Fränkische Ortsnamen in Niedersachsen

Einleitung

Die Frage, inwieweit die Unterwerfung sächsischer Stämme durch die Franken auch Folgen für den Namenschatz Norddeutschlands gehabt hat, ist bisher zumeist eingebettet in die um-fassendere Diskussion um die Frankonisierung deutscher Ortsnamen behandelt worden. Nach G. Müller  handelt es sich dabei nach wie vor um „eines der Leitthemen historisch-philologischer Namenforschung“, aber es gibt immer noch erhebliche Differenzen über „Reichweite, Dauer, Intensität und Modalitäten dieses Einflusses“.
Wendet man sich dem norddeutschen Raum zu, so darf der äußere Rahmen der Einbindung in das Frankenreich mit H.-J. Nitz, der sich u.a. auf L. Fiesel und R. Wenskus beruft, etwa wie folgt umschrieben werden: „Im Rahmen der fränkischen Unterwerfung Sachsens in den Jahr-zehnten um 800 wurde eine umfangreiche grundherrliche Binnenkolonisation nach fränki-schem Vorbild in Gang gesetzt, an der sich neben dem Königtum vor allem der einheimische sächsische Adel und offenbar in nicht geringem Maße auch Adelige aus dem fränkischen Raum beteiligten“ . Von hieraus gesehen darf man durchaus annehmen, daß der fränkische Einfluß auch vor den Ortsnamen nicht halt gemacht hat.
Aber die bisherige Bearbeitung der Namen steht vor Schwierigkeiten. In seinem für unser Thema wichtigen Beitrag hat G. Müller deutlich gemacht, daß auf diesem Gebiet noch viel zu tun ist, denn „die Untersuchungen über die toponymischen Reflexe fränkisch-sächischer Be-ziehungen [stehen] erst an einem Anfang“ . Und das Resümee seiner Überlegungen schließt mit dem Satz : „Wohl lassen sich schon grobe Umrisse einiger weniger Stufen der fränkisch-sächsischen Auseinandersetzung an der Verteilung der Namentypen ... ablesen. Bis das Bild klar genug ist, wird aber noch viel an karger philologisch-historischer Kleinarbeit vonnöten sein“.
Wir werden somit nicht umhin können, zu einzelnen Namen detailliert Stellung zu nehmen, und dieses umso mehr, als man in weiten Kreisen der Historiker, Geographen und z.T. auch Namenforscher davon überzeugt ist, daß der Einfluß der Franken tief in die norddeutsche Namenlandschaft eingewirkt hat. Ein Blick in die Geschichte des Problems wird das zeigen.

Forschungsgeschichte
Abgesehen von einigen Vorläufern, darunter etwa W. Arnold , K. Rübel , P. Höfer , F. Lan-genbeck und H. Weigel , darf O. Bethge als Initiator der These gelten, wonach Spuren der fränkischen Organisation in den Ortsnamen gefunden werden können. Es ist klar, daß dafür nicht nur die Namen herangezogen werden können, aber sie sind z.B. für H.-J. Nitz  ein wich-tiger Faktor: „Das Problem der fränkischen Staatskolonisation beschäftigt die verfassungsge-schichtliche Forschung seit einigen Jahrzehnten. Die Untersuchungen ... stützen sich vorzugsweise auf schriftliche Quellen. Zur Aufhellung hat auch die Ortsnamenforschung We-sent-liches beigetragen“. Und zur Bedeutung von O. Bethge heißt es bei demselben Autor: „Auf die über Zufälligkeiten hinausgehende Massierung von Ortsnamen mit einer ‘schemati-schen’ Bildungsweise nach relativer Lage zu einem Mittelpunkt ..., nach Lage im Gelände ..., nach sonstigen Naturgegebenheiten ..., aber auch nach speziellen Funktionen ... hatte erstmals O. Bethge in einem vielbeachteten Aufsatz hingewiesen und ihre Gruppierung um fränkisch-königliche (fiskalische) Zentren als charakteristisch erkannt“ .
 
O. Bethges Aufsatz aus dem Jahre 1914 trägt den Titel Fränkische Siedelungen in Deutsch-land, aufgrund von Ortsnamen festgestellt . Obwohl die Kritik an diesem Versuch durchaus nicht ausblieb , ist seine These doch im wesentlichen akzeptiert worden. Zustimmung fand er unter anderem - wenn auch in unterschiedlichem Maße - bei L. Fiesel, F. Kaufmann, A. Bach, W. Flechsig, H. Kaufmann, R. Wenskus, D. Rosenthal, G. Müller, H.-J. Nitz und W. Meibey-er . Bei W. Kaspers  heißt es expressis verbis: „Daß man tatsächlich fränkische Siedlungen an ihren Namen erkennen kann, hat O. Bethge bewiesen, an ihren Namen oder besser an ei-nem gewissen Namenschema-tismus. Nordheim, Ostheim, Mülheim, Buchheim, Stockhausen u.ä. weisen in Verbindung miteinander auf Franken“. Die breite Zustimmung beruht aber, wie C. Jochum-Godglück erst vor kurzem wieder richtig betont hat , vor allem auf der freundli-chen Aufnahme durch A. Bach.
Angesichts dieser im wesentlichen positiven Aufnahme wird man sich vielleicht fragen, ob damit nicht das endgültige Urteil über ein wichtiges und interessantes Faktum gefällt worden ist. Aber es sei erneut an das oben zitierte Wort von G. Müller erinnert: bevor endgültige Klarheit erreicht worden ist, ist „noch viel an karger philologisch-historischer Kleinarbeit vonnöten“. Und es scheint, als habe man gerade im Bereich der Einzelbeurteilung der heran-gezogenen Namen durchaus nicht mit der notwendigen Kritik gearbeit.
Wenn ich also nochmals auf den mutmaßlichen fränkischen Einfluß in norddeutschen Namen (und hier ausdrücklich beschränkt auf Niedersachsen) zurückkomme, so hat dieses mehrere Gründe: 1.) Basierend auf der weiteren Bearbeitung der Gewässernamen Deutschlands  und Europas sind erste Zweifel an der nordischen Heimat des Germanischen geäußert worden . Dabei hat sich herausgestellt, daß das Germanische vor allem mit den indogermanischen Schwestersprachen im Osten, vor allem dem Baltischen, alte Kontakte besessen haben muß. Durch die Aufarbeitung der Gewässernamen Polens  wird diese Beobachtung immer wieder bestätigt. Aus diesen Beobachtungen heraus haben sich für nicht wenige und gerade die umstrittenen norddeutschen Ortsnamen neue Anknüpfung- und Deutungsmöglichkeiten ergeben. 2.) Der sich auch aus der Beobachtung der Gewässernamen ergebene Befund, daß der keltische Einfluß auf das Germanische zu hoch eingeschätzt worden ist, findet seine Bestätigung in einer Untersuchung, die versuchte, die alten Siedlungsgebiete germanischer Stämme mit Hilfe einer Untersuchung von Orts- und Gewässernamen näher zu bestimmen . 3.) Mit dieser Arbeit wurde wenigstens in Ansätzen versucht, die jahrzehntelang vernachlässigten Ortsnamen Norddeutschlands  (abgesehen von Schleswig-Holstein ) mehr in die Diskussion einzuführen als bisher geschehen. 4.) Die immer wieder auch für die Frage der fränkischen Beeinflussung niedersächsischer Ortsnamen herangezogenen -büttel-Namen wurden einer gründlichen Untersuchung unterzogen . Wir werden darauf noch zurückkom-men. 5.) Weitere Arbeiten zu niedersächsischen Ortsnamen  haben gezeigt, daß Alter, Schichtung und Streuung neu überdacht werden müssen. Sachsen-Frage  und die Beziehun-gen nach England erscheinen dabei ebenso in einem neuen Licht wie die sich in der Rattenfängersage spiegelnde mutmaßliche Auswanderung nach Mähren . 6.) Zu wenig Beachtung fand die berechtigte Kritik an der von A. Bach unterstützten Frankonisierungsthese durch H. Kuhn . 7.) Der die Theorie begründende Aufsatz von O. Bethge ist vor kurzem in der umfassenden und sehr zu begrüßenden Untersuchung von C. Jochum-Godglück  ausführlich behandelt worden („Die Überprüfung der nicht unumstrittenen gebliebenen Theorie Bethges ist das Anliegen dieser Arbeit“ ). Auch dadurch fällt z.T. neues Licht auf alte Fragen.
Es empfiehlt sich, vor Einstieg in die Einzeldiskussion der niedersächsischen Ortsnamen in kurzen Zügen die bisher fast allgemein anerkannten Merkmale fränkischen Einflusses anzu-sprechen. C. Jochum-Godglück hat dazu ausgeführt : „Während SN (Siedlungsnamen) mit patronymischen Erstglied (mit possessivischer Bedeutung) das personale Prinzip der Ortsna-mengebung repräsentieren, lassen sich die mit Appellativen komponierten Bildungen, sofern sie gehäuft auftreten, wodurch sie ja erst eigentlich schematisch werden, sprachlich sinnvoll nur als Ausdruck geplanter Ansiedlungen auf größeren Komplexen einheitlichen Grundbesit-zes erklären. Es war Oskar Bethge, der zu Beginn dieses Jahrhunderts feststellte, daß die schematischen, insbesondere die orientierten SN, auffällig häufig mit fränkischen Reichsbesit-zen korrelieren. Er nahm deshalb den Namentypus als Reflex gelenkter fränkischer Siedlung auf Fiskalland in Anspruch“. Darauf aufbauend wird fränkischer Einfluß von L. Fiesel etwa wie folgt definiert : „Demgegenüber sind die nicht mit PN, sondern nach Himmelsrichtungen, und die mit -holt, stock- und anderen sachlichen Bestimmungsworten gebildeten -husen-Namen vielleicht als fiskalische Gründungen anzusehen, wie Nordheim, Sudheim, West- und Ostheim, Stockheim, Stöcken, Dahlheim, Bergheim, Buchheim, Bekum, Steinheim, Kirchheim, Bokenem, Bokem, Boitzen“.
 
In dieser Äußerung hat sich bereits ein schwerer Fehler eingeschlichen, den O. Bethge selbst schon vorausgeahnt hat. Seine vorsichtige Mahnung ist jedoch immer weniger beachtet wor-den. Er schrieb : „Es soll nun nicht grundsätzlich behauptet werden, daß alle diese Dörfer mit den stereotypen Namen auch grundsätzlich königlich oder fiskalisch waren ... Ver-fasser ist der sichern Erwartung, daß man ihm jedes Bergheim, Thalheim, Kirchheim usw. als ‘fränkische Kolonie’ zur Last legen wird, um dies dann zu bestreiten. Demgegenüber sei nochmals scharf betont: nur wo mehrere unserer Typen, also wo sie gesellig auftreten, und wo älteres Königsgut sich nachweisen läßt (8.-10. oder 11. Jahrhundert), da nimmt er sie für die fränkische Kolonisation des 6.-9. Jahrhunderts in Anspruch. Daß diese Namen auch sonst gelegentlich überall auftreten ohne diesen Zusammenhang mit der fränkischen Siedelung, bestreitet er durchaus nicht“.
Der von O. Bethge befürchtete Fehler ist nicht so aufgetreten, wie er vermutet hat: man hat keineswegs einzeln auftretende Namen des genannten Typs als Argument gegen seine These ins Feld geführt, sondern vielmehr das getan, was er für falsch hielt: vereinzelt auftretende Namen sind gerade in jüngster Zeit gern der fränkischen Kolonisation zugeschrieben worden.
Neben den hier genannten orientierten Namentypen hat A. Bach in einer weiteren Namensippe fränkischen Einfluß vermutet. Er nahm an , daß der Typus Personenname + Siedlungsna-mengrundwort, z.B. Sigmars-heim, Sigmaringheim, Sigmarshausen, auf fränkischen Einfluß zurückgehe, während ältere vorfränkisch-gemeingermanische Bildungen aus Personengrup-pennamen auf  ing/ ung (etwas Sigmaringen) und oft aus einstämmig gebildeten, auf Gelände, Fauna und Flora bezogene Stellenbezeichnungen bestünden. A. Bach beruft sich dabei vor allem auf das Fehlen entsprechender Typen in der antiken Überlieferung. Wörtlich heißt es bei ihm : „Daß der Siegeslauf der genannten beiden Namentypen (die wir im Folgenden zusammenfassend als ‘Personenname + Siedlungsnamen-Grundwort’ bezeichnen) der fränk. Epoche angehört, kann kaum bezweifelt werden“.
Anders als im Fall der Theorie von O. Bethge ist diese These aber auf mehr Widerstand ge-stoßen. So hat sich bereits H. Kuhn  dagegen ausgesprochen. G. Müller hat zusätzlich darauf verwiesen , daß in diesem Fall ein Drittel der westfälischen Ortsnamen fränkischen Ursprungs seien. In Niedersachsen läge der Prozentsatz ganz ähnlich. Daß dieses nicht zutreffen kann, liegt auf der Hand. Aber auf einzelnen Typen werden wir dennoch zurückkommen müssen.

Kritik der für fränkisch gehaltenen Ortsnamen Niedersachsens

Aus sprachlicher Sicht müßte es leicht sein, fränkisch beeinfußte oder aus fränkischem Dia-lekten entstandene Ortsnamen in Niedersachsen, in dem fast in seiner Gesamtheit ursprünglich altniederdeutsche (altsächsische) Mundarten gesprochen wurden , zu ermitteln. Die Differen-zen zwischen dem Althochdeutschen des Fränkischen und dem Altniederdeutschen in Nieder-sachsen hatten sich längst herausgebildet. Dazu gehören etwa: vollzogene bzw. unterbliebene hochdeutsche Lautverschiebung (offan : opan; mahho½         n    : mako½        n, ih : ik; ziohan : tiohan; thor(p)f : thorp; sibun : sivun), unterschiedliche Vokalentwicklung (-uo- : -o½                              -; -ei- : -ë-;  ou  :  o½         -, fehlende nordseegermanische Züge im Hochdeutschen, Unterschiede im Wortschatz und anderes mehr.
Wir werden aber bei der Einzeldiskussion der Namen sehen, daß die genannten lautlichen Erscheinungen, die eine einwandfreie Zuordnung zu Altniederdeutsch bzw. Althochdeutsch erlauben, bei der Zuweisung zu mutmaßlichen fränkischen Ortsnamen Niedersachsens fast keine Rolle gespielt haben. Vielmehr geht es - abgesehen von den orientierten Namentypen - vor allem um mutmaßlich fränkische oder altsächsische Personennamen. Als wesentlich und bedeutsam ist in diesem Zusammen-hang die Annahme, daß die Bildung eines stark flektie-renden Personennamens + -husen um 800 produktiv gewesen sei . Wir werden noch sehen, daß der norddeutsche Namenbestand Hinweise darauf enthält, die für wesentlich höheres Alter der in den Ortsnamen begegnenden Personennamen sprechen.
Ein weiterer, sehr bedenklicher Punkt liegt in der vielfach vertretenen - wenn auch nicht im-mer deutlich gesagten - Annahme, wonach die Entstehung der mit Personennamen gebildeten niedersächsischen Ortsnamen nur knapp vor die Zeit der Ersterwähnung gesetzt wird. Dafür etwa ein Zitat zu den -heim-/-hem-Namen: „Die Vorkommen im Regierungsbezirk Stade werden im 10. und 11. Jahrhundert erwähnt; ihre Entstehung ist auch kaum frü-her anzusetzen“ . Nur am Rande sei dazu bemerkt, daß damit die fast generell akzeptierte These einer sächsischen Zuwanderung aus dem südwestlichen Schleswig-Holstein  nicht in Einklang zu bringen wäre. Hinzu kommt, daß der Nachweis verwandter Namentypen in Eng-land ebenfalls gegen eine zu junge Datierung spricht. Wir stehen somit vor der Aufgabe, die bisher für fränkisch gehaltenen niedersächsischen Ortsnamen zu prüfen und die Stichhaltigkeit der Argumentation kritisch zu bewerten. Dabei sollen Namentypen wie -dorf,  stedt, -leben, -borstel usw. zusammenfassend behandelt werden.

1. Bodenburg

Die alten Belege für den Ort im Kr. Hildesheim schwanken kaum: 1142 (A. 13. Jh.) Meinfri-dus comes de Bodenburg, 1143 Heinricus de Bodenburch, 1146 de Bodenburch, comes de Bodeburch . Für D. Rosenthal  liegt ein fränkischer Name vor: „Im ersten Element der frän-kische Personenname Bo½ do. Fränkische Anlage, wahrscheinlich an der Stelle einer älteren sächsischen Siedlung“. Aus sprachlicher Sicht ist die Verbindung mit einem fränkischen Per-sonennamen unbewiesen. W. Schlaug  hat unter den altsächsischen Personennamen zwei Dutzend Namen unter Bôdo aufgelistet. Was soll da für fränkische Herkunft des Personenna-mens sprechen?

