm bei dem Versuch , den ON.  Hohenbocka bei Senftenberg, angeblich bezeugt seit 1351, als eine Gründung des in Quellen zwischen 1231 und 1277 erscheinenden Hildesheimer Edelherren Ulrich von Hohenbüchen zu deklarieren, schwere Fehler unterlaufen. Dieser Adelige trägt den Namen des Dorfes Hohen-büchen im Kr. Holzminden, dessen alte Belege nach H. Kleinau  und anderen zunächst in latinisierter Form auftreten (1209 Conradus de Alta fago, 1211 Conradus de Alta fago; 1214 Conradus de Alta fago usw.), wenig später erscheint der Name in deutscher Form (1219 Con-radus de Honboken), was zeigt, daß der Name schon immer aus zwei Elementen (hoch + bo-                      k- „Buche“) bestanden hat.
Ganz anders dagegen Hohenbocka. H. Dobbertin hätte bei E. Eichler und H. Walther  nach-lesen können, daß die ältesten Formen des Namens seit 1451 Bugkow, Bockow, Bockaw, Bu-cke usw. lauten, daß er slavischer Herkunft ist und „das differenzierende Hohen- ... erst im ausgehenden 16. Jh. an den Namen an[trat]“. Der Vergleich ist daher zu streichen.
Ebenso verfehlt ist H. Dobbertins Glaube, daß „das Dorf Hombok östlich Olmütz ... vermut-lich seinen Namen [d.h. den von Ulrich von Hohenbüchen, J.U.]“ trägt . Der Blick in das Standardwerk der mährischen Onomastik  zeigt, daß der Name einwandfrei zu èechisch hluboký „tief“ gehört: 1364 parua Hluboky, 1365 Hlubiczki (!), 1391 mediam villam Hlubecz-keho. Ein Zusatz Hohen- erscheint erst sehr viel später: 1691 Hohnbockh. Damit bleibt auch dieser Name fern.
Daß allerdings auch in diesem Fall die Verbindungen des Wesergebietes mit dem deutschen Osten eine weitere Stütze erfahren können, erweist der in einer auf dem Zobten ausgestellte Urkunde von 1242 erwähnte Vlricus de alta fago , der mit Hohenbüchen im Kr. Holzminden zu verbinden ist und offensichtlich identisch ist mit den Nennungen in folgenden Belegen: 1240 Olricus de Alta fago , 1248 Olricus de hon-boken .
18.) Eine onomastische Perspektive enthält auch die Diskussion um einen Teil der Inschrift am Hamelner Rattenfängerhaus. Es ist die Passage To Calvarie bi den Koppen verloren. Auf die verwickelten Verhältnisse der Überlieferung will ich hier gar nicht eingehen. Vielleicht hat dieser Zusatz sowieso nur eine untergeordnete Bedeutung, denn in der Lüneburger Fassung ist „die Ortsbezeichnung Koppen, die mit Kopahn, einem Johanniterhof bei Rügenwalde gleich-gesetzt wird“, nicht erwähnt .
Daran scheitert wahrscheinlich auch schon die These von G. Spanuth, daß die Kinder beim Tanzen auf der Brücke „in den Koppen“ versunken seien. Es bleibt aber das Problem: was war oder ist bi den Koppen?
Einige sehen darin einen Flurnamen bei Hameln, so W. Wann , der einen Beleg von 1356 Die sogenannten Koppen für den Ausgangspunkt hält und andere Namenformen wie Der Koppen, Koppenberg, Köpfelberg als spätere und jüngere Formen für weniger belastbar er-klärt.
Nach G. Spanuth  muß Koppen „ein ganz bestimmter, eng begrenzter topographischer Beg-riff sein, der auch als Ortsname Coppenbrügge zur Erklärung herangezogen werden muß. Mit-telniederdeutsch kopp m. heißt ,Becher, Hirnschale’ und geht erst allmählich im 17. Jh. in die Bedeutung ,Kopf, Bergspitze’ über. Dafür steht mnd. höved = hd. haupt ...“.
In eine ganz andere Richtung gehen Vermutungen von A. Cammann, H. Dobbertin, C. Soete-mann  und anderen. Sie entdeckten den Ort Kopahn, poln. Kopañ, bei Rügenwalde, der „1270 bis 1294 urkundlich als Johanniterhof (Cuppen, Kopan, Cvpan usw.) bezeugt [ist], be-vor die Johanniter nach (Alt )Schlawe übersiedelten. Das heutige Dorf Kopahn liegt in Küs-tennähe am Nordhang einer bis mehr als 40 Meter über den Meeresspiegel ansteigenden An-höhe nördlich von ,Kopfberg’ der Stadt Rügenwalde, die 1270 durch Fürst Wizlaw II. von Rügen(-Stralsund) auf dem Berge ,Thirlou’ (Darlow) westlich Kopahn gegründet ist ... und 1312 auf den heutigen Platz an die Wipper verlegt wurde“ . Allerdings gibt es Identifizie-rungsprobleme, wie H. Dobbertin  selbst einräumt: „Ob Kopahn, wie Lisch (Namenregister zum Meckl. UB. I-IV) meinte, mit dem bis 1294 bezeugten pommer-schen Johanniterhof Kopan gleichzusetzen ist, der in Gollnow bei Stettin begütert war, muß dahingestellt bleiben“.
Auch in diesem Komplex sind einige Korrekturen vorzunehmen. Nach F.C. Müller  gibt die Bezeichung bi den Koppen „einen Hinweis auf die Wanderrichtung der aus Hameln entführten Kinder, die die Stadt durch das Osttor verließen. Die Koppen (= Kuppen) sind Hügel ostwärts des mittelalterlichen Hameln, jetzt in das Stadtgebiet einbezogen, im Zuge von Eisenbahn- und Industriebauten eingeebnet“. Dem wird man vielleicht zustimmen können, kaum aber den Folgerungen in einer damit verbundenen Bemerkung, „die Bezeichnung Koppe ... wiederholt sich für Berge in Schlesien und im Sudetenland, wie zum Beispiel Schneekoppe“.
Es ist unzulässig, aus der zufälligen Ähnlichkeit der Hamelner Koppen mit einem slavischen Ortsnamen bei Rügenwalde (Kopahn - Kopañ) oder dem Namen der Schneekoppe Folgerun-gen zu ziehen. Koppe ist eine Nebenform zu Kuppe, es „ist ein typisches Wort Mitteldeutsch-lands zur Bezeichnung von Bergen ..., das ... vor allem durch rheinische und hessische Siedler nach dem Osten bis ins Riesengebirge getragen wurde“ , das sich in Dutzenden von Namen findet (eine Verbreitungskarte bietet die in der Anmerkung genannte Arbeit von C. Kandler auf S. 69). Allein 45 Namen bietet diese Arbeit auf S. 121f. für Mitteldeutschland. Der Ver-such, aus diesen eine etwaigen Vergleichsnamen für bi den Koppen zu finden, ist ohne Sinn.
19.) Besser steht es wahrscheinlich um die Vermutung von H. Dobbertin , der ON. Leine bei Pyritz (heute poln. Linie) sei „benannt von der Leine“. Ältere Belege zu dem ON. habe ich nicht gefunden, aber eine Ortsnamenform auf niederdeutschem Gebiet, die einen Diphthong  ei- enthält, erfordert immer besondere Aufmerksamkeit. Nicht klar ist mir, ob der Name einer gut bezeugten adeligen pommerschen Familie von der Leine, de Leine, Leyne mit dem Orts-namen in einen Zusammenhang gehört oder ob die folgenden Belege des Familiennamens direkt an die Leine, Zufluß der Aller angeschlossen werden können: 1248 Theodericus de Lei-ne, 1248 (Kopie 1560) Theodoricus de Leine, 1250 (Abschrift 16. Jh.) Teodoricus de Leine, 1320 Theodericus de Leyne, 1320 Theodericus de Leyne, 1320 Thidericus de Leyne . Da sich ein slavischer Anschluß für diesen Ortsnamen nicht findet, halte ich die Vermutung H. Dobbertins - gleichgültig, ob der Familienname dem Ort dem Namen gab oder nicht - für ge-rechtfertigt.
20.) Nur am Rand will ich - da es weniger um das Wesergebiet geht - auf einen weiteren Ver-gleich eingehen. A. Poschmann hat  auf der Grundlage einer älteren
 