2. Ortsnamen mit dem Grundwort -borstel

Am Anfang der Untersuchung der Ortsnamen mit dem Grundwort -bo(r)stel < -burstal steht der Name von L. Fiesel. In dessen erstem kurzen Beitrag  spricht er noch eher allgemein von einem jungen Ortsnamentyp, allerdings schimmert auch schon hier Fränkisches durch: „Diese Namenbildung macht keinen altsächsi-schen, vorkarolingischen Eindruck; weder bûr noch stal, stel sind in altsächsischen Literatur-werken, soweit ich sehe, heimisch. Sie sind in fränkischem und oberdeutschen Sprachgebrauch dagegen heimischer. Das Ergebnis ... über die -borstel-Namen möchte ich vorläufig folgendermaßen formulieren: Wir haben es mit Gründungen der Zeit nach der Un-terwerfung der Sachsen auf ‘engrischem’ Gebiet und seinen Ausstrahlungsgebieten zu tun“ . Die vorsichtige Formulierung zeigt, daß sich Fiesel noch keineswegs sicher war. Und so wird in seinem zweiten Beitrag zu den -borstel-Namen  der mögliche Einfluß von Franken mit keiner Silbe erwähnt. In seiner letzten Äußerung zu diesem Namentyp findet sich allerdings eine deutliche Kehrtwendung: „Auch bei den etwa 100 ON mit dem GW -borstel, Bedeutung ‘Hausstelle’ .. finden sich Hinweise auf fränkische Gründung“ . Erwähnt werden in diesem Zusammenhang selbst Ortsnamen aus den Kreisen Celle, Rotenburg/Wümme und Uelzen.
Ausführlich hat sich später H. Franke mit diesem Namentyp befaßt . In der Frage der Entste-hung des Wortes -borstel hat er sich L. Fiesel angeschlossen: „Fest steht, daß -borstel eine eigentliche Zusammensetzung aus mnd. bûr st.n. ‘Wohung, Ansiedlung, Gemeinde’ und stal st.m. ‘Ort, Stelle, Platz’ ist. Diese beiden Wörter, die im Altsächsischen nicht heimisch sind, wurden wohl von den Franken in den niederdeutschen Raum getragen“ . Zuletzt habe ich mich selbst  (allerdings ohne auf die fränkische Frage einzugehen) mit dem Namentyp be-schäftigt.
Einig ist man sich darin, daß es sich bei den -borstel-Orten um relativ junge Siedlungen han-delt. Zu prüfen ist, ob das Fehlen von bûr und stal im Wortbestand des Altsächsischen als Argument für hochdeutsche oder fränkische Bildung in Anspruch genommen werden kann.
Für altsächsisches Vorkommen von bûr sprechen verschiedene Argumente: a.) der häufige Nachweis in norddeutschen Ortsnamen (z.B. als Büren) bei E. Förstemann ; b.) das Auftreten in norddeutschen Flurnamen ; c.) mnd. bûrmâl, bûrsprake „Versammlung der Gemeinde, Bauerschaft, Dorfgericht“ ; d.) der Nachweis in altenglischen Ortsnamen . Auch stal ist zweifellos im Altsächsischen bekannt gewesen. An-gesichts der mittelniederdeutschen Wörter stal „Stall“, stal-broder „Genosse, Kamerad“, stal-hêre „Stallherr, Ratsherr“, stal-junge „Stalljunge“, stal(le)knecht „Stallknecht“, stallen „in den Stall bringen; sich einquartieren“, stallen vor „belagern“, stallinge „Stallung, Stall“, stalman „Stallknecht“, stal-mëster „Stallmeister“ u.a.  sehe ich keine Veranlassung, das Grundwort von bur-stal- als aus dem Fränkischen importiert zu betrachten. Das völlige Fehlen entspre-chender Ortsnamen in Hessen (von südlicheren Gebieten ganz zu schweigen) spricht ebenfalls dagegen. Der burstal-/borstel-Typus ist mit Sicherheit unabhängig von fränkischem Einfluß entstanden.
Nachtrag:  (Derks, Moswidi S. 34, Anm. 382)

3. Brühl
(Nachtrag: beachte Handout von R.M. Kully, Brühl; dem Franken-Artikel beigeheftet)
Die Diskussion um das häufig in Orts- und Flurnamen auftretenden Wort Brühl berührt H.-J. Nitz mit seiner Bemerkung: „Hier muß man bei der fränkischen Herkunft der Institution der Bischofskirche und der fränkischen Herkunft der Institution der Bischofskirche und der von Aachen aus erfolgten Gründung an eine Übertragung des fränkischen Begriffs Brühl denken, wie überhaupt der Brühl in Sachsen und Nordhessen ein solcher ‘Import’ aus dem fränkischen Raum sein muß“ .
Man ist sich ziemlich einig, daß das Wort über das Mittellateinische aus dem Keltischen ent-lehnt worden ist: „Der Brühl < gall.-lat. bro(g)ilus ‘eingehegtes Gehölz’ ..., ahd. broil, bruil, mhd. brüel ‘Aue’, frühnhd. bryel u.ä. ‘fette, auch mit Buschwerk bestandene Wiese’. Ndl. breugel, bruil, briel ...“ , „Altall. *brogilus ‘eingehegtes Gehölz’ = mlat. bro(g)ilus > ahd. broil, bruil, mhd. brüel“ , „Brühl ‘feuchte Wiese’ ... , mhd., ahd. brüel, entlehnt aus ml. bro(g)ilus, das gall. *brogilos voraussetzt. Dieses zu (ig.) *mrog-, das als Erbwort in Brackwasser und Bruch auftritt. Das Wort ist häufiges Element in Ortsna-men“ .
Dabei ist aber ein bedeutsamer Gegensatz zu beachten: nach R. Schützeichel  haben die deut-schen Appellativa Brühl „feuchte Wiese, feuchter Platz“, frühnhd. bryel „fette, auch mit Buschwerk bestandene Wiese“, mhd. brüel „bewässerte, buschige Wiese“, ahd. bruil, broil „Aue“, mnl. prayel „Rasenfläche“ als wichtige Komponente den Bezug zum Wasser, während die romanischen Belege auf „Umzäuntes, Eingehegtes“ weisen: italien. broglio „Küchengar-ten“, rätoroman. brögl „Einfang, Baumgarten“, prov. bruelh, frz. breuil „eingehegtes Ge-büsch“. Den gleichen Bedeutungskern haben keltische Wörter: gall. brogae „Acker“, bret. bro „Bezirk“, air. mruig, bruig „Landstrich“. Die Formen führen auf gall. *brogilo zurück, das im Mittellateinischen seit dem 8. Jh. als bro(g)ilus erscheint . Etwas unklarer heißt es bei H. Dittmaier : „Die Grundbedeutung des Namenwortes ist nicht das Feuchte, Sumpfige, wie in den heutigen Wörterbüchern angegeben, sondern das Umzäunte, Gehegte“.
Vergleicht man mit diesem Befund die weite Verbreitung im mittelniederdeutschen und neu-niederdeutschen Wortschatz, in den norddeutschen Flurnamen  und sogar im Namenbestand der ostdeutschen Kolonisationsgebiete, so muß es sich bei brül, bröil - gleichgültig, ob aus dem Keltischen entlehnt oder nicht - um ein im Altniederdeutschen weit verbreitetes Wort gehandelt haben (wofür auch Ortsnamen mit ihrer älteren Überlieferung sprechen). Man ver-gleiche  mnd. br?l, bröil m. „Brühl, feuchte Niederung, Buschwerk in sumpfiger Gegend“, nnd. Brühl, Bräul, Braul „niedriges, vereinzeltes Gebüsch“ , Flurnamen bei
 
Hannover  Magdeburg , Celle , in der Ueckermünder Heide , bei Rochlitz , im Thürin-gerwald , bei Grimma und Wurzen  und anderswo.
Beachtenswert ist eine Passage bei J. Göschel , der Brühl als Flurname mehrfach belegt und dann notiert: „Ursprünglich ist mit Brühl eine mit Buschwerk bestandene, tiefer gelegene nasse Sumpfwiese bezeichnet worden. Später werden nach V. Ernst ... mit Brühl vor allem im dt. Südwesten die Wiesen des grundherrlichen Salhofs bezeichnet. Diese Wiesen lagen dicht beim Hofe oder Dorf im Gegensatz zur Breite, die das grundherrliche Ackerland benannte. Im UG ist das nicht nachzuweisen. - Die Realprobe bestätigte im UG die alte Bedeutung ‘sumpfi-ge, nasse Stelle’ bei allen Belegen.“
Ortsnamen bestätigen die frühe Produktivität des Wortes: R. Möller  verzeichnet den ON. Brauel, Kr. Bremervörde, 1189 in Brovle, ebenso den Wüstungsnamen Broil sö. Lamspringe, 1153 Broil sowie Broil, Name einer Wiese bei Gertrudenberg nahe Osnabrück, 1189 Broil. Aus Westfalen bucht H. Jellinghaus  etliche Orts- und Flurnamen; eine gründliche Auflistung zahlreicher hessischer Flurnamen verdanken wir H. Ramge und seinen Mit-arbeitern . Auch in den Niederlanden und Belgien findet man es in Flurnamen.
Schon W. Arnold  hat auf Entsprechungen in England verwiesen. Neuere Arbeiten sehen darin Reflexe von altfranz. broile „a park, an enclosed park for deer or other game“, so auch in den Ortsnamen Brail (Wiltshire), Broil (Northamptonshire), Broyle (Sussex) . Es muß aber ernsthaft gefragt werden, ob diese südenglischen Belege nicht eher mit den flämischen, niederlän-dischen und norddeutschen Entsprechungen zu verbinden sind . Daraus folgt - ebenso wie aus den zahlreichen Belegen in süddeutschen und westdeutschen Ortsnamen -, daß das Wort frühzeitig zur Namengebung diente und fränkischer Einfluß nicht angenommen werden muß.
Hinzu kommt ein Problem der ursprünglichen Bedeutung von Brühl, das die gesamte Diskus-sion durchzieht und bis heute nicht sicher geklärt werden konnte: „Das Schwierige ... ist ihre Mehrdeutigkeit, die so stark auseinanderfällt, daß man meinen könnte, man habe es jeweils der Herkunft nach mit ganz verschiedenen, zufällig gleichlautenden Wörtern zu tun“ . Be-trachtet man sich unter diesem Gesichtspunkt Flurnamen aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen, so wird man immer wieder erkennen können, daß die Namen auf sumpfige, feuchte Wiesen und Niederungen Bezug nehmen. Eine Beziehung zu einem Herrenhof o.ä. ist nicht zu erkennen.

4. -büttel

Die These, daß die ca. 220 Ortsnamen auf -büttel in ihren Personennamen deutliche Hinweise auf fränkische Herkunft enthielten, geht wiederum auf L. Fiesel zurück. Unter Nennung von Personennamen wie Aldag, Bado, Davo, Duda, Egilhard, Eggo, Gripho/Grippo, Hermin, Hager, Meginrich, Odbreht, Radulf, Sini, Volcward, Werimr, Wyric hat er gemeint: „Alle diese PN sind fränkisch. Sie kommen bei den genannten Altsachsen nicht vor und weisen darauf hin, daß die genannten Orte als Gründungen von Franken im nördlichen Teil des Nordwaldes frühestens seit dem späten 8. Jh. anzusehen sind, wahrscheinlich etwas später“ . Die Streuung der angeblichen fränkisch beeinflußten -büttel-Namen reicht nach L. Fiesel bis in die Kreise Verden, Osterholz, Cuxhaven, Winsen/Luhe und Uelzen, also bis kurz vor Ham-burg, hinein. Damit verbunden wird die Etymologie: „Das Grundwort -büttel ist auf german. by-dlo zurückzuführen; als Bedeutung ist ‘Grundbesitz’, ‘Herrenhof’ zu erschließen“ .
Nichts davon läßt sich halten. Im Lichte neuerer Untersuchungen  erscheint -büttel als Orts-namenelement, das in seinen Anfängen weit vor die fränkische Eroberung Sachsens gesetzt werden muß. Das zeigt sich auch daran, daß zur Zeit der deutschen Ostsiedlung (auch in deren frühester Phase) -büttel nicht mehr als Ortsnamengrundwort Verwendung fand. Hinzu kommt der Nachweis durch K. Casemir, die zeigen konnte, daß die mutmaßlichen fränkischen Perso-nennamen der  büttel-Namen samt und sonders auch im Altsächsischen bezeugt sind. Zwi-schen fränkischem Einfluß und Entstehung der -büttel-Namen gibt es keinen Zusammenhang.

5.  dorf/-thorp

Der These von O. Bethge folgend (zu einer zusammenfassenden Wertung s. unten), werden aus Himmelsrichtungsbezeichnungen und dem Grundwort -dorf zusammengesetzte Ortsna-men, vor allem wenn sie in Kombination zueinander und eventuell noch zu Namen wie Mül-heim, Buchheim, Stockhausen u.ä. liegen, als Indikatoren für von fränkischen Organisatoren geplanten Siedlungen betrachtet. Aus Niedersachsen sind mir drei Komplexe bekannt gewor-den.
a.) Astrup/Westrup/Nortrup/Suttrup (u.a.): K. Brandt hat in Untersuchungen zu Orten in den Dammer Bergen  Orte, in denen Vierecke den ältesten Siedlungskern bilden, behandelt. Er fand diesen Ortstyp auch unter den orientierten Ortsnamen und zwar in: Astrup und Westrup (Gem. Neuenkirchen, Kr. Vechta); Astrup und Westrup (Gem. Bersenbrück), nordwestl. da-von noch Stockum; Nortrup und Suttrup (Artland), benachbart Sussum (Gem. Bersenbrück).
K. Brandt schreibt dazu : „Ohne auf diesen Ortsnamentyp näher einzugehen, genügt es, hier festzustellen, daß mehrere Orte, deren ältester Kern von einem Viereck gebildet wird, Orts-namen tragen, die auf Planung bei der Namengebung hindeuten. Dagegen fehlen solche Na-men bei den Siedlungen, in denen sich regelmäßig Vierecke finden. Mit entsprechendem Vorbehalt ist die Annahme erlaubt, daß die orientierten Ortsnamen aus einer Entstehungszeit der Siedlungen stammen und damit für eine Planung bei der Anlage der Siedlung, d.h. der Vierecke, sprechen ...“.
 
Im Schlußwort dieses Kapitels heißt es weiter : „Zwar ist es fraglich, ob auch für Nordwest-deutschland die Verbindung ‘orientierter’ Ortsnamen mit Königsgut gilt ... Aber jedenfalls besteht bei den Namen Westrup, Astrup und Stockum die Vermutung, daß sie von jemandem gegeben wurden, dessen Macht und Einfluß über den Bereich einer einzelnen Siedlung hi-nausging“.
H.-J. Nitz übernahm die Vermutung : „K. Brandt stieß im Rahmen seiner siedlungsgeneti-schen Analysen auf der südoldenburgischen Geest auf lagemäßig an frühmittelalterlichen Fernstraßen orientierte Einzelhöfe ... Die regelhafte Anordnung ... und ihre siedlungsformale Regelmäßigkeit ... finden ihre Entsprechung in einer häufigen Verwendung orientierter Orts-namen wie Westrup und Ostrup, wobei hier -trup = -dorp sowohl eine kleine Gruppensiedlung als auch einen Einzelhof bezeichnen kann. Dies alles und schließlich die Besitzmassierung der Osnabrücker Bischofskirche in diesem Raum und speziell in diesen Siedlungen führen Brandt zu der vorsichtig formulierten Hypothese, daß hier der Besitzvorgänger des Bischofs, nämlich der fränkische König bzw. dessen Verwaltung, für die strategische straßenorientierte Planung dieser Kette von Einzelhofsiedlungen namhaft zu machen sei“.
Bevor hierzu eine Wertung abgegeben werden soll, sei der nächste Komplex vorgeführt: es geht um die Orte Astrup, Vestrup, Bergstrup und Holtrup bei Vechta. Die für unser Thema bedeutsamen Passagen einer Untersuchung von W. Sieverding  hat H.-J. Nitz wie folgt zu-sammengefaßt: „In der Interpretation Sieverdings ... sind diese Hofnamen im Rahmen grund-herrschaftlicher Maßnahmen nach der fränkischen Eroberung entstanden und in Villikationen organisiert worden ... Allerdings glaubt er im Anschluß an den Namenforscher William Foerste von einem altsächsischen Ursprung der -dorp-Namen ausgehen zu müssen ... So deu-tet Sieverding vorhandene Höfe außerhalb der Reihe bzw.ohne Beteiligung an der Breitstrei-fenflur als altsächsische Einzelhöfe des 5./6. Jahrhunderts, die im Zuge der altsächsischen Westexpansion angelegt worden seien, die er sich als zentral und militärisch gelenkt vorstellt. Da sich unter diesen -trup-Namen aber die gleiche Häufung schematischer Namenbildung wie z.B. Astrup-Westrup, Bergtrup und Holtrup findet, die schon Brandt konstatierte, könnte man ebenso dessen These folgen und die Gründung der Gruppensiedlungen, ohne die Hilfskon-struktion einer vorhergehenden zunächst isolierten Einzelhofsiedlung, samt ihrer Namengebung mit der karo-lingischen Kolonisation in Verbindung bringen, die nun ja nachweislich einen zunächst militä-risch-okkupatorischen Charakter hat“ .
Prüft man die vorgebrachten Argumente kritisch, so kann bei dem letzten Komplex begonnen werden. Unter Bezug auf die sprachwissenschaftliche Argumentation von W. Foerste  heißt es bei W. Sieverding eindeutig: bei dem Wort thorp handelt es sich „um ein ausgesprochen westsächsisches Ortsnamen-Element ..., das in der kontinentalen Heimat der Sachsen zur Zeit der Abwanderung nach Britannien im 5. Jahrhundert n. Chr. schon als Ortsnamen-Wort ge-bäuchlich war“ . Eine Namengebung im 8. oder 9. Jahrhundert kommt allein aus diesem Grund (es gibt aus sprachlicher Sicht noch weitere , die auch bei den anderen Namengruppen noch zur Sprache kommen werden) nicht in Betracht.
Zur These, bei der Entstehung der Namen Astrup und Westrup (Gem. Neuenkirchen, Kr. Vechta) bzw. Astrup und Westrup (Gem. Bersenbrück) hätte Fränkisches Einfluß genommen, kann aus sprachhistorischer Sicht nur ablehnend Stellung genommen werden. Viel zu wenig beachtet wird nämlich, daß die beiden Namen in sich Lautveränderungen enthalten, die nur in den niederdeutschen Mundarten des westlichen Niedersachsen bzw. Westfalens begegnen können: zum einen betrifft dieses die Metathese dorp : drop, drup, trup in Verbindung mit der Tatsache, daß die Namen nicht hochdeutsches -pf-, -f-, sondern niederdeutsches p enthalten , zum andern ist bei Astrup zu beachten, daß das zugrunde liegende westgermanische * au- sich vor -s- nicht wie im Alt-hochdeutschen zu -?- entwickelt hat (heute hdt. Ostdorf, Osten), sondern durch das A- (Astrup) auf eindeutig altsächsischen Lautstand weist. Man vergleiche dazu die Belege bei H. Gallée , den Beitrag von D. Freydank  und zur Illustration einige alte Belege des ON. Osnabrück: 8. Jh. Osna-brucg(ensis), 9. Jh. Osnaburgensis, Osnabrukgensi, 1003 Asenbrungensis, 1005 Asanbrunensis, 1025 Asnabrug(g)ensi . Dieses Kriterium ist auch an den ON. Astrup bei Belm nordöstl. Osnabrück anzulegen, 1090 (K. 18. Jh.) et Asthorpa ... fuerat Asthorpa, für den planmäßige fränkische Anlage erwogen wurde .

Ein Blick auf die Karte zeigt, wie im Fall von Astrup und Westrup die Namengebung nach „Osten“ und „West“ zu verstehen ist (vgl. Karte 1): der Bezugsort ist Vörden (ein Furt-Name), die nördlich davon liegenden Orte Astrup und Westrup stehen mit Vörden durch eine getrennt verlaufende Wegeführung in Verbindung; zwischen den beiden Orten liegen Erhe-bungen, die trennen und eine Benennung als „westliche“ bzw. „östliche“ Siedlung beeinflußt haben dürften.
Ebenso starke Einwände gegen fränkischen Einfluß müssen aus sprachlicher Sicht im Fall von Nortrup und Suttrup (Artland) erhoben werden. Das in diesem Zusammenhang genannte Sus-sum (Gem. Bersenbrück) liegt fast 10 km entfernt (dazwischen befindet sich der Ort Ketten-kamp) und gehört als Suter-hem in einen anderen Zusammenhang (vgl. Punkt 22). Nortrup, 1169 (A. 14. Jh.) Norttorpe, 1172 Northorpe(n), ca. 1240 Norttorpe , und Suttrup, Ende 12. Jh. (A. 16. Jh.) Suttorpe, 1271 (A. 14. Jh.) Suttorpe, 1330 Suttorpe , sind wohl in ihrer Na-menentstehung aufeinander bezogen, aber gerade dann muß dieses unabhängig von fränki-schem Einfluß geschehen sein. Entscheidend ist dabei Suttrup, denn dieser Name enthält im Vorderglied asä. sud „Süden“. Auf die Einzelheiten dieser sprachlich wichtigen Erscheinung, die das Altsächsische mit dem Altfriesischen und Altenglischen verbindet, werde ich bei der Diskussion der ensprechenden -heim-Namen (Sudheim, Sutterem, Sottrum usw.) zusammen-fassend eingehen (vgl. Punkt 22).
Aber fränkischer Einfluß bei der Entstehung der -dorf-Namen Niedersachsens wurde nicht nur im Osnabrücker Raum vermutet, sondern auch im Leinegebiet. Unter Bezug auf den Typus Oldendorp hat sich dazu vor allem D. Denecke  geäußert. Er baut dabei in hohem Maße auf die Arbeit von I. Burmester , die in durchaus verdienstvoller Weise dieses Grundwort aus sprachlicher Sicht behandelt hat. Ihr sind jedoch bei der Beurteilung des Alters der  dorp/ dorf-Namen etliche Fehler unterlaufen . Eine von ihr angefertigte Karte der „Aus-breitung der christlichen thorp-Siedlung“ (vgl. Karte 2) gibt die Ergebnisse im wesentlichen wieder. Nachdrücklich ist jedoch auf die Kritik von H. Walther an der auch von I. Burmester vertretenen Meinung hinzuweisen, „das Auftreten der  thorp-Namen falle überall mit der Machtausweitung der Merowinger und mit dem Gang der christlichen Mission zusammen“ . Insofern ist die Kartenüberschrift zu korrigieren. Zusammenfassend gesagt: angesichts ver-schiedener sprachlicher Erscheinungen, die zweifelsfrei bis in die altsächsische Zeit und z.T. noch darüber hinaus datiert werden können, haben die -dorp-Namen in Norddeutschland mit Sicherheit bereits vor dem Eindringen der Franken bestanden.

Ein Letztes zu den -dorf-/-dorp-Namen: der Blick nach England bestätigt, daß dieser Namen-typus in Verbindung mit Himmelsrichtungen völlig unabhängig von fränkischem Einfluß immer wieder geschaffen werden konnte: „The loca-tion of a þorp in relation to a larger place is often indicated by the addition of ëast, west, etc., as in Easthorpe YN, Northorpe, Southorpe YE, etc.“ , und an anderer Stelle: „A word deno-ting position relative to another place, as Aisthorpe L, Easthorpe Ess, Nt, YE (ëast) ... Northorpe L, YE (norð), Owsthorpe YE (austr), Southorpe L, Nth, YE (sûð), Westhorpe Nt, Sf (west)“ .
b.) Grasdorf: In den Kreisen Hannover und Hildesheim liegen die beiden Orte Grasdorf, die mit dt. Gras nichts zu tun haben, sondern aufgrund ihrer alten Belege 1153/78 Gravestorpe, 1285 in Gravestorpe bzw. 1131 in Gravestorp, (1154) in Gravesthorp, 1157 in Gravestorp  offenbar auf eine Grundform Graves-thorp zurückgehen. Ebenso ist der ON. Grastrup bei Schötmar, 1316 in Gravestorp , zu analysieren.
Was verbirgt sich hinter dem Bestimmungswort Grav(es)-? Bei D. Rosenthal heißt es : „Im ersten Element die fränkische Bezeichnung ‘Graf’“ und weiter: „Lage und Boden weniger günstig, was zusammen mit dem Bestimmungswort auf Entstehung nach 800 deutet“. Die Annahme fränkischen Einflusses scheint berechtigt, denn während dt. Graf im Hochdeutschen vor allem mit -a-Vokalismus belegt ist (mhd. grâve, ahd. grâvo), begegnen im Niederdeut-schen vornehmlich -e-Formen: mnd. greve „Graf, Vorsteher“, dinkgreve, dîkgreve, holtgreve, spelgreve . Aber die Deutung ist verfehlt. Unser Wort flektiert schwach, nicht stark, das gilt sowohl für das Althochdeutsche wie das Mittelniederdeutsche: es müßte *Gravendorp heißen.
Da auch dt. Graben nicht vorliegen kann und ein Grab(es)-dorf (zu dt. Grab?) kaum einen Sinn ergibt, muß man nach einer anderen Lösung suchen. Man findet sie in einem ganz ande-ren Zusammenhang. Zu einer indogermanischen Wurzel *ghr?u- : *ghr?u : *ghr?- gehört kelt. *grava „Kies“, z.B. in kymr. gro, akorn. grou „Sand“. Die Wurzel ist auch im Germani-schen bekannt, hier mit einer -n-Erweiterung *ghr?uno- in aisl. grj?n „Grütze“ (*geschrotetes Korn), mhd. grien „Kiessand, sandiges Ufer“, nd. gr?n „Sandkorn“ (dazu der ON. Greene). Daraus darf gefolgert werden, daß auch den germanischen Sprachen ein Ansatz *ghr?u  bekannt gewesen ist; er müßte entsprechend dem Verhältnis nhd. blau : asä. blâw im Altnieder-deutschen als *graw- erscheinen.
Hier können die Grasdorf-Orte angeschlossen werden, wenn auch letzte Sicherheit noch nicht gewonnen werden kann. Einen Hinweis auf die Richtigkeit der Verbindung scheint der Wüs-tungsname Grafhorn bei Immensen östlich von Hannover mit Scherbenfunden des 9. und 10. Jahrhunderts zu geben. Der 1666 in der Form Graffhorn erwähnte Name bezieht sich nämlich auf ein Gelände, in dem „eine Sandanwehung zungenartig in ein feuchtes Gebiet hinein-ragt“ . Mit fränkischen Grafen haben die Namen jedenfalls nichts zu tun.c. Hattorf: „Hattorf führt mit dem Bestimmungswort in die älteste germanische Rechtsge-schichte. huota, huot, hode, hude ist die ‘Schutzgemeinschaft mit gewissen Rechten und Pflichten’. Hattorf ist also das Dorf einer bestimmten fränkischen Rechtsgenossenschaft“ erwog H. Wesche  für Hattorf bei Wolfsburg. Seine Meinung wurde u.a. von D. Denecke  aufgegriffen.
So schwierig der ON. Hattorf auch sein mag, eine Verbindung mit dem von H. Wesche he-rangezogenen Terminus bleibt mit Sicherheit fern. Das lehren schon die alten Belege für Hat-torf am Harz, 952 (F. 13. Jh.) partem ville Hattorpp, 13. Jh. Hattorph, Hattorp, in Hattorpe . Aber auch Hattorf bei Wolfsburg besitzt ähnliche Zeugnisse: 1196-1197 in Hat-torp , 1294 Hattorpe . Hinzuzusetzen ist wohl auch Hattrop bei Soest trotz der etwas schwankenden Belege 1186 Hattorp, 1276 Hottorpe, 1284 Hettorpe . H. Wesches Deutung überzeugt in keiner Weise, vgl. Förstemann  s.v. hud2: ahd. huota, mhd. huot, mnd. hode, hude „die Aufsicht, Wache, Distrikt eines Waldaufsehers“, bezeugt in Ortsnamen wie Hoden-burg, Mansfelder Gebirgskreis, 937 Hudeburgi; 1083 Hutghest in den Niederlanden; Hitdorf bei Solingen, ca. 1151 Huttorp. Dazu paßt kein Hat-. Eine eigene Deutung der Hattorp-Namen soll hier nicht vorgelegt werden. Es geht hier nur darum, die verfehlte Verbindung mit ahd. huota „Wache“ usw. aufzuzeigen. Die genannten Wörter verlangen  ? , das im Niederdeutschen unverändert geblieben wäre.

6. Drebber.

In den hochdeutschen Ortsnamen Trebur, Tribur, Trebra, alt Triburi, Driburia, Driburi, und den niederdeutschen Drebber bei Diepholz, alt Thriburi, Triburi, Drever bei Salzkotten, Dre-wer bei Rüthen, alt Triburi, sieht O. Bethge  fränkischen Einfluß: „Die Orte wie ihre Namen sind der Niederschlag der fränkischen Kolonisation; die Namengebung ist auf amtlichen oder traditionellen Einfluß oder besser auf beide zurückzuführen“.
Eine Etymologie hat O. Bethge nicht vorgetragen, aber es ist klar, was gemeint und bis heute Allgemeingut ist: seit E. Förstemann  sieht man im ersten Teil der Namen germ. thri „drei“; zum zweiten Teil der Namen äußert sich Förstemann nicht, aber offenbar ist an b?r „Haus“ gedacht. H. Walther  stellt Trebra ähnlich zu ahd. drî „drei“ und b?ri „Behausung“.
Diese so sicher scheinende Etymologie ist äußerst fraglich und bei einigen Namen mit Sicher-heit falsch, so gewiß bei den niederdeutschen Drewer, Drever, Drebber. Wir können das am Fall von Stöckendrebber und Norddrebber (nördl. Hannover) erkenen: die alten Belege zeigen hochdeutschen Einfluß (1029 in Dribura, 1033 in villis Tribur), mit Eintritt der heimischen Überlieferung ändert sich das Bild schlagartig: 1213 in treuere, 1215 in threueren, 1251 in northtreuere et in suttreuera, 1281 in Dreuere . Damit wird auch sofort klar, daß die hoch-deutschen Formen Umdeutungen einer volkstümlichen, niederdeutschen Grundlage sind, und die beiden Wörter tri und b?r in die Namen hineininterpretiert wurden. Auch der spätere Zusatz north und sut hat nichts mit fränkischem Einfluß zu tun, sondern bezieht sich auf die von Süden nach Norden fließende Leine und deren Tal. Und auch die Ortsnamen selbst beziehen sich auf das Leinetal: zugrunde liegt wie bei Drebber an der Hunte (auf beiden Seiten des Flusses als Jacobidrebber bzw. Mariendrebber erwähnt), Trebur am Schwarzbach, Trebra (Kyffhäuserkreis) und Trebra (Kr. Nordhausen) an einem Bach eine altertümliche -r-Ableitung  zu idg. *dher?bh- : dhr?bh : dhr?bh-, zu der aus den germanischen Sprachen gehören: ahd. trebir, nhd. Treber „Rückstand beim Keltern“, mnd. drever, Plural zu mnd., mnl. draf, vgl. anord. draf „Abfall“, norw. drevja „weiche Masse“, geminiert nl. drabbe „Berme, Bodensatz“, ndd. drabbe „Schlamm“, schwed. dr?v „Bodensatz“ (*dhr?bho) Im Ablaut gehört dazu ahd. truobi, dt. „trübe“.
Die Ortsnamen verdanken ihre Benennung ganz offensichtlich ihrer Lage am Rand von Über-schwemmungsgebieten, dort, wo Schlamm und Bodensatz als Rückstand nach höherem Was-serstand zurückbleiben. In gewissem Sinn ist dieses Beispiel sehr lehrreich: es zeigt, wie groß die Diskrepanz sein kann zwischen dem, was man in Ortsnamen sehen möchte, und dem, worauf diese in Wirklichkeit Bezug nehmen: auf ihre geographische Lage.

7. -feld

Der auch heute nicht selten anzutreffende Glaube, Ortsnamen mit dem Grundwort -feld wür-den auf fränkische Plansiedlung, verbunden mit königlichem Besitz, weisen, geht letztlich auf P. Höfer zurück . Erst jüngst hat H.-J. Nitz  bei der Behandlung dieses Themas diesen Beitrag positiv erwähnt. Aus dem Harzer Raum sind in diesem Zusammenhang z.B. Bodfeld, Ilfeld, Siptenfeld, Selkenfeld, Hasselfeld, Ichtenfeld, Saalfeld erwähnt worden. Es handele sich um „königliche Forsthöfe“ hat dezidiert W. Flechsig  bei einer ansonsten guten Zusammen-stellung entsprechenden Namen  geäußert.
Das hohe Alter der -feld-Namen läßt sich gut an dem ON. Ilfeld bei Nordhausen demonstrie-ren: für diesen läßt sich zusammen mit der-ithi-Bildung Ilde bei Bockenem (1065 Illidi) und Ilten bei Hannover (< Il-tun) nur im östlichen Europa ein sicherer Anschluß finden: in ukrain. il „Schlamm, Letten, Ton, Lehm“, weißruss. il „dünner Schmutz organischer Herkunft im Wasser, auf dem Boden eines Wasserloches, sumpfiges, graues oder weißfarbiges Land“, russ. il „Schlamm“, ein alter -u-
 
Stamm, vielleicht verwandt mit lett. ?ls stockfinster“, sicher aber mit griech. këšò „Schlamm, Kot“, åßëš ìåëáí  (Hesych) .
Ähnlich alte Verbindungen lassen sich bei Alfeld, Dransfeld, Scharzfeld  und anderen -feld-Namen herausarbeiten. Fränkisches und die Verbindungen mit den viel zu jungen königlichen Forstorten müssen aber auch aufgrund einer offenbar zu wenig beachteten Bemerkung von P. v. Polenz fern bleiben: „ ... als Landschaftsnamengrundwort ist -feld in auffälliger Weise be-sonders im Gebiet des alten Thürinerreiches verbreitet ... Auch namengeographisch spricht alles gegen eine fränkische Herrschaft der ostfränkisch-thüringischen -feld-Landschaftsnamen. Sie sind außer in Ostfranken und Thüringen nur im südlichen Niedersachsen und in den Al-penländern verbreitet, nicht dagegen in altfränkischen Gebieten“ .
Die fehlerhafte Interpretation niedersächsischer -feld-Namen kann an einem weiteren Fall aufgezeigt werden: unter Bezug auf den ON. Hilligsfeld aus dem Kreis Kr. Hameln-Pyrmont heißt es bei L. Fiesel : „Die Kirche von Hilligsfeld hat den Stammesheiligen der Merowin-ger und Karolinger, den Martin von Tours, als Schutzpatron ... Der PN Hillig, Hilliki und ähnlich ist fränkisch; unter den sächsischen Geiseln kommt er nicht vor. Das GW -feld ist, wie bei Hünfeld, als Bezeichnung einer karolingischen Funktionssiedlung anzusehen. Die meisten -feld-Orte sind als königliche Forstorte erkennbar“.
Diese Deutung steckt voller Fehler. Der ON. Hilligsfeld kann aufgrund seiner alten Belege aus dem 9. Jh. (Abschr. 12. Jh.) in Hillingesfeldo, 856/69 (A. 12. Jh.) Hillingesfelden, 980-982 (Abschr. 15. Jh.) in Hillikesfelle, (1055-1080) in Hildinesfelda, 1188 Hillingelvelt  ver-schieden erklärt werden: entweder auf Hillingesfeld beruhend zu einem PN. Hilling oder aber wegen der Hildingesfeld-Formen zu einem PN. Hilding. Mit einem PN. Hillig oder Hilliki ist nicht zu rechnen.
 