Arbeit  für sicher angesehen, daß Lichtenau, 15 km südöstlich Paderborn, 131(2?) in castro Masenheim sive Lechtenowe  (ein offensichtlich jüngerer Ortsname, der durch Zusammen-legung von Dörfern und Stadtgründung neben dem alten Kirchort entstanden ist ), der Na-menpate für Lichtenau im Ermland bei Braunsberg (heute polnisch Lechowo) gewesen ist.
Dessen darf man sich aber nicht sicher sein. Es gibt genug Orte, die den Namen Lichtenau tragen und ebenfalls für eine Übertragung in Frage kämen. Noch wahrscheinlicher ist aber, daß es sich um voneinander unabhängige Bildungen mit der Bedeutung „Ort in der hellen, freundlichen, belichteten Aue“ handelt. Der Ortsname ist zu untypisch, um belastet werden zu können. Hinzu kommt, daß Lichtenau in Ostpreußen bereits 1254 genannt ist: ad terminos ville, que dicitur Lichtenowe ... predictis de Lichtenowe , also etliche Jahrzehnte vor der ersten Nennung von Lichtenau in Westfalen.
21.) Ebenso ist es zu vermeiden, lautlich ähnliche Namen ohne Kontrolle als übertragen zu erklären. Das tut H. Dobbertin  im Fall von Mellen östlich Daber, das nach Mölln bei Rat-zeburg benannt sei. Wie die historische Belege zeigen, ist der Vergleich abzulehnen: (Groß )¬Mellen bei Daber, 1252 Melna, 1263 Melne, 1264 Melne usw.  gegenüber (Alt )Mölln, 1194 ad Antiquum Mulne, um 1200 procedens Molne, 1212 Thiethardus de Mulne, 1230 Mvlne, Ad antiquum Mulne usw. . Die Deutung der Namen kann hier unterbleiben.
22.) Bei der Erörterung eines Märchen- und Sagenkomplexes in Ostpreußen, bei der es auch um eine Rattenfängersage aus Dziergunken-Mühle geht, zitiert A. Cammann  J. Herrmann, der für den in der Nähe liegenden Ort Nickelsdorf (heute polnisch Nikielkowo) erwogen hat: „nach Graf Nikolaus?“. A. Cammann setzt diesem hinzu: „Vielleicht aber auch nach Nikolaus Sprenz“.
Nichts davon läßt sich halten. Man hätte schon bei V. Röhrich  nachlesen können, welcher Familie der Namenspatron wahrscheinlich angehört hat. Den Namen selbst  behandeln ausführlich B. Czopek-Kopciuch  und A. Pospiszylowa , die u.a. erwähnt, daß das Dorf 1366 Nicolao de Wopen als Lehen übertragen wurde.
23.) Die Gegend um Piepenburg, poln. Wyszogóra, bei Labes wurde nach H. Dobbertin  von Hameln aus besiedelt. Für den Ort habe ich nur einen Beleg aus dem Jahre 1320 als Pi-penborg  gefunden. Während A. Cammann  erwägt, ob diese „verdächtigen“ Ortsnamen „vielleicht auch zur Namensbildung und Vorstellung von einem ,Rattenfänger’ und ,Piper’/Pfeifer beigetragen haben könnten“, ist er für H. Dobbertin  „wahrscheinlich eine Variante des Namens der Hildesheimer Poppenburg ...“ , denn „vielleicht haben Graf Bern-hard von Poppenburg und die Grafen Hermann und Heinrich von Wohldenberg ... die Ort-schaften Piepenburg (= Poppenburg?) und Woldenburg ... gegründet“ . An anderer Stelle heißt es bei demselben: „Sehr wahrscheinlich ist Piepenburg nach dem Grafen Bernhard von Poppenburg-Spiegelberg benannt ... Der Ortsname Piepenburg kommt anderweitig nicht vor“.
Auch hier muß energisch Einspruch eingelegt werden. Zum einen ist zu beachten, daß der Ort Piepenburg und nicht Pieper(s)burg hieß (in dem man dann vielleicht so etwas wie einen Pi-per (Pfeifer) vermuten könnte, was aber auch kaum anzunehmen wäre), zum andern dürfte niemand in Hameln bis 1945 gewußt haben, daß es ein Dorf im fernen Pommern gegeben hat, das Piepenburg heißt und dadurch etwa die Erfindung eines Pfeifers (der in der Sage ja ein späterer Zusatz ist) beeinflußt worden wäre.
Der Name ist ganz anderen Ursprungs und kann auch keineswegs wie bei H. Dobbertin erklärt werden. Poppenburg bei Nordstemmen ist sehr früh überliefert: 1049 ad Bobbenburg habui-mus, 1056 castelli Poppenburg, 1141 (Kopie) Friedericus de Poppenburg usw. , die Formen mit -o- sind absolut konstant und gelten auch im 13. und 14. Jahrhundert: 1241 omnes milites de Poppenburg, 1353 to Poppenborch . Eine Interpretation als Pi(e)penburg ist völlig ver-fehlt. Der Name steht keineswegs so isoliert wie von H. Dobbertin vermutet. Im Kreis Labes liegt auch Piepenhagen und in Stettin gab es den Ortsteil Piepenwerder. Zugrunde liegt entweder niederdeutsch piep „Pfeife, Röhre, Abzugsgraben“  oder - wahrscheinlich eher - das z.B. im Westfälischen bekannte pîpe, das sich vor allem auf das „Pfeifengras (Molinia coeru-lea, eine in Mooren, feuchten Wiesen und lichten Wäldern häufig auftretende Grasart“) be-zieht . Der Rattenfänger bleibt fern.
24.) Zu Spekulationen hat auch der ON. Rothenfier (bei S. Rospond  Rothenflier!), poln. Czermnica, ON. bei Naugard, 1461 Roden Vehr , Anlaß gegeben. Da die Umgebung des Ortes von Hameln aus besiedelt worden sei  und neben Rothenfier auch Piepenborg lag, meinte H. Dobbertin : „Der Name Rothenfier bezeichnete wie der 1268 bei Gollnow be-zeugte Waldname Ekfir und wie die Dorfnamen Eichfier, Deutschfier, Hasenfier (= Hassos Fier!) vermutlich eine viereckige Rodungsfläche. Das Zusammentreffen dieser beiden merk-würdigen, anderweitig in Deutschland nicht vorkommenden Ortsnamen an der Westgrenze der um 1263 bis 1274 vom Weserbergland aus besiedelten Herrschaften Hindenburg und Naugard gibt ... zu denken“.
Eine Verbindung zum Rattenfänger suchte A. Cammann (wenn auch zugebend, daß es sich um „gewagte Themen“ handele) herzustellen: „Hätte sich nicht aus dem Herrschaftsnamen Roden Vehr - Fanger der Beiname Rattenfänger bilden können für jenen Nikolaus ...?“ .
Die Überlegungen enthalten nichts, was sich halten ließe. Über den pommerschen Flurnamen Vier oder Fier hat R. Holsten  in aller Ausführlichkeit unter Nennung von fast 100 Flurna-men und unter Bezug auf historische Belege gehandelt. Auf Einzelheiten soll hier nicht einge-gangen werden. Sicher ist nur, daß es sich bei dem Ortsnamen Rothenfier um einen Namen handelt, der aus dem pommerschen Wortschatz heraus ohne irgendeinen Bezug auf Hameln oder den Rattenfänger gebildet worden ist.
25.) Ganz anders steht es dagegen mit dem ON. Rutenberg in der Uckermark, 1300 Ruten-bergk , für die mit Recht angenommen worden ist, daß ihn „die „niedersächsische(n) Fami-lie(n) v. Rutenberg ... bei ihrer Wanderung ins Kolonisationsgebiet ... gegründet haben“ . Die Familie von Rutenberg verdankt ihren Namen dem Ort Rautenberg bei Hildesheim, an ältesten Belegen kenne ich 1226 Heinricus de Ruthenberge, 1227 Sifridus de Rutenberg, 1232 Sifridus de Rutenberge , zur Geschichte der Familie ver-gleiche man G. Weber , Emil Frhr. v. Orgies-Rautenberg , V. Röhrich  und T. Penners .
E. Weise hat zudem völlig recht, wenn er darauf verweist , daß der Name auch noch einmal im Ermland vorkommt. Es ist (Groß, Klein) Rautenberg bei Gumbinnen, poln. Wierzno Wiel-kie, Ma³e, 1347 Tylo de Rutenberg,  1348 (A. 14.,15. Jh.) Tylo de Rutenberg, Tilone de Rutenberg, 1357 (Tilo von) Rutenberg .
Ich denke, daß die Verbindung zwischen der Familie Rautenberg und beiden Ortsnamen Be-stand hat.
26.) Der heute nur noch in der Domäne Hof Spiegelberg östlich des Ith im Kreis Hameln-Pyrmont erhaltene Ortsname Spiegelberg ist der letzte Rest des einst in der Wesergegend nicht unbedeutenden Geschlechts derer von Spiegelberg, dessen Hauptsitz Coppenbrügge ge-wesen ist. Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden; die Literatur zur Geschichte der Familie enthält die notwendigen Angaben .
Die Kolonisationstätigkeit der Familie führte zweifelsfrei zur Übertragung des Namens nach Osten. Zu nennen ist vor allem Spiegelberg, ON. bei Pasewalk 
(Uckermark) . Die Verbindung mit slavisch œpik „Mergel, fetter Boden“ als „Mergel-berg“  ist aufzugeben. Als zweiter Name ist Spiegelberg, poln. Sprêcowo, ON. nördlich von Allenstein zu nennen , für den jetzt eine gute Zusammenstellung der historischen Bele-ge durch A. Pospiszylowa (allerdings mit der Erklärung aus einem PN. Spiegel + -berg) vor-liegt : 1360 Spiegelberg, 1388 Spiegelberg, 1564-80 Spiegelberg, 1625 Spiegelberg, 17. Jh. Sprencowo, 1656 Sprecowo, 1673-74 Spzencowo, um 1790 Spiegelberg, 1820 Spiegelberg alias Sprencowo usw. .
Fern bleibt dagegen Spiegelberg, poln. PoŸrzad³o, Orts- und Bergname bei Sternberg. Zwar hat H. Dobbertin recht, daß der Ort 1350 genannt ist , aber bezeichnenderweise teilt er den Beleg nicht mit. Dieser lautet nämlich Speghelberg , und in dieser, im Bestimmungswort niederdeutsch aufscheinender Form ist die Familie derer von Spiegelberg nie geschrieben worden. H. Dobbertins Vermutungen, der Ort könne „nach den gleichnamigen Grafenfamilien des Weserberglandes benannt worden sein“ , ist schon aus diesem Grund abzulehnen.
Zu weit führen auch andere, damit zusammenhängende Vermutungen von H. Dobbertin : „Der ungewöhnliche Ortsname Spiegel tritt nur in Bayern (Weiler bei Bad Tölz), zwischen Küstrin und Landsberg/Warthe (Forstort bei Döllensradung) und in Pommern (Gr. u. Kl.-Spiegel bei Kallies) auf. Hermann I. Spiegel v. Desenberg führte 1252 ... einen Rundspiegel im Siegel ... Später hatten die Spiegel v. Desenberg 3 (2,1) Rundspiegel im Wappen wie an-scheinend auch der 1442/43 in Spiegelsdorf (bei Boltenhagen zwischen Greifswald und Wol-gast) ansässige Hennink Speygelstorp ... Ferner sei hier auf Spiegelhagen (bei Perleberg) hin-gewiesen, das an einer der Straßen von Amelungsborn zum Amelungsborner Klosterhof Dran-se (b. Wittstock i.d. Prignitz) liegt ...“.
Hier sind wiederum verschiedene Dinge zurechtzurücken. Der ON. Spiegel westlich von Landsberg/Warthe, heißt heute polnisch PoŸrzad³o. Weder von dieser noch von jener Form führt der Weg zu der Familie Spiegelberg. Ebenso wenig trifft das für Groß und Klein Spiegel südlich von Dramburg/Drawsko in Pommern zu, heute ebenfalls polnisch PoŸrzad³o. Für beide gibt es ältere Belege:  1337 Spiegel, Spigel, 15. Jahrhundert Spygel, Spigel, im Landbuch Kaiser Karls IV. Spiegel . Nicht übersehen darf man, daß die Orte am Spiegel See liegen .
E. Mucke hatte beide Namen zunächst für slavisch gehalten und als ursprünglich Spikel bzw. Spikle zu spik, poln. œpik „fetter Boden, Mergel“ gestellt . In den „Berichtigungen und Er-gänzungen“ zu diesem Aufsatz  korrigiert er allerdings: „die gegebene Erklärung ist frag-lich, da das polnische Wort spik nicht vor dem 14. Jahrhundert aus dem Deutschen entlehnt ist; der Name kann daher auch deutschen Ursprungs sein“. Dem kann man sich nur anschlie-ßen. Sehr wahrscheinlich wird von dem Gewässernamen auszugehen sein, der auf einen ruhi-gen, flachen See Bezug genommen hat.