Nur am Rand sei bemerkt, daß der Name Hünfeld zumindestens in altgermanische Zeit zu datieren ist; auch hier bleibt fränkischer Einfluß beiseite.

8. Frankensundern

Für diesen kleinen, weniger als 50 Einwohner zählenden Ort bei Bramsche sind keine älteren Belege bekannt . Dennoch meint K. Rübel : „Als fränkisches Sundern läßt ihn nicht allein der Name erkennen ...“, und wenige Seiten später zunächst einschränkend : „Wir sind nun weit davon entfernt, zu behaupten, daß alle Sundern auf fränkische Markenregulierung zu-rückzuführen sind“, aber dann heißt es: „Wo jedoch die Sundern an der Grenze der Marken liegen, wie das Frankensundern bei Rulle und zahlreiche andre ..., da werden die Sundern und Sonderhufen allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit als ehemalige königliche Sundern zu erklären sein“.
Die späte Überlieferung des Namens spricht mit aller Entschiedenheit gegen eine Namenge-bung etwa im 8. oder 9. Jh. Hinzu kommt die Lage der winzigen Siedlung inmitten von Wäl-dern, völlig abgeschlossen von der Umwelt und nur durch einen waldfreien Zugang zum nördlich davon liegenden Mühlenort (auch kein Ortsname mit sehr alter Tradition!) mit der Umgebung verbunden. Unter einer fränkischen Grenzposition dürfte man sich etwas anderes vorzustellen haben.

9. Helperde
Unter Heranziehung der alten Belege 850 Helperdun, 1196 Helperthe sieht D. Rosenthal  im Grundwort germ. *d?n? „Dühne, Sandhügel“ und meint weiter: „Im ersten Element der Kurzname Helper zum westgermanischen Vollnamen Hilper?c, Helper?c, der hauptsächlich bei Franken und Westfranken verbreitet war“.
Eine vollständige Liste der alten Belege (826-876 [A. 15. Jh.] Helperdun, 1196 Helperthe, 1230 Helperthe, 1255 Helperthe) zeigt, daß -un im ersten Beleg Reflex eines Dat. Plur., des typischen Lokalkasus in deutschen Ortsnamen, ist . Die übrigen Belege weisen auf ein -ithi-Suffix, das nie mit einem Personennamen kombiniert ist . Eine Erklärung des Namens ist schwierig, aber am allerwenigsten kommt für das Bestimmungswort ein Personenname in Betracht .

10. Holtensen (und Verwandtes)

Im Zusammenhang mit der fränkischen Unterwerfung Sachsens und der grundherrlichen Ko-lonisation sind immer wieder Ortsnamen herangezogen worden, die Hinweise auf Leistungen gegenüber dem Grundherrn geben könnten. Am häufigsten wird in diesem Zusammenhang der Typus Holzhausen, ndt. Holtensen, genannt. So heißt es bei H.-J. Nitz : „Holzhausen, Holz-heim und Holzdorf sind die Standorte spezieller Holzproduktion für die Villikation“.
Eine Überprüfung der Bedeutungsentwicklung schließt dieses für weite Bereiche Deutsch-lands und ganz sicher für Norddeutschland aus: mnd. holt bedeutete „Baumbestand, Gehölz, Wald, Waldstück, Hochwald“ , der Ortsnamentyp Holthusun, Holzhausen ist nur zu verste-hen als „Häuser im Wald, nicht hölzerne Häuser, wie Förstemann meinte!“ . Noch in den Merseburger Zaubersprüchen heißt es: Phol ende Uuodan uuorun zi holza („ ... fuhren in den Wald“). Auch die zahlreichen Ortsnamen wie Bocholt, Bockolt, Buchholz, Hainholz, Nord-holt, Westenholz, Vahrenholz usw. enthalten holt, Holz im Sinne von „Wald, Gehölz“; sie meinen also Siedlungen am Wald und nicht etwa solche, die Holz produzieren.

11. -husen/-hausen

Auch die Bildungen mit -husen, dem im Hochdeutschen -hausen entspricht, sind fränkischer Herkunft verdächtigt worden. An erster Stelle ist hier wieder L. Fiesel zu nenen. Für das süd-liche Niedersachsen, vor allem für das Leinetal und seine Umgebung meinte er aufgrund einer Auflistung von -husen-Namen aus den Corveyer Traditionen folgern zu können : „Sind diese in den T.C. genannten Orte mit dem Grundwort  husen nicht erst Gründungen der Zeit nach der Eingliederung Sachsens in das Frankenreich?“, und weiter: „Im 9. Jh. erscheint in dem unterworfenen und dem Impe-rium eingegliederten Sachsenland eine erhebliche Menge der Orte auf -husen. Verfügungsbe-rechtigte Besitzer waren die Angehörigen einer gehobenen Schicht, die man als nobiles und nobilissimi ansehen muß ... Sind nun die Angehörigen dieser ‘Stammes-aristokratie’ originär Sachsen oder originär Franken? Zur Lösung dieser Frage können wieder die PN beitragen“ .
In diesen glaubt Fiesel fränkische Spuren zu entdecken. Genannt werden in diesem Zusam-menhang 1. Adalhard und die gesamte Adal-Sippe; 2. die Personennamen um Hildi. Weiter wird ausgeführt: 3. „Hemric, später Heinrich ..., ist ebenfalls des Frankentums verdächtig“; 4. „Der Name Ida (2. Gemahlin des Grafen Esic = Adalric) ist ‘offensichtlich fränkischer Her-kunft’“; 5. Auch die mit -dag-gebildeten Personennamen „sind fränkisch ... Die mit -dag- gebildeten ON und PN als ‘cheruskisch’ anzusehen , nur weil sich einige Vorkommen zwi-schen der oberen Weser und Leine finden, entbehrt jeder Berechtigung“. 6. Fränkischer Her-kunft sind nach Fiesel weiter die Personennamen um Odo, Oddo, Oto, Alding, Imming, Erp, Benno, Dodo, Brumman, Ecceric, Heilker, Franko, Luthard, Suitbod, Hrotbert, Adic, Emmid, Mangar, Smidirat, Papo.
Fiesels Folgerung lautet: „Ist unter diesen Umständen der Schluß von der Hand zu weisen, daß die weit überwiegende Zahl der in T.C. genannten Orte mit dem GW -hausen als von Reichsfranken benannt und begründet anzusehen sei?“, und: „Alle diese Beobachtungen und die aus ihnen gezogenen Schlüsse lassen für das Altsachsenland keinen Raum für eine Entste-hung der -husen vor dem 9. Jh. Das Höchstalter ist also für Altsachsen auf das späte 9. Jh. anzusetzen“ .
Gegen diese Meinung hat sich schon früh Widerstand geregt. So meinte W. Flechsig : „Frü-her hat man geglaubt, die -hausen-Orte seien von den Franken gegründet worden. Aber woher hätten die Franken die Menschenmassen nehmen sollen, um nicht nur in Hessen und Ostfalen, sondern auch in Westfalen und anderen deutschen Landschaften die Tausende von -hausen-Orten mit eigenen Leuten besetzen zu können?“. Die These fränkischer Herkunft könne zu-dem nicht stimmen, denn „daß sich die Hauptmasse der  hausen-Orte mit einem PN als BW schon vor dem 9. Jahrhundert entstanden sein muß, ergibt sich aus der relativen Zeitfolge der deutschen ON-Typen ...“ .
Auch G. Müller lehnt die fränkische These ab: „Als die Franken ihren Einfluß in Hessen gel-tend machen konnten, muß hausen dort, in Niedersachsen und in Ostwestfalen schon ein be-stimmendes Element der Namenlandschaft gewesen sein“ . Dafür spricht auch die Tatsache, daß zu Beginn der Ostkolonisation im 12. Jahrhundert das Grundwort -husen/-hausen nicht mehr produktiv gewesen ist. Die Blütezeit muß demnach viel früher gewesen sein.
Auch der Untertypus -ing(e)-husen-, für den nun wiederum W. Flechsig fränkischen Einfluß in Betracht gezogen hat , ist ohne diesen produktiv geworden. Aufgrund der eingehenden Untersuchung von U. Scheuermann  kann man heute sagen, daß u.a. die Verbreitung eindeu-tig gegen die Annahme fränkischen Einflusses spricht.
Eine detaillierte Behandlung der von F. Fiesel als fränkisch deklarierten Personennamen in niedersächsischen Ortsnamen (nochmals seien genannt: Odo, Oddo, Oto, Alding, Imming, Erp, Benno, Dodo, Brumman, Ecceric, Heilker, Franko, Luthard, Suitbod, Hrotbert, Adic, Emmid, Mangar, Smidirat, Papo) kann hier nicht geleistet werden. Es kann nur allgemein gesagt werden, daß das von W. Schlaug bereitgestellte Material  die Liste erheblich schrumpfen läßt. Zu einigen  husen-Namen, die auch von anderer Seite als Argumente für fränkischen Einfluß herangezogen wurden, soll aber kurz Stellung genommen werden.
a.) Abbensen: Der nordöstlich von Neustadt/Rbge. liegende Ortsname erscheint seit dem 13. Jh. als Abbenhusen , später mit typischer Abschwächung als Abbensen. Es ist klar, daß im Bestimmungswort ein schwach flektierter Personenname Abbo vorliegt. Der Ortsname ist hier zu behandeln, da er nach einer jüngeren Veröffentlichung  „an die fränkische Zeit erinnert“. Offensichtlich ist gemeint, das er mit einem nur im Fränkischen bezeugten Personennamen gebildet ist. Allein die Verbreitung derjenigen Ortsnamen, die mit Abbo kombiniert sind, widerspricht dieser Möglichkeit, vgl. Abbensen bei Hämelerwald, Abbenhausen bei Twistringen, Abben-dorf bei Scheeßel und Bodenteich, Abbenfleth bei Stade, Abbenrode bei Wernigerode und Cremlingen, Abbenburg nahe Höxter. Der Personenname selbst entstammt unterschiedlichen Grundlagen, seine Kurzform erschwert eine eindeutige Etymologie. Die Annahme, es handele sich um einen Namen aus der fränkischen Zeit, wird durch den Nachweis altsächsischer Per-sonennamen widerlegt .
b.) Alvessen: Der Name dieser Wüstung bei Pattensen (Kr. Hannover) erscheint seit Mitte des 12. Jhs. als Allevessen, um 1225/1230 Alevessen, Allevessen, in Aluesen, Aleussen . Wie stark der mutmaßliche fränkische Einfluß bereits in die Lokalforschung Eingang gefunden hat, macht die Tatsache deutlich, daß nach Ansicht von E. Steigerwald  im Bestimmungswort des Ortsnames „der fränkische Personenname Alvo [steckt], ein Name, der erst nach der frän-kischen Eroberung (im 9. Jahrhundert) hier aufgetaucht sein kann, als viele Königslehen an fränkische Adelige ausgegeben wurden, die dann Gründungen neuer Ansiedlungen initiier-ten“. Wahrscheinlich stecken darin zwei Fehler. Zum einen ist ein Personenname Alfi, Alpho nach E. Förstemann  „besonders dem sächs. und niederfränk. gebiete eigen“ . Zum andern liegt dieser Personenname aber wohl gar nicht zugrunde, denn das -e- zwischen -l- und -v- wird damit nicht erklärt. Auszugehen ist vielmehr von einem Personennamen mit einem zwei-ten Glied -laif-, ndt. -lev- , wahrscheinlich Ala-lev-, wodurch auch die Doppelschreibung des -l- (Allevessen) erklärlich würde. Fränkisches bleibt somit in jedem Fall beiseite.
c.) Güntersen: In der Einleitung hatte ich als unterscheidendes Merkmal zwischen Nieder- bzw. Norddeutschem auf der einen Seite und Hochdeutschem oder Fränkischem auf der ande-ren Seite auf sogenannte nordseegermanische Züge verwiesen, die dem Süden fremd geblie-ben sind. Dazu zählt der Gegensatz zwischen hdt. Gans gegenüber engl. goose, oder fünf gegenüber five. In bestimmten Positionen blieb im Süden das -n- erhalten (Gans, fünf), während es im Norden schwand und zugleich Dehnung des davor stehenden Vokals erfolgte: g?se - goose, fîve - five. Diese Entwicklung trat auch vor germ. -þ- ein.
Es wundert daher nicht, daß bei -n-haltigen Wörtern in niedersächsischen Ortsnamen fränki-scher Einfluß angenommen werden kann, und dieses durchaus mit guten Argumenten. G. Müller  vermutet dieses daher zunächst auch im ON. Güntersen, westlich von Göttingen. Dessen alten Belege scheinen diese Annahme zu stützen: 1059 (K. 13. Jh.) Gunteresu, 1203 Guntherssen, 1204 Guntherssen  usw. Auch in späteren Belegen schwindet das -n- nicht. G. Müller hat jedoch selbst darauf verwiesen, daß es gerade bei der dem ON. zugrundeliegenden Personennamensippe im Niederdeutschen Unstimmigkeiten gibt: „allerdings findet sich Gund- statt as. G?th- schon in Namen von Sachsen in der frühen Werdener und Corveyer Überliefe-rung“ . Man muß noch einen Schritt weiter gehen: in altsächsischen Personennamen ist „die sächische Form gûð ... nicht belegt“ , im Altsächsischen „erscheint der PN-Stamm Gunth-, Gund- ... niemals in der Form *Gûth- bzw.*-g?th“ . Daraus ergibt sich: der erhaltene Nasal in Güntersen kann nicht als Beweis für fränkischen Einfluß herangezogen werdnen.
d.) Gunthelmshusen/Machelmishusen: Bei diesen Namen handelt es sich um zwei Wüstungen in der Nähe von Göttingen. R. Wenskus bringt sie mit einer Familie vom Mittelrhein in Ver-bindung, zu der auch Machelm und Gunthelm gehören. Er führt weiter aus: „Die Namen die-ser beiden Männer, Machelm und Gunthelm tauchen ... in den Namen zweier Wüstungen südlich Göttingen auf: Gunthelmshusen ... und Machelmishusen ... , 6-7 km voneinander ent-fernt. Ihre frühesten erfaßbaren Besitzverhältnisse weisen auf die Esikonen ... Gunthelm und Machelm sind als Personennamen in Sachsen vor 1000 überhaupt nicht belegt, wie die Auf-stellungen Schlaugs zeigen, sie weisen auf den fränkischen Bereich. Ihr gemeinsames Vor-kommen in einer Familie am Mittelrhein und ihre Nachbarschaft in den Ortsnamen des Leinegebiets deuten auf eine Übertragung aus dem Kernland des ostfränkischen Raumes“ .
 