Von der Familie Spiegelberg fernzuhalten ist ebenfalls der ON. Spiegelsdorf östlich von Greifswald, 1360 speghelstorp, 1439 Spegelstorp usw., der eine Ableitung von einem PN. Spëgel enthält .
Das gilt schließlich auch für Spiegelhagen, ON. bei Perleberg, 1293 Spighelhaghen, 1303 spighelhaghen, 1323 speghelhaghen usw., man vergleiche die ausführliche Behandlung des Namens bei S. Wauer, Die Ortsnamen der Prignitz .
27.) Weniger strittig ist die Vermutung, daß der Ort Tiefenau (heute poln. Tychnowy) nahe der Marienburg nach Dietrich von Depenow benannt worden ist. Das nahm nicht nur H. Dob-bertin an , der zugleich als Herkunftsort des Familiennamens auf eine „noch als Burgwall vorhandenen Burg bei Heeßel westlich Burgdorf bei Hannover“ hinwies , sondern auch A. Cammann , E. Weise  und der Bearbeiter der Ortsnamen des Danziger Weichselgebietes H. Górnowicz , der eine gute Zusammenstellung der historischen Überlieferung des Orts-namens vorgelegt hat: 1250 a castro Dypenowe, 1285 de Tyfenow, in Typhenov, 1294 castri Tifenouwe usw., sowie jetzt auch B. Czopek-Kopciuch .
28.) Eine Übertragung aus Westfalen nimmt L. Enders für den Ortsnamen Vorwerk in der Uckermark an: „Westfälisch sind auch die Ortsnamen ... Vorwerk ... „ . Alte Belege schei-nen zu fehlen . Nach einer Phase, in der nur von dem „wüsten Feld Vorwerk“ gesprochen wird , entstanden im 1. Drittel des 18. Jahrhunderts neue Vorwerke, darunter auch Vor-werk . Der Übertragungsthese hat S. Wauer zugestimmt .
Ich vermag dem nicht zu folgen. Meine Suche nach westfälischen Ortsnamen führte zu vier Namen, von denen ältere Belege nicht zu erbringen sind. Ich habe den Eindruck, daß sowohl im Westen wie im Osten unabhängig voneinander Namen des Typs Vorwerk entstanden sind. Eine Verbindung sollte über dem Zufall erhaben sein; das ist hier nach meiner Einschätzung nicht der Fall.
29.) Nicht ohne Bedeutung ist der Nachweis eines Wüstungsnamens Westfalen bei Kyritz in der Prignitz, 1315 in campo westualia, 1429 auf dem uestualischen felde usw. . Es handelt sich einwandfrei um einen Hinweis auf Siedler aus Westfalen.
30.) Dagegen wird man der Vermutung von H. Dobbertin , in dem ON. Wohnsdorf bei Al-lenburg (Ostpreußen), 1288 Wonssdorf , eine Benennung nach einem Grafen von Wunstorf zu vermuten, kaum zustimmen können. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts  hieß Wunstorf wie folgt: 1250 prope Wunnestorp, um 1260 Wunstorpe, 1290 de Rad tho Wnstorpe, um 1290 Johannes comes de Wunstorpe, 1300 juxta Wunstorpe, 1325 in Wunstorppe, 1325 tho ... Wounstorppe . Ich sehe keine Möglichkeit, die jeweilige Überlieferung miteinander zu verbinden.
31.) Etwas besser steht es vielleicht - wobei Sicherheit nicht zu gewinnen ist - mit H. Dobber-tins zweifelnd vorgetragenen Vergleich zwischen Wohldenberg bei Hildesheim und Wolden-burg in Pommern, heute poln. D¹bie: „[Wir] wissen ... nicht, ob wir den Namen der seit 1248 bei Plathe bezeugten Burg Woldenberg oder Woldenburg des Ritters Friedrich von der Osten mit den Hildesheimer Grafen von Wohldenberg in Verbindung bringen dürfen“ . Der Ort bei Hildesheim ist bestens bezeugt, auch die daher stammende Familie ist in Dutzenden von Belegen bekannt. Hier eine Auswahl um die Mitte des 13. Jahrhunderts: 1245 comitum de Woldenberge, 1245 Heinrici de Waldenberg, 1246 comites de Waldenbergk, 1247 comes de Woldenberg, 1249 in Woldenberc, 1251 comites de Waldenberg; comes de Woldenberg, 1251 dictus de Woldenberg; senior de Woldenberge, 1251 Ludolfus de Woldenberg, (nach 1251) in Woldenberg, (nach 1251) Heinrici de Walden-berch, 1253 Hermannus de Wåldenberg . Für keinen anderen Ort Norddeutschlands habe ich bisher entsprechend zahlreiche Belege sammeln können. Ich denke, dieser Vergleich ist überzeugender als mancher andere.
32.) Das trifft jedoch nicht für den ON. Wünsdorf bei Jüterbog und der mutmaßlichen Ver-bindung mit Wunstorf zu. H. Dobbertin  glaubte diese Verknüpfung damit stützen zu kön-nen, daß Wünsdorf eine Gründung des Grafen Ludolf von Roden-Wunstorf gewesen sei. Er führt dazu an Belegen an: 1430 gerichte thu ferren Wunstorf, 1668 negst Wundssdorf .
Die Untersuchungen der Ortsnamen Brandenburgs stützen diese Ansicht nicht und korrigieren auch die von H. Dobbertin erwähnten Belege: G. Schlimpert hat zunächst darauf verwiesen , daß aus den beiden ursprünglichen Siedlungen Fernwünsdorf und Nächstwünsdorf erst 1874 der Name Wünsdorf entstanden ist (H. Dobbertins Belege beziehen sich also auf zunächst un-terschiedene Siedlungen). Fernwünsdorf ist wie folgt überliefert: 1346 Wustdorf(f), Wusttorf, 1430 thu ferren Wunstorf, 1501 in den beyden dorffern wonsdorff, 1583 Ferne Wunsdorff, 1624 Fern Wünstorff usw., der Nachbarort Nächstwünsdorf: 1501 in den beyden dorffern wonsdorff, 1583 Das dorff Negst Wunsdorff ... Negst Wünsdorff usw.
Eine Verbindung mit Wunstorff ist nicht möglich, da dieser Name keinen Umlaut (-ü-) zeigt, während Wünsdorf diesen zwingend voraussetzt und das -ü- auch schon im 14. Jahrhundert sehr wahrscheinlich gesprochen wurde. Die mittelniederdeutsche und mittelhochdeutschen Schreiben hatten aber noch kein Zeichen für das -ü-, es wurde wie -u- unterschiedslos als -u- realisiert. Der Vergleich ist abzulehnen.

Auswertung

Wir sind am Schluß unserer detaillierten Betrachtung möglicher Verbindungen des Weser- und Leinegebietes mit den Ortsnamen des deutschen Ostens angelangt. Daß sich diese auch außerhalb der Ortsnamen aufzeigen lassen, ist kein Geheimnis. Einige wenige Zitate mögen das belegen. So betont E. Weise den Landweg der Ostfahrer und meint : „Deutsche Bauern ... benutzten ... lieber die Landbrücke über Frankfurt-Thorn oder den Weg an die Küste ent-lang. Der Bauer treckt, er fährt nicht gern über See“, und kurz davor: „Die Besitzungen des Deutschen Ordens lagen ganz überwiegend im südlichen Niedersachsen ...“ . So war auch Doberan eine Tochtergründung „man sagte damals direkt filia“ - des Weserklosters Amelunx-born . In der Klosterkirche von Doberan stand ein Grabstein des 1304 bezeugten mecklen-burgischen Ritters Hinricus de Wesere . Im Jahre 1240 schenkte Herzog Barnim von Pom-mern dem Kloster Wülfinghausen seine Kirche in Pyritz .
Ich denke, es ist deutlich geworden, daß es unzweifelhafte Verbindungen zwischen dem We-ser- und Leinegebiet und dem Raum nördlich von Berlin (vor allem in der Prignitz und der Uckermark) gibt. Nach Streichung von etlichen falsch interpretierten Fällen bleiben an siche-ren Übertragungen von Orts- und Familiennamen auf Orte im Osten übrig: Beverungen - Be-weringen, Everstein, Schaumburg, Bischofshagen, Biesterfelde - Boisterfelde, Dalhausen - Dahlhausen, Hamelspringe - Hammelspring, Hindenburg, Rautenberg - Rutenberg, Spiegel-berg, Depenau - Tiefenau, Westfalen, Wohldenberg - Woldenburg.
Damit präsentiert sich bereits durch die Basis der Ortsnamen (die aber mit Sicherheit die überzeugendste Basis für derartige Vergleiche bieten) dieser Komplex als wesentlich über-zeugender als der von W. Wann und W. Scherzer bevorzugte mährische Raum (wobei nicht bestritten werden soll und kann, daß es auch - davon war eingangs schon ausführlich die Rede - dorthin eindeutige Namenübertragungen gegeben hat). Ein kurzer Blick in die Familien- und Personennamen wird diesen Eindruck noch verstärken.
 
Coppenbrügge - ein exemplarischer Fall
Zuvor sei jedoch an einem exemplarischen Fall nochmals demonstriert, wie leichtfertig gele-gentlich in der bisherigen Diskussion mit namenkundlichen Argumenten umgegangen wurde: gemeint ist der Ortsname Coppenbrügge östlich von Hameln.
Obwohl auch ältere Belege eindeutig zeigen, daß im Grundwort von ndt. -brugge „Brücke“ auszugehen ist (vgl. unten die Auflistung der Belege), indem man an Namen wie etwa Brüg-gen an der Leine und Brügge in Flandern anschließen kann, vertraut W. Woeller  auf die Namendeutung von S.D.G. Freydanck , sieht daher im Grundwort  burg, denkt bei dem Verschwinden der Kinder an einen Sumpfkessel bei Coppenbrügge und begründet dieses mit dem Ortsnamen: er „trug den Namen Copenbrug und war eine altgermanische Opferstätte. Als 1303 ... eine feste Burg errichtet wurde, ging der Name auf die Burg und den mit ihr entste-henden Ort über“ . In einer Anmerkung verweist W. Woeller nochmals auf die Arbeit von Freydanck, „in der bereits versucht wurde, zwischen Koppen und Coppenbrügge eine Verbin-dung herzustellen“ .
Dazu ist zunächst zu bemerken, daß Freydancks Untersuchung zu den schlechtesten und zu-gleich phantasievollsten Arbeiten über niedersächsische Ortsnamen gehört . Mit allem Nachdruck ist auf die zahlreiche Korrekturen enthaltenen Ausführungen von L. Bückmann  hinzuweisen. Dennoch haben auch R. Frenzel und M. Rumpf, die eine m.E. nüchterne und auf die wesentlichen Punkte beschränkte Zusammenstellung des Sagengerüstes geboten haben , diese Nüchternheit in diesem Fall aufgegeben und sind den Ausführungen W. Woellers ge-folgt. Es ist schon erstaunlich, wie leichtfertig man mit dem Ortsnamenmaterial umzugehen bereit ist.
Coppenbrügge ist wie folgt belegt: 10. Jh. (Abschr. 15. Jh.) ad Cobbanbrug, 1013 per summi-tatem montis Gigath ... usque ad Cobbanberg, 1033 usque ad Cobbanberg, 1062 tendit Chop-penbrukke, de Choppenbrukke, 1281 in villa Cobbenbrukke, 1381 Johanns de Kobbenbrughe, 1388 von der Kopenbrügge, 1393 van der Cobbenbrugge . Die Belege von 1013 und 1033 beziehen sich auf eine Erhebung bei Coppenbrügge. Daß der Name ansonsten eindeutig Bezug auf eine Brücke nimmt, zeigen die Belege ganz deutlich. Aber noch neueste Veröffentlichungen bieten Erstaunliches. So sieht Gercke  in dem Beleg a loco Kobbanbrug das Bestimmungswort brug = Bruch, folgert daraus, daß es sich nicht um das damalige Dorf handelt, sondern offensichtlich um den Bruch, der 1062 als Choppenbrukke dem Bischof Hezilo von Hildesheim verliehen wurde. Noch schlimmer wird es, wenn er fortfährt: „Daß es um 1000 schon vorhanden war, kann daraus geschlossen werden, daß der Ortsname Coppenbrügge ein keltisches Wort ist, wie es Edward Schröder erkannt hat“.
Natürlich liegt in Kobbanbrug nicht brug = Bruch vor, denn im Raum Coppenbrügge kann nur von niederdeutscher Lautung ausgegangen werden, wo es nur brok heißt, niemals brug, zum zweiten sollte man Keltisches aus Norddeutschland endlich verbannen; noch nicht ein-mal in Hessen wird man auch nur einen einzigen Ortsnamen finden, der mit Sicherheit dem Keltischen zuzuzählen ist.
Mit den Rattenfängersage hat der Name Coppenbrügge nichts zu tun.