Eine Überprüfung der Ortsnamen läßt diese Schlüsse kaum zu. Gunthelmshusen ist nicht ganz sicher zu lokalisieren , am ehesten lag es südlich von Göttingen. Gelegentlich wird ange-nommen, daß es die Nachfolgesiedlung des ebenfalls wüst gewordenen Wüsthelmeshusen ist; sicher ist das aber nicht . Es ist von Wert, die Überlieferung näher zu betrachten: 997 Uu-osthalmeshusun, 1013 Uuosthalmeshusun, 1022 (F. 1. H. 12. Jh.) Wosthelmeshusen, 1022 (F. 2. H. 12. Jh.) Wosthelmeshusen, (1118-1137) (F. nach echter Vorlage) in Guntelmeshusen, 1207 in Guntelnnhusen, 1229 in Guntilmishusen, 1262 Guntelmeshusen, 1457 to Guntillems-husen .
Wenn diese Beleglage eine Siedlungsnachfolge widerspiegelt, dann hat der PN. Gunt(h)elm des Ortsnamens nichts mit den Franken zu tun; aber selbst bei gegenteiliger Annahme muß der PN. nicht unbedingt fränkisch sein: W.B. Searle weist ihn im Altenglischen in der typisch nordseegermanischen Form Guthhelm nach .
Die Wüstung Mechelmeshusen ist dagegen sicher lokalisierbar . Ihr Name erscheint nach dem UB Reinhausen wie folgt : (1118-37) (F. nach echter Vorlage) in Mechelmeshusen, (1152-1156) in Mechelmishuson, 1168 (verunechtet) in Machelmeshusen, 1207 in Mechelnis-husen, (um 1250) Mechelmeshusen, 1262 Mechelmeshusen usw. Nach Förstemann  ist ein PN. Maghelm, Machelm, Maghalm, Makhelm usw. bestens bezeugt, man vergleiche auch die Ergänzungen von H. Kaufmann , der Vermutungen von J. Schatz anführt, wonach den ge-nannten Personennamen ahd. und asä. m?g „Verwandter“ zugrunde liegt. Angesichts der späten Überlieferung des Wüstungsnamens halte ich es für gewagt, darin unbedingt einen fränkischen Personennamen sehen zu wollen: zwischen Karls des Großen Eindringen in Sach-sen und der Erstüberlieferung liegen 300 Jahre.
 
f.) Harboldessen: „Auch die 2 km nord-nordwestl. Greene liegende Wüstung *Harbol-dessen scheint in ihrem Namen den eines Franken Heribald zu enthalten, der sonst nur im Westen bezeugt ist“, vermutet R. Wenskus . Die angesprochene Wüstung erscheint in den Belegen seit dem 13. Jh.: 1271 in Hereboldessem , 1325 (Druck 17. Jh.) Herboldessen . Der Name ist mit Sicherheit aus niederdeutschem Sprachgut entwickelt worden: zum einen ist ein PN. Heribaldus in typisch altniederdeutscher Gestalt seit altsächsischer Zeit belegt, so als Heri-baldus (mehrfach)   und als Herebold, Heribold, Heriboldus, Herboldus, Hereboldus , zum andern enthalten Orts- wie Personenname einen Wandel -bald- > -bold-, eine typisch niederdeutsche Entwicklung, vgl. Wald > wold. Fränkisches muß fern bleiben.
g.) Huginhusen: Dieser alter Name des Klosters Wienhausen (Kr. Celle) ist nach Förstemann „nach einem eingewanderten Franken [benannt]. Der PN Hugo war den Niedersachsen dieser Gegend wohl fremd“ . H. Kaufmann hat sich dieser Meinung angeschlossen . Man über-sieht, daß entsprechende Personennamen schon im Altsächsischen bestens bezeugt sind. Dar-auf hat H. Wesche nachdrücklich hingewiesen und in der Besprechung des Buches von H. Kaufmann bemerkt: „Das häufige Vorkommen dieses Namens in Niedersachsen, das er be-quem in Schlaugs beiden Büchern hätte nachprüfen können, hat ihn nicht irre gemacht“ . Auf Schlaugs Belege gehe ich hier nicht näher ein; der Nachweis eines entsprechenden Perso-nennamens im Altsächsischen ist völlig unstrittig.
h.) Ohsen: Auch Ohsen im Kr. Hameln-Pyrmont enthält nach L. Fiesel Hinweise auf fränki-schen Einfluß: „Der ON. Ohsen führt in seinem BW auf das germanische (und schon indo-germanische) Wort für Wasser hin, das hier mit dem GW -husen verbunden ist. Die ON in der Form Ahusen (und ähnlich) sind von Bayern, Schwaben über Franken bis Niedersachsen nicht selten. Die verschiedenen Formen des Stammes aha, ohe, o können sowohl Gewässer- wie Ortsnamen sein. Das Kollektivum ist gawi = gau, go. Deshalb könnte man gau, go in der ursprünglichen Bedeutung ‘Talschaft’ fas-sen“ .
Nichts davon läßt sich halten. Hagenohsen und Kirchohsen sind keine  husen-Namen, wie die alten Belege 1004 (F. 12. Jh.) actum in villa Osen, 1159 (A. 17. Jh.) archidiaconus in Osen, 1197 in Nort Osen, 1226 (A. 16. Jh.) Hermannus de Osen usw.  zeigen. Vielmehr ist von einer -n-Ableitung auszugehen, wobei Ohsen auf *Osana oder *Osena zurückgeführt werden kann. Ohne auf weitere Überlegungen zur Deutung des Namens einzugehen, sei nur darauf verwiesen, daß sich hinter O- germ. *Au- verbergen wird und somit Parallelnamen in Oesede bei Osnabrück, 826-876 in Osidi, und Osede, Oese, Wüstung bei Elze, 1022 Asithe, also in zwei -ithi-Bildungen, vorliegen dürften. Ohsen gehört somit in eine Namengebungsperiode, die weit vor die fränkische Eroberungsepoche zu datieren ist.
i.) Seesen: Fränkisch wie Seehausen bei Frankenhausen und Seehausen an der Straße von Schöningen nach Magdeburg ist für P. Höfer auch Seesen im Kr. Goslar. Er sieht in dem alten Seehusa ein „königliches Gut und eine Burg am Westharz“  . Das ist schon aus sprachlichen Gründen abzulehnen. Seesen erscheint in den ältesten Quellen in eindeutig altsächsischer Form: 966 (Trans. 1295) Sehusen, 974 Sehusa/Sehusaburg, um 979 Sehuson, 980 Seburg, z.J. 984 (1012-1018) Seusun . Sämtliche Vergleichsnamen wie Seehausen in der Altmark befin-den sich im altsächsischen Bereich und gehen auf eine altsächsische, wenn nicht germanische Bildungsweise aus seo „See“ und -husun (Dat. Plur.) zurück.  Daß später Seesen auch als königliches Gut bezeugt ist, hat mit der Namengebung nicht das Geringste zu tun.

12. Jerze

Der Name verrät nach Flechsig fränkischen Ursprung, da er „mit dem für Königsgut in Nord-westdeutschland häufig gebrauchten GW -riki ‘Reich’“ gebildet sei .
Das wäre vielleicht richtig, wenn wirklich das genannte Grundwort zugrunde läge. Das ist aber keineswegs der Fall. Jerze erscheint in seinen ältesten Belegen wie folgt: (um 1007) Gerriki, 1143 Conradus de Ierriche, 1178 Widegone de Gerrike usw. . Auszugehen ist wohl von einer Grundform *Geriki, wobei eine Abtrennung als -riki zu einem unverständlichen Bestimmungswort Ge- führt. Daher ist mit Förstemann  im ersten Teil Ger- zu sehen, das noch heute als Gehrung bekannt ist und zu ger, mhd. gêre, m. „langgezogenes dreieckiges Stück“, ahd. gêro, m. „Meerzunge, Seebucht“, gêr m. „Wurf-spieß“, mnd. gêre, gehört, und ferner als gêre überall in Norddeutschland als Flurname be-zeugt ist. Eine Kombination „dreieckig“ + „Reich“ ist unsinnig, so daß in -rik- weit eher (was auch Förstemann erkannt hat) dasjenige Wort zu vermuten ist, das auch in mhd. ric „enger Weg, Engpaß“, ricke „gestreckte Länge, langer Landstrich“, mnl. reke „Linie“, mnd. reke „Dornhecke, Gebüschstreifen“, westf. recke „lebendige Hecke im Felde“ vorliegt. Der Name bedeutete demnach „spitzer, langer Landstrich; spitze Enge“. Die Lage von Jerze bestätigt diese Deutung.

13. Hostert

In der Nähe von Jerze vermutet Flechsig einen weiteren Namen fränkischen Ursprungs: „das wüste Hostert bei Mahlum, dessen Name sich im altfränkischen Gebiet westlich des Rheins in der Nähe alter Königsstraßen mehrfach wiederfindet und nach Hoops auf ahd. hovestat ‘Hof-statt, Hofhaltung’ zurückgeht“ .
Es handelt sich um den ON. Hochstedt, heute OT. von Bockenem, der wie folgt belegt ist: 1303 in minori villa Bokenem sive Hostert, 1333 (A. 17.Jh.) Hasterde, 1458 (K. 16. Jh.) up dem velde Hosterte . Daraus ergibt sich für Fränkisches nichts: zum einen ist äußerst frag-lich, ob sich hinter den Belegen wirklich ein Hovestat verbirgt (Entwicklung zu Hostert, Hastert), und zum andern wäre dieses, wenn es wirklich zuträfe, noch lange kein Argument für fränkischen Einfluß. Förstemann  verzeichnet fast zwei Dutzend Namen dieses Typs, darunter Belege aus Westfalen, den Niederlanden einschließlich Ostflandern und fügt hinzu: „Das Wort ... bedeutet die Stelle eines Bauernhofes oder den Ort für einen solchen und läuft gewissermaßen dem ... Burgstall [= borstel, J.U.] parallel“. Aber es sei nochmals betont: kein echter Hovestatt-Name kennt eine Entwicklung zu Hostert, Hastert. Der Name gehört sicher in einen ganz anderen Zusammenhang.

14. Brelingen

Der nördlich von Hannover liegende Ort erscheint schon früh in der Überlieferung: um 990 (A. 11. Jh.) Bredanlagu, dann: 1297 Henricus de Bredeleghe, später Bredelege, Bredelge, erst ab dem 15. Jh. als Bredelinge . Wie die Belege deutlich zeigen, ist von einer Verbindung aus ndt. bred „breit“ und lage auszugehen. Später drang das Suffix -ing(en) ein . Für R. Brandt  handelt es sich um einen Namen aus fränkischer Zeit. Dafür spricht nichts: bred ist eindeutig niederdeutsch, die Namen auf  lage hat H. Siebel ausführlich behandelt , sie rei-chen wegen ihrer Etymologie in viel frühere Zeiten zurück und sind in ihrer Verbreitung auf das Niederdeutsche beschränkt .

15. Osterlangen, Westerlangen

Anhand von typischen, auf die Langstreifenfluren bezug nehmende Flurnamen hat H.-J. Nitz fränkischen Einfluß im südlichen Niedersachsen vermutet: „Auf einen Import lassen zumin-dest sehr deutlich zwei typische Flurnamen schließen, die bei den Langstreifenfluren um Hil-desheim und Braunschweig häufig auftreten: Osterlangen und Westerlangen. Sie kennzeichnen die vom Ort aus gesehen nach Osten und Westen ziehenden Langstreifen ... Wolfgang Kleiber bestätigte  ganz unabhängig von meinen eigenen Beobachtungen auf-grund seiner profunden Kenntnisse elsässischer und pfälzischer Flurnamen, das dieselben Flurnamen Osterlangen und Westerlangen in diesen Gebieten sehr häufig begegnen. Sie sind, wie er in einer Diskussion bemerkte, in Südwestdeutschland wortgeographisch spezifisch auf diese Landschaften beschränkt und tauchen bereits im 13. Jh. unter den ältesten überhaupt überlieferten Flurnamen auf. Ich vermag diese Übereinstimmung mit dem Hildesheim-Braunschweiger Raum nicht anders als durch Übertragung zu deuten. Diese aber kann nur bei der Anlage der Langstreifenfluren und Platzdörfer geschehen sein nach Beginn der fränkischen Herrschaft in Sachsen“ .
In der Diskussion dieses Beitrages wurde schon zurückhaltend argumentiert: G. Niemeier mahnte zur Vorsicht, „in Lößgebieten die Fluren weit zurückdatieren“ . In seiner Entgeg-nung betonte H.-J. Nitz jedoch, er könne sich nicht vorstellen, „daß die braunschweigischen Flurnamen Langgewann, Lange Äcker und Osterlangen erst im 18.Jh. neu erfunden worden sind“ .
Wahrscheinlich verhält es sich aber gerade so. Zu den Flurnamen des Salzgittergebietes ver-merkt M. Wiswe : „Lange ist mehrfach belegt als GW in FlrN des Salzgittergebietes, so in Holzlange ..., Weglange (mehrfach) und in Osterlange ... Es ist postadjektivische Gegens-tandsbezeichnung zu ‘lang’ mit der Bedeutung ‘langgestreckte Fläche’. Dementsprechend handelt es sich bei den als Lange bezeichneten Parzellen um Langstreifen. Die Pluralform Langen bezeichnet Langstreifengewanne“. An anderer Stelle heißt es bei den Flurnamen Lan-ge Wanne: „Die ... bezeichneten Flurteile waren bis zur VK [Verkoppelung] Langstreifenge-wanne. Sie liegen alle in Ortsnähe auf besten Ackerböden. Wanne hat in diesen Namen die Bedeutung ‘Gewann’ ... Dementsprechend wird es sich um junge, vermutlich erst im 18. Jh. entstandene Bez[eichnungen] handeln“ .
Zu dem Flurnamen Osterlangen schreibt M. Wiswe : „Oster kann hier auf die Lage des A[ckerlandes] im Ostteil der Gemarkung O[sterlinde] zurückgehen, aber auch Klammerform sein aus Oster(linder)langen“.
Man sieht, wie differenziert man Flurnamen betrachten muß. Ihr Bekanntheitsgrad reicht in den allerseltensten Fällen über eine Siedlung oder ein Dorf hinaus. Sie sind lokal gegeben und werden zumeist auch nur lokal verstanden. Vergleiche zwischen südniedersächsischen und rheinländischen Flurnamen müssen mit großer Sorgfalt versucht werden; in unserem Fall reicht das Material für die weitreichenden Schlußfolgerungen keineswegs aus.
 
16. -lar

a.) Goslar: Auch der Name Goslars ist als Beweis für fränkischen Einfluß genannt worden: „Seinem Namen nach muß er fränkischen Gründern seinen Ursprung verdanken“ hatte P. Höfer vermutet . Nähere Angaben machte er nicht. Man kann nur vermuten, daß der Grund für diese These das Grundwort -lar gewesen ist, denn der Flußname Gose, der im Bestim-mungswort des Ortsnamens steckt, ist noch nie mit Süddeutschem in Verbindung gebracht worden. So umstritten auch Alter, Herkunft und Etymologie des Ortsnamenelements -lar sein mögen (man denke an Namen wie Fritzlar, Wetzlar, Lindlar, Leer, Lehrte ), klar ist in jedem Fall, daß die damit gebildeten Namen weit vor der Herausbildung westgermanischer Einzel-stämme entstanden sein müssen. Das gilt auch für den Namen Goslar.
b.) Lenglern: Bei der Suche nach Fränkischem hat O. Bethge ausgeführt: „Bei Wintgraba-Langendorf tritt ... an die Stelle des lebensvolleren individuelleren Namens ein abgeblaßter, schematischer, wohl weil hier Fiskalleute angesiedelt wurden ... Und tatsächlich ist in mindes-tens einem Dutzend Fällen in oder bei Orten wie Langenfeld, Lengenfeld, Langsdorf, Langen-dorf, Lengsfeld, Longcamp, Longlari, Lenglern, Longlier u.ä., wie fast überall mit andern ON. unseres Typus vereint sich finden, fiskalischer Besitz nachzuweisen“ . Ganz abgesehen von der Frage, ob ein Name wie Langenfeld wirklich nur von Franken gebildet sein kann (die Negierung dieser These liegt auf der Hand), müssen die -lar-Typen Longlari, Lenglern, Longlier davon gänzlich getrennt werden. Die Verbreitung dieses Typs ist keineswegs auf das Fränkische beschränkt, sondern besitzt ihren Schwerpunkt im Westen des altsächsischen Ge-bietes . Die Namen haben vielmehr von Norden nach Süden ausgestrahlt ; fränkischer Einfluß kommt nicht in Betracht.
 

17. -leben

Auch unter den immer wieder diskutierten -leben-Namen (Oschersleben, Aschersleben, Alsle-ben, Erxleben usw.) soll nach Ansicht von L. Fiesel  fränkischer Einfluß zu erkennen sein. Ohne hier auf die gesamte Problematik der -leben-Namen einzugehen, die ja auch bis nach Dänemark und Südschweden ausstrahlen , ist festzuhalten, daß bei dieser Namensippe frän-kischer Einfluß mit Sicherheit ausscheidet. Mit Recht hat H. Kuhn diese These als unsinnig bezeichnet , auch nach G. Müller  sind die  leben-Namen auf jeden Fall älter als der frän-kische Einfluß. Er setzt hinzu: „Damit erreicht, ja überschreitet man eigentlich schon an der Randzone jenen kritischen Zeitpunkt, vor dem eine weiträumige sprachliche Ausstrahlung des Frankentums nicht denkbar ist“ .

18. Liudolf

Aus den bisherigen Ausführungen ist deutlich geworden, daß der Nachweis fränkischen Ein-flusses in hohem Maße von der Zuweisung der Personennamen abhängig ist. Glaubt man, nachweisen zu können, daß ein Personenname nur im Fränkischen belegt werden kann, sind sofort auch damit gebildete Ortsnamen in Norddeutschland fränkischer Herkunft verdächtig. Schon mehrfach mußte in diesem Beitrag dagegen Position bezogen werden, aber selbst bei der Überprüfung der mutmaßlich fränkischen Personennamen ist mehr Sorgfalt geboten. Nach L. Fiesel  sind die Personennamen Liudolf „reichsfränkisch“: „Bei den Altsachsen der Zeit kommen sie nicht vor“. Eine Prüfung der Behauptung führt diese ad absurdum: W. Schlaug  verzeichnet fast drei Dutzend Personennamen des Typs Liudulfus, Liudulf, Ludolfus usw. aus Freckenhorst, Bremen, Osnabrück, Münster, Gandersheim, Paderborn, Werden, Merseburg und Corvey. An niederdeutscher und nichtfränkischer Bezeugung des in Frage stehenden Personennamen-Typs besteht kein Zweifel.

19. Stapel, Stapelingen

Fränkischer Einfluß ist auch von H. Wesche, der sich sonst recht kritisch dazu geäußert hat (vgl. oben bei der Diskussion um Huginhusen), erwogen worden. Im Fall von Hattorf mußte seine These zurückgewiesen worden (s.o.), aber damit verbunden hat H. Wesche die Namen Stapel und Stapelingen bei Wolfsburg und im Papenteich. Er führte dazu aus: „Die Wüstung Stapelingen, Steplingen liegt etwa 8 km östlich von Hattorf. Es gehört zum staplum der Lex Ripuaria, einem alten fränkischen Gesetzbuch, wo es kurz heißt: staplum ad regis = locus ubi mallus est. staffolum regis ist das Königsgericht. Beide Orte weisen darauf hin, daß zur Zeit der fränkischen Eroberung hier an diesen Orten Gerichtsstätten errichtet worden sind. Im Papenteich ein ähnliches Paar: der Ort Stapel, jetzt Wüstung, und der Flurname Dingbönken [verschrieben für Dingbänken? J.U.]. Beide dicht beieinander im Mittelpunkt des Papentei-ches. Stapel liegt unmittelbar vor Meine, früher Meinum, einem alten -heim-Namen. Auf den Dingbänken bei Rötgesbüttel wurde seit alters das Gogericht des Papenteiches abgehalten, noch bis in die ersten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts. Es erscheint mir nicht unmöglich, daß die Franken Stapel anlegten und diesen Ort zur Gerichtsstätte machten. Stapel kam in der Nachbarschaft des zentralen Meine nicht richtig zum Zuge und wurde nach einiger Zeit wüst“ ,
Eine Überprüfung des Materials zeigt, daß die Franken fern bleiben sollten. Die angesproche-ne Wüstung Steplingen lag bei Rümmer (Kr. Helmstedt), noch heute gibt es dort das Steplin-ger Holz, bezeugt ist der Name um 1220 als Stapenlege, dann 1344/65 als Stapelghe . Die Belege zeigen, daß ein Kompositum vorliegen wird, dessen Zweitglied das in norddeutschen Namen zu hunderten bezeugte -lage-/-lege-Grundwort ist . Später ist das Grundwort von dem Suffix -ing(en) verdrängt worden, eine Erscheinung, die im ostniedersächsischen Gebiet recht häufig begegnet . Mit den Franken hat das alles nichts zu tun.
Zu überprüfen ist noch die Bedeutung des Bestimmungswortes Stapel. Zuvor noch eine kurze Bemerkung zu dem von H. Wesche angesprochenen Flurnamen Dingbänke. Seine älteste Bezeugung stammt wohl aus dem Jahr 1416: gherichte to den dinghbencken . Darin enthal-ten ist das altgermanische Wort Thing, Ding. Die Streuung der davon abgeleiteten Orts- und Flurnamen schließt das Fränkische nicht mit ein .
Die von H. Wesche erwogene Verbindung der Stapel-Ortsnamen mit fränkischen Gerichtsstät-ten kann angesichts der Streuung der norddeutschen Namen nicht richtig sein. Man vergleiche Stapel, Wüstung 1,6 km sö. Meine (Kreis Gifhorn), 1360 Stapling, 1439 Staglege, 1452 Sta-pel, 1453 1479 Stapel, 1485 Stapel, dort auch FlurN. Stapel Feld, Stapel Weisen, der Stapel, Stabel Kley, Stapel Kämpe, Stapel Moor u.a. ; Stapel, ON. im Kr. Rotenburg/Wümme; Sta-pel, Stapelermoor, Stapelmoor, Ortsnamen im Kr. Leer und besonders aufschlußreich Stapel, ON. im Amt Neuhaus, Kr. Lüneburg, 1291 Stapele, 1335 Stapel, 1369 Stapel usw.
Der zuletzt genannte Name ist bis auf eine kleine Notiz bei L. Bückmann  aus dem Slavi-schen erklärt worden . Ich halte den Namen für deutsch und schließe ihn wie die oben ge-nannten Namen an mnd., mnl. stapel ‘Stapelplatz’, auch ‘Feld an einer Gerichtssäule, Grenzpfahl, -säule, Pfosten, erhöhter Gerichtssitz, Gerichtsstätte, Niedergericht, Ballentuch, Warenbündel, Warenanhäufung, Zwangshandelsplatz’ an. Für die Frage nach fränkischem Einfluß bedeutsam ist ein weiterer Name im Amt Neuhaus. Es ist Stiepelse an der Elbe, an älteren Belegen habe ich finden können: 1209 in Stapelitz, 1380 to dem Styepelse; to dem stypelse, 1765 Stipelitze usw. . Es scheint in diesem Fall das slavische Suffix -ica oder -ice angetreten zu sein, wozu unter Umständen eine angestrebte Differenzierung zu dem 11 km entfernt liegenden Stapel beigetragen hat. Damit aber kommen wir in die Frühzeit nieder-deutsch-slavischer Beziehungen, bei denen das Fränkische noch keine Rolle gespielt hat.
Nimmt man noch weitere Ortsnamen wie Stapelberg, Stapelheide im Kr. Osnabrück, Stapel-feld im Kr. Cloppenburg und östlich von Hamburg, Stapelshorn im Kr. Diepholz, Stapelstein im Kr. Wittmund und Süderstapel, Norderstapel, Stapelholm in Schleswig hinzu, wird deut-lich, daß diese Namen ihre Benennungen unmöglich erst durch Franken oder unter fränki-schem Einfluß erhalten haben können.
 

20. -stedt

Die freundliche Aufnahme der Frankonisierungsthese norddeutscher Namen durch A. Bach hat dieser auch auf die Bildungen mit -stedt ausgeweitet. Es heißt bei ihm unter anderem: „Es bleiben ... die als Siedlungen gewiß alten -stedt-Orte Niedersachsens und Thüringens, die nach Fiesel ... im ostfälisch-nordthüring. Gebiet besonders dem Ausbau nach der Zerstörung des Thüringerreichs a. 531 zuzuschreiben sind, also der fränk. Zeit. In Holstein und in Nord-niedersachsen hat Fiesel den -stedt-Orten allerdings ein höheres Alter zugebilligt und sie dem 2./4. nachchristl. Jahrhundert zugesprochen. Das mag, wie gesagt, für die Siedlungen an sich gelten, aber ihre Namen können jünger sein. Sie können durchaus dem Zeitabschnitt angehö-ren, in dem der fränk. Einfluß bereits wirksam war, und alte Insassennamen auf -ing- ersetzt haben“ .
Im weiteren Verlauf weist A. Bach darauf hin, daß der fränkische Einfluß nur den Typ Perso-nenname + Grundwort umfaßt, „während die Wahl des darin verwandten GW jeweils im An-schluß an den Wortschatz der beeinflußten Gebiete und die zu benennende Eigenart der Siedlung erfolgt sein kann“ .
Mit dieser Auffassung steht A. Bach in deutlichem Gegensatz zu anderen Meinungen, speziell zu denen, die an nordische Herkunft dieser Ortsnamensippe glauben. So betont E. Schwarz zunächst : „ ... sie liegen meist auf gutem Boden, was für hohes Alter spricht“, um dann hinzuzusetzen: sie „ziehen von Norden nach Thüringen und strahlen gegen den Main aus“ . E. Schwarz hat sich damit älteren Meinungen angeschlossen, z.B. der von A. Werneburg : „[Es] darf geschlossen werden, daß auch die Ortschaften mit Namen auf stedt von einem aus dem Norden gekommenen Volksstamme gegründet sind, beziehungsweise, dass der Gebrauch dieser Benennungen bei einem solchen üblich gewesen und auch nach Thüringen übertragen worden ist“.
In gewissem Sinn widerspricht dieses - jedenfalls was die Bildungen mit einem Appellativum betrifft - nun wiederum der Auffassung von W. Flechsig : „ ... sie finden sich überall, wo sie vorkommen, auf besten altoffenen Siedlungsböden, sei es in Skandinavien, in Schleswig-Holstein, Nordniedersachsen, Ostfalen oder Thüringen. Auf ihr hohes Alter weist auch der Umstand hin, daß sie in Ostfalen und Thüringen anscheinend nicht mit einem PN als BW zusammengesetzt sind, sondern mit einem Appellativum, in dem sich wahrscheinlich vielfach ein Gewässername oder eine andere, in seiner Bedeutung oft dunkle Geländebezeichnung verbirgt“.
Eine zusammenfassende Betrachtung der -stedt-Namen im Saale- und Mittelelbegebiet ver-danken wir H. Walther . Aus ihr geht zweifelsfrei hervor, daß die fränkische These abzuleh-nen ist. Einige Passagen zeigen das deutlich: „Der Namentyp scheint ... zwischen 500 und 700 in voller Blüte gestanden zu haben ...“  und: „Wenn A. Bach die -stedt-Namen auf fränki-schen Kultureinfluß zurückführen wollte, so ist dem mit Recht entgegengehalten worden, daß dieser GW-Typ in den fränkischen Gebieten gerade nur sehr selten oder gar nicht vertreten ist“ .
Und auch aus anderer Richtung kam nachhaltige Kritik. D. Rosenthal äußerte zusammenfas-send : „Gegen W. Foerstes These einer fränkischen Herkunft der angelsächsischen -heim-Namen spricht jedoch, daß zu den ältesten Ortsnamen im Südostteil Englands auch diejenigen auf  stead gehören, an deren sächsischer Herkunft überhaupt nicht zu zweifeln ist; s. K.I. Sandred, English Place-Names in -stead, Acta Universitatis Upsaliensis/Studia Anglistica Upsaliensia 2, Uppsala 1963, S. 174“.
Dieses zeigt sich auch in einer Verbreitungskarte, die D. Rosenthals Auffassung nachhaltig stützt. Sie findet sich in dem Buch von E. Riemann , in dem dieser mit den bei H. Jelling-haus genannten englischen -stead-Namen eine Verbreitungskarte angefertigt hatte, die deut-lich zeigt, daß die Verbindung dieses Namentyps zum Festland nur über den Kanal vonstatten gegangen sein kann. Für fränkischen Einfluß bleibt da keine Möglichkeit. Und so können wir der zusammenfassenden Stellungnahme von G. Müller, wonach die -stedt-Namen Niedersach-sens und Schleswig-Holsteins kaum fränkisch sein können , nur zustimmen.
 
21. Wange

Die Tendenz, fränkischen Einfluß in niedersächsischen Ortsnamen zu postulieren, hat L. Fie-sel auch im Fall des Wüstungsnamens Wange bei Hameln nicht verlassen. Dieser im Jahre 892 als Uuange bezeugte Name  wird von ihm wie folgt gedeutet: „Seine Lage wird angezeigt durch die Flurnamen Wenger Wiese und die Wanne In den freien Höfen und den Ort Wange-list. Dessen Name ist mit list = ‘Leiste’, ‘Rand’, von dem am frühesten in einer Originalur-kunde des Jahres 892 genannten Namen Wange gebildet ...“ . Nach Hinweis auf zahlreiche Ortsnamen Süddeutschlands, die Ableitungen von dem Wort Wange „Abhang“ enthalten, folgert Fiesel wenig später: „Der ON. Wengen beruht auf altfränkischer Namengebung; auch wo er, in seltenen Fällen, außerhalb des vorkarolingischen Frankenreiches vorkommt, ist spät-fränkischer Einfluß nicht ausgeschlossen. Altsächsisch ist die Ortsnamensbildung jedenfalls nicht“ .
Wie wir immer wieder feststellen konnten, hat L. Fiesel etwas herausgegriffen, was sich nicht halten läßt. Zunächst ist zu bemerken, daß es weitere Namen in Niedersachsen, Thüringen, den Niederlanden und Sachsen-Anhalt gibt, die hier anzuschließen sind. Es sind: Wan-gelnstedt (Kr. Holzminden), 1251 (K. 13.Jh.) In villa Wanhelist, 1400 (K.) Wanghelist, 1474 (K.) Wangelist usw. ; das Wangerland in Friesland mit der Insel Wangerooge ; Wangen bei Querfurt; Wangen, Wüstung bei Sondershausen; Wengele, alt Wengheloe in Overijssel. Auch das zugrunde liegende Wort ist keineswegs auf das Oberdeutsche beschränkt, wo es als wang „Aue, grasiges Gefild, Schweiz, aufsteigende Krinne an einem Felsen“ bezeugt ist, vgl. altengl. vang, vong, engl. dial. wang, wong „ebene Wiese, Feld“, ndt. (Bremen) wang, wank „waldlose Hügellehne, offenes Weideland“ . Damit erweist sich das Wort als ein gemein-germanisches und keineswegs auf das Oberdeutsche beschränktes Appellativum.
Für hohes Alter des Wortes spricht auch ein Ortsname bei Sarstedt: der Wüstungsname Wen-nerde. Dieser ist in seinen ältesten Belegen wie folgt bezeugt: um 990 (Abschr. 11. Jh.) Won-gerdun , 1038 Wangerda, 1179 Wangerde, um 1080 Wengarde, Wangarde, 1193 Wennerde . D. Rosen¬thal denkt an einen PN. Wanger, womit aber das zweite Element nicht geklärt ist. Förstemann führt den Namen unter Wang an, was mehr überzeugt und die Mög-lichkeit einer -ithi-Bildung eröffnet. Die mutmaßliche Grundform *Wang-r-ithi  ist weder oberdeutscher noch altsächsischer Herkunft, sondern verlangt nach einer Diskussion der mit -r- erweiterten -ithi-Bildungen, die in altgermanische Zeit hineinreicht.
Der grundlegende Fehler Fiesels aber liegt darin, daß er das Phänomen der Ortsnamen in seinen Grundzügen nicht verstanden hat: wenn Namen ein Wort enthalten, das nur in einem Teilbereich einer Sprachgruppe appellativisch bezeugt ist, so heißt dieses noch lange nicht, daß der Name dann später daraus benannt worden ist. Als „Friedhof der Wörter“ enthalten Ortsnamen viel öfter und eher diese Wörter als Fossilien, das heißt, die Sprache, aus der der Name geschaffen wurde, hat das entsprechende Wort zur Zeit der Namengebung noch ge-kannt.
Mit diesem Einzelfall sind wir fast am Ende der Diskussion angelangt. Allerdings steht uns noch ein größerer Komplex bevor, der immer wieder und sehr gern als Kern der Frankonisie-rungsthese gedient hat: die mit dem Grundwort -heim- gebildeten Namen. Ihnen sollen die abschließenden Kapitel dieses Beitrages gewidmet sein.

22. -heim

Die Diskussion um die Herkunft der -heim-Namen dauert nun schon mehr als ein Jahrhundert: „W. Arnold schien vor rund hundert Jahren das Problem gelöst zu haben, indem er die Orts-namen auf -heim vor allem den Franken zuschrieb und ihre Verbreitung mit den Eroberungen und Ansiedlungen dieses Stammes erklärte“ . Einige Jahrzehnte nach Arnolds Versucht trat O. Bethge mit seinem schon mehrfach erwähnten Aufsatz dieser These bei. Bethges Ausfüh-rungen finden heute breite Zustimmung, wie folgende Zitate verdeutlichen: „Ein starkes Ar-gument für den fränkischen Einfluß auf die deutsche Namengebung hatte ferner O. Bethge geliefert, der nachweisen konnte, daß die in der Umgebung von fränkischem Königsgut be-findlichen -heim-Namen sehr häufig eine stereotype Bildungsweise zeigen: Bergheim, Tal-heim, Stockheim, Kirch-
 
heim, Nordheim, Ostheim, Südheim, Westheim“ ; „Eine Sondergrupe von -heim-Namen, deren BW (Bestimmungswort) nicht ein PN (Personenname) ist, sondern eine topographisch unterscheidende Bezeichnung wie Nord, Süd, West, Ost, Berg, Tal, Stein, Stock usw., be-zeichnen wir mit Bethge als ‘fiskalische’ Bildungen und weisen sie der fränkischen Zeit zu“ .
Abgesehen von diesen angeblich stereotypen und fiskalischen Bildungen sind aber auch ande-re  heim-Namen für fränkisch erklärt worden, wobei vielfach schon übersehen wurde, daß im Altsächsischen und Mittelniederdeutschen nicht mit -heim, sondern mit -h?m zu rechnen ist. Die unsaubere Terminologie schlug dabei leicht in unsachliche Argumentation um. Eine ge-nauere Diskussion der einzelnen Ortsnamen wird das zeigen.
a.) Bockenem: Der zentrale Ort des Ambergaus südlich von Hildesheim erscheint seit dem 11. Jh. als Bukenem, bokenum, Bukeneim, Bukenem, Bokenum . Alle bisherigen Vorschläge  sahen in dem Namen ein niederdeutsches Boken-hem „Buchen-heim“. Allein D. Rosenthal  erwog eine andere Deutung: „Den älteren Formen nach dürfte es sich beim ersten Element um den Kurznamen Bugo, as. Buccu, ae. Buga, Bugga handeln“, und: „Andererseits [fällt auf], daß südlich Hildesheim nur wenige -heim-Namen mit einem Personennamen als erstem Ele-ment vorhanden sind. Danach bestünde also die Möglichkeit, daß Bockenem bei der Erobe-rung des Ambergaues von den Franken umbenannt wurde, und in diesem Falle wäre das Kollektivum germ *b?kina- ,Buchen-’ im ersten Element möglich“.
Die Probleme liegen nach D. Rosenthal in den Schreibungen mit -u-, die nicht zu ndt. b?k- „Buche“ passen wollen. Er könnte mit dem Hinweis auf die Unvereinbarkeit des Vokals mit den Belegen für altsächsisch b?k „Buche“ durchaus recht haben, aber es gibt auch andere Lösungen als eine Umbenennung durch Franken. 1.) J.H. Gallée  hat darauf verwiesen, daß bei westgermanisch -?- im Altsächsischen Abweichungen in Richtung zu -uo-, -u-, -ua- häu-fig (gerade auch bei Orts- und Personennamen) begegnen. Er führt u.a. an muder, hudere, B?kheim, Strûdhûson, Bûkhêm, Bûcsele, Dûdo. 2.) Zahlreiche unzweifelhaft mit ndt. b?ke „Buche“ gebilde-te Ortsnamen zeigen in Belegen vor dem Jahr 1200 Formen mit -u-: B?kheim, Bukheri, Buc-holt, B?kholte, B?c-hurst, Buchede (Beuchte), Buclide u.a.m.  3.) Eine tatsächlich erfolgte fränkische Umbenennung hätte sich in erster Linie am Konsonanten  k- zeigen und zu hoch-deutschem -ch- führen müssen. Das ist jedoch bei keinem einzigen Beleg des ON. Bockenem der Fall.
Bevor man unbewiesenen fränkischen Einfluß ansetzt, sollte der einfache Weg gewählt wer-den: für die Schreibungen mit -u- ist neben der Tendenz des Niederdeutschen, für -?- -u- zu setzen, vor allem der auch sonst zu beobachtende hochdeutsche Einfluß auf die Schreibung der Ortsnamenformen verantwortlich zu machen, der gerade in den ältesten Belegen nicht selten begegnet und uns auch noch mehrfach beschäftigen wird. Ich würde nach wie vor einen Ansatz *B?ken-h?m (zu ndt. b?ke „Buche“ + -h?m) ausgehen; allerdings sollte auch - wie D. Rosenthal vorgeschlagen hat - der ndt. PN. Bu(k)ko nicht ganz übersehen werden. Aber auch in diesem Fall ist von fränkischem Einfluß nicht auszugehen.
b.) Cantelsheim: In diesem Wüstungsnamen bei Hildesheim, dessen ältesten Belege 1141 (K.) Arnold de Cantelessem, 1142 Arnoldus de Cantelisheim, 1146 Harnoldus de Cantelesheim, 1150 Arnoldus de Cantelessem, 1211 (K.) nobilis de Cantelsem, 1213 in Cantelsem lauten , liegt nach D. Rosenthal  „im ersten Element der altsächsisch nicht belegte Personenname Gando, Gantalo, langob. Ganderis, alem. Gantalo, wfränk. Ganthar (hier mit Anlautverschär-fung, die auf oberdeutsche Herkunft des Namengebers deutet)“ vor.
Diese These wird entschieden abgelehnt von H. Kaufmann : „Neben dem PN-Stamm Gand- ist ... auch mit einem durch An- und Inlautverschärfung entstandene *Kant- zu rechnen. (Ab-wegig ist hier die Auffassung von Jell[inghaus]..., der den betr. ON.-Belegen ein *Kant- als ein oberdt. verschobenes Gand- zugrunde legt.) Die Belege für unsern Nebenstamm *Kant- finden sich, wohlgemerkt, gerade in niederdt. und mitteldt. ON; z.B.: nd. Kantingerod 12.Jh., nd. Cantelis-, Canteresheim ...“. Dem ist nichts hinzuzufügen.
c.) Dahlum: Wie oben schon angeführt wurde, sieht man von Vertretern der Frankonisierungs-theorie überzeugende Argumente gern in den mit
 