Familiennamen von Weser und Leine im Osten

Es bleibt noch übrig, einen Blick in die weserländischen Familien- und Personennamen zu tun und zu prüfen, inwieweit diese den Weg nach Osten gefunden haben. Da einige schon bei der Behandlung der Ortsnamen zur Sprache gekommen sind, können wir uns hier relativ kurz fassen.
Daß Kolonisten aus dem Weserbergland den Weg nach Pommern und benachbarten Gebieten gefunden haben, ist unbestritten. H. Dobbertin hat in seinem Beitrag über Livland- und Preu-ßenfahrten westdeutscher Fürsten,Grafen und Edelherren im 13. Jahrhundert  u.a. behandelt:  Gottschalk von Pyrmont (1207), Ludolf von Hallermund, Dietrich von Adensen (1209), Hel-mold von der Plesse (1211), Adolf von Dassel (1220), Bodo von Homburg (1221), wahr-scheinlich hat auch Hermann II. Spiegel von Desenberg (1252-98) in Pommern kolonisiert .
Die von Duding(h)e, eine um 1230 nach Mecklenburg eingewanderte Ritterfamilie stammt aus Duingen bei Alfeld . Zu dieser Zeit erscheint der Ortsname wie folgt: 1238 filius suus de Dudinge, (um 1264) Dutinge, 1272 Hermannus de Dudinge; 1277-84 Iohannes Dudinges, 1291 de Dudingen, 1308 Hartmannus de Dudingen, 1308 Hartmanno de Dudinge, 1317 Hartmannus de Dudighe .
 
Beteko Gruelhut und andere Angehörige dieser Familie sind an Ostlandfahrten mehrfach be-teiligt ; mehrfach erscheint ein Familienname Hamel in Pommern , z.B. 1317 Lodekinus de Hamel, 1318 Thilo de Hamel (in Berlin ansässig) ,  worunter sich auch gelegentlich ein Abkömmling aus Hohenhameln bei Hildesheim befinden kann.
Ein starkes Argument für die Beziehungen Hamelns mit dem Odergebiet führt H. Dobbertin auch mit dem Hinweis auf Personen an, die Quernhamel heißen. Die Beziehung zu der mit-telalterlichen Ortsnamenvariante Hamelns ist evident. Gerade im 14. und 15. Jahrhundert wird Hameln oft so genannt: 1323 in Quernhamelen, 1337 (K.) in opido Hamelensi, alias dicti Quernhamelen, (1338) (K.) quod dictus locus aliquando nominetur Hamelen, aliquando Quernhamelen, 1345 in oppido nostro Hamelen alias Quernhamelen vulgariter nominato, (ca. 1368) Ad consules in Quernhamelen, 1372 to Querenhamelen, 1373 uppe Querenhamelen, 1407 unse stadt Querenhamelen . Daher ist für Personen, die diesen Namen tragen, oder für ihre Eltern oder Großeltern Hameln als Herkunftsort mit Sicherheit anzunehmen.
Zu nennen sind hier Wedego Quernhamel, 1357 Bürger von Danzig , 1377/78 Coneke von Querrehamel, Grundstücksbesitzer ebenda , aus Frankfurt/Oder: 1441 peter vnd hanse, geb-rudern, gnannt die quernhamele , 1473 Thewes Schulz vnd Quernhammel, Herrn des Raths , 1486 Hans Qwerenhamer; hans Qwernhammer; Hans Qwernhamer; hanns Quern-hamer . Bis Riga weisen die Spuren: 1303 Hermannus, Thiedemannus Quernehamel .
Vergleicht man mit diesen überzeugenden und unzweifelhaften Herkunftsnamen die Versuche von W. Wann und W. Scherzer, mit aller Macht in dem Wüstungsnamen Hamlíkov bei Brünn einen Zusammenhang mit Hameln zu entdecken, so wird die Diskrepanz zwischen Fakten und Wünschen besonders deutlich.
Die Familie derer von Spiegelberg wurde oben schon bei der Behandlung der Ortsnamen be-handelt.
In dem ON. Pottholtensen bei Wennigsen am Deister steckt ursprünglich eine Form Spolen-holthusen, die später zu Pottholtensen entstellt worden ist. Im ersten Teil des Namens liegt ein Familienname vor, wie einige älter ON.-Belege zeigen: 1222-1227 Domi-num Spolen de Holthusen, 1241 fratres et milites de Spollenholthusen, 1243 Con. et Thideri-cus de Spolenholthusen, 1247 fratres et milites de Spolenholthusen, 1304-24 in Spolholthu-sen . Zu gleicher Zeit ist im Calenberger Land auch die Familie Spole bezeugt: 1234-1242 Conradus et Didericus Spolones, 1243 Thidericus Spole, 1245 Conradus et Tidiricus fratres spolones dicit, ca. 1248 ... Spole, 1252 fratres et milites dicti Spolen ... Datum Holthusen .
Wie nun einige Belege aus Mecklenburg und Brandenburg zeigen, war „zumindestens ein Mitglied ... an der Ostkolonisation beteiligt“ : 1261 Hinricus Spole , 1304 Her Spole .
Weitere Ostlandfahrer befanden sich unter den Stanges  und den Trampes .
Diese knappen Bemerkungen machen deutlich, daß auch die familiären Verbindungen zwi-schen dem Wesergebiet und Pommern, Brandenburg, Mecklenburg usw. sehr viel enger waren als diejenigen mit Mähren. H. Dobbertins These scheint mir auch in diesem Fall gut begrün-det.