Nord, Süd, West, Ost, Berg, Tal, Stein, Stock u.a. gebildeten  heim-Ortsnamen. So heißt es in Bezug auf die niedersächsischen Tal-heim-Namen bei O. Bethge : „Westlich davon an der wichtigen Harz-Talstraße der Nette mehrfach Dahlum (Königs-Dahlum), eins 941 als castel-lum regium Dalahem, ein anderes 1009 als curtis juris nostri Daleheym; in der Nähe ein Stochem und eine † Hachem = Hochheim?“. Die fränkische These findet auch heute noch ihre Anhänger; D. Rosenthal  bemerkt zu diesem Namen: „Im ersten Element germ. *dala- n. ,Tal’, ein Bestimmungswort, das von O. Bethge im Hinblick auf seine Verwendung in  heim-Namen als typisch fränkisch erklärt worden ist. Da sich hier auch ein fränkischer Königshof befunden hat, ist eine Namensänderung zu fränkischer Zeit möglich und jedenfalls nicht aus-zuschließen“.
Eine Prüfung der These ist notwendig. Königsdahlum bei Bockenem erscheint in den ältesten Belegen wie folgt: 826-876 (A. 15. Jh.) Daelhem, 941 (A. 17. Jh.) Dalahem, 945 actum in Talahem, 945 (A. 10. Jh.) actum in Dalahem, 1001 castellum Dalehem nominatum, um 1001 Dalehem , später als curtem Daleheym, Daleheim, in Daleheim, in Dalaheim usw.
Allein diese Belegfolge läßt erhebliche Zweifel an fränkischer Herkunft des Namens entste-hen. Man beachte folgende Punkte: 1.) Die frühe Überlieferung zeigt deutlich die Grundform des Namens an: eine Verbindung aus altsächsisch dal „Tal“ + -hem. Der Zusatz König- er-scheint in den Belegen erst in jüngster Zeit, noch 1525 heißt der Ort Dalem. 2. Der Beleg von 826-876 Daelhem kann mit R. Möller , der eine ganz ähnliche spätere Form diskutiert hat (z.J. 1020 [verfaßt um 1160] Daelheim) als Zeichen der nordseegermanischen Palatalisierung des -a- > -e- aufgefaßt werden. An diesem Lautwandel hat das Fränkische keinen Anteil; es handelt sich vielmehr um eine Erscheinung, die das Englische mit dem Friesischen und teil-weise mit dem Altsächsischen verbindet. 3.) Die historischen Belege des Namens zeigen in der Fuge zwischen den beiden Kombinationselementen dal und hem zunächst den Vokal -a-, später -e-. Dahinter verbirgt sich der Stamm des germanischen Worte dal, der als dala- nur bei den ältesten germanischen Komposita als Wortelement erschien. Mit anderen Worten: zur fränkischen Zeit wäre diese Art der Verbindung kaum noch möglich gewesen, denn dann wurde der Stammvokal zumeist unterdrückt und die ältesten Belege hätten Dal-hem gelautet. Als Ergebnis läßt sich knapp formulieren: der Name hat längst bestanden, bevor Franken Niedersachsen erreichten.
d.) Gandersheim: Nach Diskussion der problematischen Überlieferung des Ortsnamens (Gan-denesheim, Ganda, Gandan-) kommt L. Fiesel zu dem Schluß: „Sachliche Erwägungen führen ... zu der Überzeugung, daß der ON Gandersheim von einem PN abgeleitet werden muß ... In der Originalurkunde DO II 35 heißt das Kloster Gantheresheim ... Die Kurzform Gandi des PN [Gand-heri, Gand-rik, J.U.] bildet den Ort Gandersheim. Dieser PN weist nach Westfran-ken“  .
Diese Etymologie ist völlig verfehlt. Ohne näher auf Einzelheiten einzugehen, verweise ich auf die grundlegende Abhandlung von B.-U. Kettner , in der nicht nur durch die alten Bele-ge für den Flußnamen (vgl. etwa 856 [F. 13.Jh.] iuxtra fluuium Gande, qui alio nomine Ettherna nuncupatur) deutlich gemacht wird, daß das -s- in Gandersheim sekundär ist, son-dern auch herausgearbeitet worden ist, daß der ON. auf einen Flußnamen zurückgeht, dessen Grundform sowohl als Gande < *Ganda anzusetzen ist, daneben auch auch Gander- und vielleicht noch *Gandana. Dieser Gewässername war aber - nicht zuletzt aufgrund der bis heute unsicheren Etymologie - schon längst vorhanden, bevor Franken Niedersachsen erreich-ten.
e.) Hildesheim: Dem Namen des Bischofssitzes ist schon des öfteren altsächsischer Ursprung abgesprochen worden. Dafür sprechen z.B. nach D. Rosenthal folgende Überlegungen: im ersten Element steht „der altsächsisch, altenglisch und langobardisch nicht belegte Kurzname Hild?n, weshalb eine karolingische Entstehung des Ortes möglich erscheint ... ich halte ... Hildesheim für eine fränkische Neugründung an der Stelle des zerstörten sächsischen Zent-rums für den alten Ostfalengau ...“ . H. Goetting stellte - eine These von W. Berges referie-rend - fest: „In der Tat ist wohl der mit dem Stammwort  heim verbundene Personenname fränkisch“ und weiter, der Name gehe „auf den bekannten Abt Hilduin von St. Denis“ zurück.  
Betrachten wir zunächst die ältesten Belege aus dem UB H. Hild.: 864 Altfredus Hildenishei-mensis episcopus, 868 Altfridi Hildiniesheimensis episcopi, 872 (angebl. Or. 11./12. Jh.) Hildenesheymensis ecclesie, 873
 
(K.) sanctae Hildensemensis ecclesiae; in Hildensemensibus campis, 873 Altfridus Hildinis-heimensis ecclesiae episcopus, 873 (877) (F. 2. H. 10. Jh.) Hildineshemensis aecclesiae, 887 (A. 15. Jh.) Hildesheim, 887 (F. 11. Jh.) Hildeneshem; Variante: Hildenesheym.
Auszugehen ist offenbar von einem Ansatz Hildines-hem, aber schon früh erscheint die hoch-deutsche Variante mit -heim, die auch bald siegt. Dieses liegt eindeutig an der überregionalen Funktion als Bischofssitz, in dem schon früh durch den Zuzug von oberdeutsch sprechendem und schreibendem Klerus das Niederdeutsche in Urkunden kaum zum Zuge kommen konnte. Die Struktur des Ortsnamens ist klar: ein stark flektierender PN. Hildin + -hem, häufig als -heim erscheinend. Und wie steht es um den angeblich altsächsisch, altenglisch und langobar-disch nicht belegten Kurznamen Hild?n? D. Rosenthal hat übersehen, daß der Name als Hillin, Hildini und wohl auch Hillinius  zweimal in Corvey  und einmal in Paderborn er-scheint. Das ist zwar noch kein absolut sicheres Zeichen dafür, daß es sich dabei auch wirk-lich um Sachsen gehandelt hat, aber immerhin ein Indiz. Aber es gibt ein viel wichtigeres Zeichen, daß es sich bei dem Träger desjenigen Personennamens, der im Ortsnamen Hildes-heim fortlebt, nur im einen niederdeutsch sprechenden gehandelt haben muß: das -d- in Hildi-nes- kann nur altsächsisch sein, hochdeutsch erscheint an dieser Stelle -t-: Hiltibrant enti Haðubrant (Hildebrands-lied). Somit gibt es gewichtige Argumente für altsächische Herkunft des zugrundeliegenden Personennamens und gegen fränkische Herkunft.
Gegen eine Benennung des Ortes im Zuge der 815 erfolgten Bistumsgründung mit einem fränkischen Personennamen, konkret nach Abt Hilduin von St. Denis, der übringens erst seit 818 Kanzler Ludwigs des Frommen war, sprechen auch außersprachliche
 