Kritik der Pommern-Theorie

Allerdings ist „seine Theorie einer auf dem Weg nach Pommern untergegangenen ,mittelalterlichen Adelswanderung’ seit Jahrzehnten immer wieder als die einzig mögliche Erklärung des Sagenkerns zu beweisen“ , auch kritisiert worden.
So etwa von W. Ueffing , der schon das Datum 1284 bezweifelt. Des weiteren von B.U. Hucker, der darauf verwiesen hat,  „wie dicht die personellen Beziehungen hin und her waren“ und deshalb meint: „Von einem spurlosen Verschwinden der Hamelner hätte keine Rede sein können und eine erfolglose Suche der Mütter bliebe angesichts der Funktionstüchtigkeit des Schiffsverkehrs und des Informationsnetzes im Hanseraum ziemlich rätselhaft“ .
Zur genauen Datierung des Auszugs der Hamelner Jungleute vermögen die Ortsnamen natür-lich nichts beizutragen. Aber immerhin läßt sich sagen, daß das anvisierte Jahr sich sehr gut in die Hochphase der deutschen Ostkolonisation einpaßt. Notiert man die Ersterwähnungen der in diesem Beitrag behandelten sicheren Ortsnamenübertragungen (wobei mir klar ist, daß das über das Entstehungsjahr nur bedingt Auskunft gibt) und zwei Personennamen, die mit den Flüssen Weser und Leine zu verbinden sind, so ergibt sich folgende Reihe: 1460 Schawen-borch, 1386 Beueringhe. 1375 Byscoppeshaghen, 1375 Bistervelt, 1487 Dalehusen, 1375 Ha-velspryng, 1317 Hyndenborch, 1283 jhm dorffe Hindenburg, 1269 Fredericus de Hynden-borg, 1369 tu Hindenborch, 1248 Theodericus de Leine, 1300 Rutenbergk, 1347 Tylo de Ru-tenberg, 1360 Spiegelberg, 1250 a castro Dypenowe, 1315 in campo westualia, 1248 Wol-denberg, 1304 Hinricus de Wesere.
Auf den Einwand von B.U. Hucker, ein spurloses Verschwinden könne angesichts der engen Verbindungen zwischen Heimat und Kolonisationsgebiet nicht angenommen werden, hat H. Dobbertin selbst wie folgt geantwortet: „Die Verhältnisse in Osteuropa waren zwar nicht Wildwest-Verhältnisse ..., aber es gab gewiß unzählige Vermißtenschicksale ...“, die den Stoff für sagenhafte Ausschmückungen hergegeben haben dürften. Ich denke, daß H. Dobbertin auch in diesem Punkt recht hat. Auswandern ist immer mit Risiken behaftet; einige wenige Unglücksfälle reichen aus, um in der Heimat zu gewaltigen Katastrophen umgedeutet zu wer-den.

Zusammenfassung

Ich bin am Ende meiner Überprüfung der namenkundlichen Seite bisheriger Theorien zur mutmaßlichen Auswanderung Hamelner Jungbürger. Nochmals sei betont, daß nicht zu bestreiten ist, daß es Verbindungen zwischen Mähren und dem Weserbergland gibt, aber ohne Frage bestehen viel sicherere Namengleichungen zwischen dem Wesergebiet und den Koloni-sationsgebieten nördlich von Berlin, vor allem der Prignitz, der Uckermark und mit Pommern. Die Gleichung Hamelspringe - Hammelspring spricht für sich.
Ich hoffe deutlich gemacht zu haben, daß eine sorgfältige Untersuchung der geographischen Namen doch sehr klare Hinweise auf das Ziel der Auswanderer geben kann. Gerade dieses ist bisher oft bestritten worden. So etwa von M. Kroner, der durchaus der Auswanderungstheorie den Vorzug gibt und unterstrichen hat: „Wenn dem so ist, hat die deutsche Ostkolonisation, über die es nur spärliche dokumentarische Nachrichten gibt, im Kleide der Fabel den Stoff für die bekannteste deutsche Sagengestalt geliefert“ . Zugleich schränkt er aber ein: „Das Niederlassungsgebiet konnte sich von der Ostsee bis nach Mähren erstreckt haben“.
Diese Skepsis findet sich auch bei H.E. Mayer , der m.E. zurecht gegenüber H. Dobbertin Zurückhaltung empfiehlt: „Der Vf. ist der sich in unserer Wissenschaft immer stärker be-merkbar machenden Versuchung erlegen, die Klärung der Vergangenheit bis zur letzten Kon-sequenz und zum letzten Detail treiben zu wollen (so etwa, wenn er glaubt, das Schiff mit den Auswanderern sei 1284 Juli 22 vom Johanniterhof Cuppen bei Rügenwalde zum letztenmale gesehen worden).“ Allzu skeptisch heißt es dann aber weiter: „Daß der Zug ins Kolonialland ging, sei als Möglichkeit gerne geglaubt. Zu weiteren Vermutungen reichen die Quellen nicht hin“.
Dem möchte ich die Aussagefähigkeit von Ortsnamen, die von einer Bevölkerung entweder mitgenommen werden oder aber aus ihrer Sprache, mit Hilfe derer ihre Herkunft oft genug bestimmt werden kann, in ihrer neuen Heimat nach alten Mustern neu geschaffen wurden, entgegensetzen . Daß mit dieser Untersuchung der geographischen Namen nur ein Teil des die Sage umspannenden dichten Netzes von Vermutungen, Ausmalungen und dichterischen Veränderungen etwas gelockert worden ist, liegt in der Natur der Sache. Wahrscheinlich ver-hält es sich so, wie E. Weise vermutet hat, daß es „die Erinnerung an einen starken Men-schenverlust durch die Ostkolonisation [ist], die in der Sage festgehalten wird“ .
Und daß von allen angebotenen Theorien (Kinderkreuzzug, Naturkatastrophe, großes Kinder-sterben, priesterlicher Ritualmord, Tanzwut [Veitstanz], Erinnerung an die großen Verluste Hamelns in der Schlacht von Sedemünde [1260], Ostkolonisation) die Suche nach einer neuen Existenz im Osten mit hoher Wahrscheinlichkeit hinter der Sage zu vermuten ist, wird immer wieder angenommen, ja gelegentlich erzeugte die Nichtberücksichtigung dieses Vorschlags sogar Erstaunen. Ich zitiere nochmals J.P. O’Donell : „Sonderbarerweise hat ein wirklich wichtiges politisches Ereignis des mittelalterlichen Europa bei den früheren Forschern, die dem Rattenfänger auf der Spur waren, nur flüchtige Beachtung gefunden: das Phänomen der Massenauswanderung nach dem Osten, der ständige Strom deutscher Kolonisten ...“.
 
Verbindungslinien zwischen Weser- und Leinegebiet und dem Osten

1  Beverungen (Weser) - Beveringen (bei Pritzwalk) - Beweringen (bei Stargard i. Pomm.)
2  Everstein (bei Holzminden) - Everstein (bei Naugard)
3  Schaumburg (bei Hess. Oldendorf) - Altschaumburg (nördl. Küstrin)
4  Bischofshagen (bei Löhne/Westf.) - Bischofshagen (b. Greiffenberg/Uckermark)
5  Biesterfelde (südl. Bad Pyrmont) - Boisterfelde (bei Prenzlau/Uckermark)
6  Dalhausen (bei Beverungen/Weser) - Dahlhausen (bei Pritzwalk/Prignitz)
7  Hamelspringe (westl. Bad Münder) - Hammelspring (bei Templin/Uckermark)
8  Hindenburg (westl. Höxter) - Hindenburg (Altmark) - Hindenburg (bei Templin) - Hindenburg (bei Prenzlau) - Hindenburg (Pommern)
9  Rautenberg (bei Hildesheim) - Rutenberg (südöstl. Neustrelitz)
10  Spiegelberg (südl. Coppenbrügge) - Spiegelberg (bei Pasewalk/Uckermark) - Spiegelberg (bei Allen-stein/Ostpreußen)
11  Depenau (bei Burgdorf/Han.) - Tiefenau (an der Marienburg)
12  Westfalen (Ländername) - Westfalen (bei Kyritz/Prignitz)

Verbindungen nach Mähren

a  Fülme (Porta Westfalica) - Fulštejn (bei Hotzenplotz, èech. Osoblaha)
c  Schaumburg - Šaumburk (bei Olmütz)

 
Diesem wollte ich nachgehen. Auf der einen Seite ging es mir darum, die z.T. erheblichen Unzulänglichkeiten, ja Unkenntnisse auf namenkundlichem Sektor deutlich zu machen (das betraf Anhänger wie Gegner der Mährentheorie gleichermaßen), zum anderen habe ich zu zeigen versucht, welch sichere Zeugnisse für Wanderungsbewegungen die Ortsnamen in sich bergen. Gar zu gern werden diese Aussagemöglichkeiten von Archäologen und Historikern übersehen oder für unerheblich erachtet. Um so wichtiger ist es, die historisch bezeugte Ost-kolonisation anhand der Ortsnamen einer Prüfung zu unterziehen.
Trägt man die aus dem Weser- und Leinegebiet sicher übertragenen Namen auf einer Karte ein (s.oben), so erscheinen diese Aussagen noch plastischer. Deutlich erkennbar sind die en-gen Verbindungen mit dem Nordosten, wobei zu betonen ist, daß nicht Pommern das eigentli-che Ziel war, sondern die Prignitz und die Uckermark. Hier finden sich fast alle Namen des Weser- und Leinegebietes wieder. Erst in einem weiteren Vordringen wird offenbar die Oder überschritten. Die Zusammenstellung der Namen und ihre Kartierung zeigen, daß die erste Kolonisationswelle aus dem Wesergebiet über die Altmark hinweg führte (Hindenburg als Ortsname einmal belegt) und daß sich die Kolonisten zunächst nördlich von Berlin niederge-lassen haben. Benachbarte Orte wie Hindenburg und Hammelspring sowie Beveringen und Dahlhausen deuten auf gewissen Konzentrationen der Siedler aus dem Wesergebiet hin.
Dem gegenüber ist die Zahl der sicher übertragenen Namen nach Mähren verschwindend ge-ring. Sie reicht nicht im mindesten an die Streuung nach Nordosten heran.
 
Schlußwort

Das Ergebnis zeigt, daß historische Überlieferung und Streuung der Ortsnamen zu einer ge-wissen Deckung gebracht werden können. Daraus dürfen verschiedene Folgerungen gezogen werden:
1.) Eine sorgfältige Analyse der Ortsnamen erlaubt es, Aussagen über Heimat und Expansi-onsgebiet zu machen.
2.) Übertragungen von Ortsnamen aus neuerer Zeit sind gut bekannt. Man denke an die Be-siedlung Amerikas durch Europäer (Namen wie Stanton, New Orleans, Hannover, Berlin), an die Einwanderung von Europäern nach Südafrika (Heidelberg, Heilbronn, Rijswijk), an die die Eroberung und Besiedlung Sibiriens durch russische Kolonisten, an Hugenottenumsied-lungen (Salzburg im Kreis Hameln-Pyrmont).
3.) Daraus folgt, daß die Orte Hammelspring, Beveringen, Hindenburg, Spiegelberg, Ruten-berg in der Prignitz, in der Uckermark und in Pommern im Zug der deutschen Ostkolonisation dorthin gekommen sein müssen. Der Anteil des Wesergebietes ist bedeutend. Es gibt gute Gründe, die Ortsnamen des Ostens mit dem Ziel der Hamelner Auswanderer in Verbindung zu bringen.
4.) Die Kontakte mit Mähren waren in erster Linie mit der Person des Bischofs Bruno von Schaumburg verknüpft. Nach dessen Tod 1281 erlosch die Zuwanderung aus dem Weserge-biet, während die deutschen Ostgebiete bis zum Baltikum den Siedlern weiter offen standen.
5.) Wenn es einen Rattenfänger gegeben haben sollte (es handelt sich aber wohl um einen zweiten Erzählstrang, der erst spät ausgeprägt wurde), dann hätte er die Hamelner mit Sicher-heit weder nach Siebenbürgen oder nach Mähren, sondern nur nach Brandenburg, in die Prig-nitz, die Uckermark oder nach Pommern geführt. Das jedenfalls besagen die Ortsnamen.
 

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