Gründe. Zum einen fragt man sich, warum der neu begründete Bischofssitz ausgerechnet nach Hilduin und nicht z. B. nach Ludwig dem Frommen als Gründer oder nach dem ersten Bischof benannt worden sein sollte; die oft ins Feld geführte These, daß eine enge Verbindung Hildes-heims zu St. Denis festzustellen sei, so z.B. im Gedenkbuch des Domkapitels (aus dem 12. Jh.), um damit die Bennenung nach Hilduin zu begründen, muß nicht aus karolingischer Zeit herrühren, sondern könnte ebenso aus der Zeit Bischof Berwards stammen. Denn dieser reiste 1007 nach St. Denis und kehrte von dort mit Reliquien zurück; ein Vorgang der einen Eintrag in das Gedenkbuch des Domkapitels wahrscheinlich macht.  Zum anderen erscheint die Gründung eines Bischofssitzes ohne vorherige Siedlung recht ungewöhnlich für das Vorgehen der Karolinger in Sachsen; nimmt man aber an, daß zuvor eine Siedlung bestanden hat, die einen fränkischen Namen erhielt, so ist relativ erstaunlich, daß keinerlei Nachrichten über den Namen dieses Ortes auf uns gekommen sein sollten. Es muß wohl eher von einer schon beste-henden Siedlung ausgegangen werden, die von Sachsen gegründet und auch benannt wurde, und deren Name von den Franken übernommen wurde.
f.) Höckelheim (Kr. Northeim): Der westlich von Northeim liegende Ort Höckelheim ist des öfteren fränkischer Herkunft verdächtigt worden; fast scheint es sich sogar als gesicherte Er-kenntnis durchgesetzt zu haben. Den Anfang machte H. Kaufmann, der eine Herleitung von einem Appellativum ablehnte und an einen fränkischen Personennamen im Bestimmungswort dachte. Diese Auffassung ist von R. Wenskus übernommen worden: „Der fränkische Charak-ter dieses Namens ist vor allem von H. Kaufmann herausgearbeitet worden. Wir haben in anderen Orten dieses Namens, in Hucklinheim (Ittlingen) bei Eppingen und in Heuchelheim bei Gießen (Erpho) Angehörige dieses Traditionskreises tradieren sehen. Er scheint also die-sen Namen aus fränkischem Bereich in die neue sächsische Heimat übertragen zu haben“ .
Vor einer Wertung ist es unerläßlich, die ältesten Belege des Ortsnamens zusammenzustellen. Es sind: 1016 Hukilhem, (1055-1065) (Vita Meinwerci) Hukelhem, 1097 (F. 12.Jh.) Helmol-dus de Hukilheim, 1103 Huclehem, 1137 Wernerus de Hukilen usw. .
Betrachten wir uns unter diesem Aspekt nochmals den Vorschlag von H. Kaufmann, so ist schon von hieraus klar, daß seine Deutung verfehlt ist. Weder ist ein -n- noch ein -s- für den Genetiv Singular eines schwach oder stark flektierenden Personennamens zu erkennen. Zu-dem ist, wie H. Wesche zurecht festgestellt hat , Kaufmanns „RN *Hugil(o), auf den er sie alle zurückführt ..., auch nur, wie er selbst sagt, erschlossen“. Wenige Zeilen später hat H. Wesche den richtigen Weg angezeigt: „Bei Höckelheim halte man sich vor Augen, daß in ON mit -heim schon in ältester Zeit Appellative als BW auftreten“.
H. Wesche spielt damit offensichtlich auf ältere Deutungen an, in denen bereits eine vollstän-dige Klärung des Namens vorgelegt wurde. Man denkt an eine Ableitung von hukil „kleiner Hügel“, eine Deminutivbildung zu huk „Hügel“ . Zum Appellativum Hückel ist nachhaltig auf die ausführliche Darstellung bei T. Valtavuo  47ff., der auch Ortsnamen (darunter auch unseren) heranzieht, zu verweisen. Auch die Realprobe paßt zu der Deutung: der Ort liegt deutlich erhöht am Rand der Leineaue. Die Suche nach einem fränkischen Personennamen im Ortsnamen Höckelheim ist aufzugeben.
g.) Hönnersum: Dieser Ort im Kreis Hildesheim ist seit dem Ende des 13. Jh. wie folgt belegt: 1282 (A. 15. Jh.) in villa Honersheym, Variante: Honersheim; 1319 in Honersem; 1380 a villa Honersem; in Honersem; 1382 in Honersum; 1448 dem Honnersemer velde; 1458 Hon-nersem; 1488 to Honersen; 1502 Genteman van Honnerszen .
Rosenthal, Diskussion 386 sieht darin ndt. -h?m und im ersten Teil den „alten und seltenen germanischen Personennamen *Aunher, nur in aleman., fränk. Honher (mit unorganischem H-) belegt“. Er geht also von einem nicht mit H- anlautendem Personennamen aus, der im Alt-niederdeutschen nicht belegt sei. Rosenthal irrt in zweifacher Hinsicht. Zum einen wird man angesichts der völlig konstanten Belegreihe mit anlautendem H- doch nicht einen Personen-namen vermuten dürfen, der kein H- besessen hat. Und zum anderen findet sich ein sicherer Anschluß unter dem Ansatz Hun- bei Förstemann : Honher, Hunir, verwandt mit den neu-hochdeutschen Personennamen Honer, Höner, Hühner. Nichts spricht dagegen, in Hönnersum diesen Namen zu vermuten. Fränkisches bleibt erneut fern.
h.) Hockeln: Dieser Ort bei Bad Salzdetfurth erscheint seit der Mitte des 12. Jhs. in den ältes-ten Belegen wie folgt: 1146 in Hukenem, (1175-78) in Hokenem, 1187 Bertolt de Hukenem, 1201 Bertoldus de Hokenem, 1201 Bertoldus de Hukenem, 1201 (K.) Bertoldus de Hokenem.
Auch dieser Name enthält im Bestimmungswort Fränkisches: „Im ersten Element der typisch fränkische Personenname Hugo, hier mit Inlautverschärfung“ . Im Grundwort soll -h?m vorliegen. Abgesehen davon, daß das Grundwort -h?m nicht sicher bezeugt ist (zwar kann man hinter der Schreibung Hukenem eine Form Hukenhem vermuten, aber ganz sicher ist das nicht), dürfen doch ältere Deutungsvorschläge nicht einfach unberücksichtigt bleiben. Völlig richtig stellt nämlich E. Förstemann  den Namen zu hess. huck „hervorragender Hügel, Berg“, mnd. hocke, göttingisch hucke „Haufe von Sachen“, westf. h?ke „Haufen“ u.a.m. Auch H. Wesche hält H. Kaufmanns Vorschlag für „bedenklich“ . Zieht man zu dem Hü-gelwort huck noch die ausführliche Darstellung bei T. Valtavuo  hinzu, so bleibt für eine Herleitung aus einem PN. Hugo - gleich, ob nur fränkisch bezeugt oder nicht - kein Raum.
i.) Hotteln: Der ebenfalls im Kreis Hildesheim liegende ON. Hotteln enthält nach Rosenthal, Diskussion 387 den Personennamen-Stamm H?d-, „hier in der Nebenform H?tt-, die sonst nur in westfränkischen, westfälischen, südniedersächsischen und nordhessischen Ortsnamen fränkischer Provenienz auftritt“. Da der Ort aber auf guter Siedlungslage mit guten Bodenver-hältnissen liegt, setzt er hinzu: „Man kann deshalb die Möglichkeit einer späteren Umbenen-nung in Betracht ziehen“.
Diese Etymologie ist mehr als strittig. Hotteln, 826-876 (A. 15. Jh.) Hottenhem, 1022 (F. 1.H. 12.Jh., 2. H. 12. Jh.) Hottenhem, Hottenem, sonst Hottenhem, Hottenem , kann durchaus auch ein Appellativum im Bestimmungswort enthalten , wenn man an Namen wie Hottepe (ein Fluß- und apa-Name bei Brilon); Hutfleth bei Jork, alt Hotflete; Hotton, ON. in der Prov. Belg. Luxemburg, an der Ourthe („terrain marécageux“), 12.Jh. Hottinne, Hotine und Hoet-mar bei Warendorf, alt Otomar, Hothmere, Hotnon denkt. Von diesen ist sicher keiner mit einem PN. gebildet; einige zeigen klare Beziehungen zu hydronymischen Grundwörtern; eine eingehende Prüfung des Materials unter gesamtgermanischem Blickpunkt ist not-wendig. Vor Abschluß dieser bleibt ein fränkischer Personenname im ON. Hotteln unbewie-sen.
j.) Höxter: Der ON. Höxter an der Weser soll nach H. Kaufmann von einem fränkischen PN. Hugo abgeleitet sein. Es schreibt: „Der Ort *Huges-s?ri wurde von den Franken gegründet zur Sicherung des Flußüberganges als ‘Siedlung eines Hug(i) auf trockenem Gelände’“ . Diese Deutung ist völlig verfehlt.
Die alten Belege zeigen zweifelsfrei eine alte -r-Ableitung: 822 Huxori, 823 Huxori, 826 Huxori, alt aber auch Huxeri , steht wohl in einem Zusammenhang mit Hücker bei Herford, 1151 Hucheri, 12.Jh. Huckere , Huxeli (Wg. bei Höxter), sowie weiteren Name wie auch dem -ithi-ON. Huckarde, OT. v. Dortmund, 947 Hucrithi, 1214 Hukirde. An der Verbindung mit hess. huck „hervorragender Hügel, Berg“ gibt es gewisse Zweifel .
Beachtenswert ist die Tatsache, daß sowohl im Namen von Höxter wie bei den offensichtlich verwandten *Hukeshole, *Hukesowe ein -s- anzusetzen ist. Damit wäre eine lautliche Ent-wicklung wie bei hdt. Axt < *akwesjô  anzunehmen. Es fehlt aber noch ein überzeugender Anschluß; am ehesten wird man eine Verbindung zu der idg. Wz. *keu-g-/*keu-k- „krümmen, Buckel, Höcker“, wozu ja auch dt. Hügel, Höcker, Hocke, hocken gehören, suchen können. Aber die Bildung mit einem  r-haltigen Suffix halte ich für sicher , womit die Ableitung von einem Personennamen sofort ausscheidet.
k.) Northeim, Medenheim, Sudheim/Sottrum, Stöckheim und Konsorten: Der Komplex derje-nigen -heim/-hem-Ortsnamen, der auf die Himmelsrichtungen und auf mutmaßliche Holzablie-ferung Bezug nimmt, gilt allgemein als eines der sichersten Kennzeichen fränkischen Einflusses auf die niedersächsische Toponymie. Ausgehend von O. Bethge hat man zunächst die Meinung vertreten, die nach Himmelsrichtungen benannten Siedlungsnamen müßten in einem bestimmten Verhältnis zueinander gestanden haben und planmäßig benannt sein, „denn die ON. stehen unzweifelhaft im reziproken Verhältnis, keiner ist allein für sich denkbar“ . Daraus ergab sich sehr rasch der Glaube an eine gelenkte Benennung: „Es ist undenk-bar, daß Nieder-, Mittel- und Oberfranken, Sachsen und Bayern, Thüringer und Alemannen und Hessen überall bei der Besetzung und Besiedelung des Landes auf den gleichen Gedan-ken gekommen wären, derartige schablonenhafte Namen zu wählen nur für eine gewisse Klas-se von Orten, also überall so schematisch vorzugehen“ .
Diese These hat bis heute weite Kreise überzeugt, gerade auch hinsichtlich der Namen entlang des Leinegrabens: „Außerdem ist gerade der Komplex Northeim-Medenheim-Sudheim von der Forschung meistens als karolingisches Königsgut längs der alten Heerstraße von Süden nach Norden angesprochen worden“ . Daß auch L. Fiesel diesem zustimmte, verwundert angesichts der frankenfreundlichen Tendenz des Autors nicht . Aber auch für R. Wenskus zeigen „ Northeim, †Medenheim, Sudheim, Stöckheim, † Sultheim u.a. vielerorts fränkisches Königsgut an“ , wobei „diese benachbarten Orte ... durch ihre Namen bereits die Annahme eines fränkischen Fiskalkomplexes nahe [legen]“ . Dieser allgemeinen Tendenz hat sich auch C. Jochum-Godglück nicht immer entziehen können, zumal sie auch einen Bearbeiter der südniedersächsischen Ortsnamen ergriffen hat. W. Flechsig schrieb: „ ... so entstanden um Northeim als jüngere Nachzügler Stöckeim, Höckelheim, die Wüstung Sultheim bei Northeim, Northeim selbst, Sudheim und das zwischen den beiden gelegene Medenheim. Die jüngsten von ihnen, vor allem die zwei letztgenannten, stammen wohl erst aus der Karolingerzeit und können mit ihren ‘fiskalischen’ Namenbildungen als fränkische Staatsgründungen angesehen werden „.
Sollte man nicht angesichts der breiten Zustimmung die Skepsis aufgeben? Ich möchte mich auf einen Göttinger berufen; in einem Nebensatz hat G.C. Lichtenberg in seinen Philosophi-schen Bemerkungen angemerkt: Was jedermann für ausgemacht hält, verdient am meisten untersucht zu werden.
Die Kritik setzt an einem Ortsnamen ein, den keiner der Befürworter beachtet hat: es ist der 10 km südlich von Northeim liegende kleine Ort Nörten (heute Nörten-Hardenberg). Er geht auf eine germ. Grundform *Nord-tun „Nord-ort, Nord-stadt“ zurück, hat kein *Süd-tun neben sich, im Süden allerdings Bovenden < *Bobbontun als mutmaßlichen Antipoden, und wider-spricht damit völlig den vorgebrachten Argumenten: 1.) Er steht in keinem reziproken Ver-hältnis zu einem anderen orientierenden Ortsnamen, sondern vielleicht zu Bovenden (Bobbantun).  2.) Er entstammt nicht der fränkischen Zeit, sondern einer viel älteren Perio-de, die toponymisch Norddeutschland, die Niederlande, Belgien, England und den Norden umfaßt . 3.) Während das -t- in Nörten aus einer Vorform *Nord-tun > Norttun > Nortun leicht erklärlich ist, gibt das -t- im Namen Northeim heute noch einige Rätsel auf. Eine der Lösungen könnte darin liegen, daß es sein -t- von Nörten erhalten hat.
Der entscheidende und von keinem Befürworter der fränkischen Herkunft für möglich gehal-tene Widerspruch liegt aber in der sprachlichen Analyse der angesprochenen Ortsnamen Nor-theim, Medenheim und Sudheim. Dabei hat O. Bethge diesen Aspekt durchaus berührt und auf ihre große Bedeutung für die Herkunft der Namen hingewiesen. Allerdings zog er falsche Schlüsse.
Die Diskussion dieses Passus ist von grundlegender Bedeutung. Bethge schrieb: „Endlich eine sprachliche und hoffentlich zutreffende Bemerkung: In Westfalen, Hannover, im Lippeschen kommen alte Namen wie Sundhem, Sundhus, Sunderhusun, Suntum, Sundwich, Sundorp (Suntrop, Sundarp) vor, meist mit Nord-, West-, Ost-Orten korrespondierend. Im Altsächsi-schen aber heißt der Süden stets sûd (sûth). Wäre hier völkischer Ursprung der Benennung anzunehmen, so hätten wir frühzeitig ein Sûthem, Sûdhusun u.ä. Sund ist aber oberdeutsch! Es gibt kein Beispiel eines nd. sund! ... Jedenfalls sind sie ursprüngliche Fremdkörper, d.h. von süd- oder westdeutschen ‘Franken‘ (= fränkischen Untertanen; das können auch gebore-ne Alemannen usw. sein) gegründete Kolonistenorte ...“ .
Niemand hat diesen wichtigen Satz aufgegriffen, obwohl er Elementares enthält. Wenn er stimmen würde, wären in der Tat sprachlich unumstößliche Argumente gewonnen. Nur: dem ist nicht so. Bethge hat nämlich ein entscheidendes Kriterium nicht beachtet (wobei nach-drücklich darauf zu verweisen ist, daß es auch späteren Anhängern der Theorie hätte auffallen müssen): zu trennen ist von einmaligen Schreibungen, die gar nicht die wirkliche Aussprache eines Ortsnamens wiedergeben, und einheimischer Überlieferung, die wesentlich höher zu bewerten ist als eine Aufzeichnung im Vatikan, in Regensburg, Worms, Speyer oder Fulda.
Beginnen wir die Kritik bei Sudheim, 5 km südlich von Northeim gelegen. Der älteste Beleg spricht für süddeutschen Einfluß: 780-802 (A. 12. Jh.) Suntheim . Er stammt aber aus Fulda und ist daher mit R. Möller  als einmalige Abweichung einer sonst nasallosen Überlieferung (in Sutheym, in Sutheimb; Aueze de Sutheim; Suthem) zu verstehen. Sudheim enthält in sei-nem Bestimmungswort Sud- einen eindeutigen Hinweis auf Einbindung in nordseegermani-sche Verbindungen, was dazu führen muß, die Existenz des Ortsnamens für eine Zeit anzusetzen, in der das Frankenreich erst im Entstehen begriffen war. Nach allgemeiner Ein-schätzung  ist der Nasalausfall spätestens in das 3.-8. Jh. zu setzen. Diese Behauptung läßt sich anhand eines Dutzends identischer Ortsnamen stützen. Auch D. Rosenthal, der fränki-schem Einfluß durchaus wohlwollend gegenüber steht, führt unter Sottrum bei Hildesheim, 1149 Sutherem, 1162 Sutherem, aus : „Wie schon ... erwähnt, sind Richtungswörter nicht erst in fränkischer Zeit gebraucht worden; man vergleiche Søndrum in Dänemark, Søreim, Sørem, sørum in Norwegen, Southem in England“.
Eine gründliche und in diesem Zusammenhang noch nie berücksichtigte Bearbeitung der Suth-hem-Namen verdanken wir jedoch U. Scheuermann . Er hat unter Bezug auf die fast aus-schließlich auf niedersächsischem Boden liegenden Ortsnamen Sottrum, Sorthum, Sorsum, Sottmar, Soßmar, Sustrum, Sossen und Sutrum, die allesamt auf *Sûther-hem „Süderheim“ zurückgehen, herausgearbeitet, daß wir einen altniederdeutschen Typus vor uns haben. Mit Recht hat er fränkischen Einfluß überhaupt nicht in die Diskussion aufgenommen.
Völlig verfehlt ist fränkischer Einfluß auch bei Medenheim, der Wüstung zwischen Northeim und Sudheim. Man hat sich auch hier zunächst von dem ältesten Beleg, der in die Fuldaer Tradition gehört, täuschen lassen. Neben diesem (780-802 [A. 12. Jh.] Mettenheim) stehen ausschließlich Formen mit altsächsischem und mittelniederdeutschen -d-: 982 Meden-
heim, 1055 (A. 16. Jh.) Medheim, Medeheim, 1141 (verunechtet) Medeheimb, Medehem usw. Schon dadurch wird deutlich, daß die niederdeutsche Variante mit -d- entschieden überwog. Völlig zweifelhaft aber wird die gängige Deutung „Mittelheim“ (zwischen Nort- und Sud-heim) durch die Etymologie: es ist keineswegs ausgemacht, daß im Bestimmungswort wirklich ahd. oder asä. mittil, middel steht. Bei E. Förstemann  findet sich Medenheim unter einer Gruppe von Namen, die mit lat. medo „Wassermet; fetter Tonboden“ verbunden werden. Ob diese Etymologie richtig ist, kann bezweifelt werden; sie ist aber nicht schlechter als der Ver-such, an dt. Mitte, mittlerer anzuknüpfen. Die weit verbreitete Ansicht, der Wüstungsname Medenheim sei als fränkische Siedlung zwischen Northeim und Sudheim entstanden, ist somit in zweifacher Hinsicht verfehlt.
Ein wichtiges Argument fränkischer Siedlung fand man, wie schon mehrfach angedeutet, auch in dem Typ der Stockheim-Namen. Dazu heißt es etwa bei H.-J. Nitz, der natürlich auf älteren Untersuchungen, beginnend bei O. Bethge, aufbaut: „Wir denken dabei vor allem an die sehr häufig vertretenen Stockheim und Stammheim, die bisher ähnlich wie Holzheim und Holzhau-sen als Rodungsnamen gedeutet wurden. Da jedoch, wie schon festgelegt, die Anlage der Rodung der Normalfall jeder Siedlung ist, vermag diese Deutung uns nicht zu überzeugen. O. Bethge gibt zu überlegen, ob Stockheim ‘sich z.B. auf das senkrechten Ständern erbaute Blockhaus beziehen (kann)’. In diese Richtung einer Bauweise zu besonderen Zwecken könn-te die Erklärung gehen, während eine funktionale Parallelität zu Holzheim und Holzhausen ausscheidet, denn mehrfach treten beide benachbart auf. Das Problem sei hier nur angespro-chen, eine Lösung sollte von der Namenforschung zu erwarten sein“ .
Wir hatten schon gesehen, daß Holzheim, Holzhausen, Holtensen nicht dt. Holz enthält, son-dern zu ahd. holz, asä. holt „Wald“ gehört. Stöckheim, Stöcken ist ein häufiger Namentyp, bei dem schon Förstemann verschiedene Grundlagen vermutet hat. So war seiner Ansicht nach „im Bremischen und Holsteinschen ... stock auch ein Ständerwerk-Gebäude“ . Weit häufiger aber steckt in den Ortsnamen ahd. stoc(h), asä. stok „der Baumstumpf“, in Namen „Ansamm-lung von Baumstümpfen, früherer Hochwald“, anord. stokkr „dicker Baumstamm“ . Eine neuere Untersuchung germanischer Wörter zeigt, daß an einer alten Bedeutung „Stock, Stamm, Stumpf, Block u.ä.“ nicht zu zweifeln ist .
Selbst der fränkischem Einfluß durchaus nicht abgeneigte L. Fiesel erkannte, daß der Typus Stock-heim unmöglich den Franken zugeschrieben werden kann: „Stocheim ist eine Zusam-mensetzung des GW -heim mit Stuk(en), ‘Baumstumpf’, eine der häufigen Bildungen, die von den Alpen bis zum Niederrhein und bis zur Elbe vorkommen“ .
l.) Ohrum: Dagegen glaubte Fiesel, den Ortsnamen Ohrum bei Wolfenbüttel mit fränkischem Einfluß in Verbindung bringen zu können: „Ohrum südlich Wolfenbüttel an der Oker, wo nach gleichzeitigen Berichten Karl der Große (780) die bekannte Massentaufe von Sachsen vornahm, ist ein gegen das Land der freien Sachsen vorgeschobener Posten“ . In einer An-merkung wird der Name von L. Fiesel als Horoheim „Sumpfheim“ erklärt.
Ohne auf alle Einzelheiten eingehen zu wollen , sei hier nur kurz erwähnt, daß 1.) das Sumpfwort hor hier nicht enthalten ist ; 2.) die alten Belege zwischen Orheim und Arem schwanken, was auf asä. * ?  < germ. * au  weist, und daher 3.) von einer Grundform *Aur-h?m auszugehen ist, dessen Bestimmungswort mit dem germanischen Norden in Verbindung steht: gemeint ist altnord. aurr „sandiger Boden, Kies, mit Stein untermischter Sand“, isl. aur „Lehm, Schmutz; Schlamm, Schlick; Geröll, Schotter“, norw. aur, aurr, ør „Bodensatz, Hefe, sandiger Grund, grober Sand; Boden, Erde, Kieserde, harte Erde; Gemisch aus Kies und Sand; Delta, Sandbank“, schwed. ör „Schotter, Sandbank aus Schotter, Sandbank, Insel“, „Kies, Steingrund“. Hierzu gehören auch der Öresund und Helsingör. Welche Konsequenzen man aus dem Nachweis eines nordgermanischen Wortes in einem niedersächsischen Ortsna-men noch ziehen kann, soll hier nicht erörtert werden. Wichtig ist für unsere Frage nur, daß der ON. Ohrum, der aufgrund eines Beleges aus dem Jahr 747 oder 748 zusammen mit Schö-ningen der älteste bezeugte Siedlungsname Niedersachsens ist, nichts mit fränkischem Einfluß zu tun hat.
m.) Osterem, Östrum: Zu den fränkischen Einflüssen zählt man nicht nur Nordheim, Sudheim und Westendorf, sondern auch Kombinationen mit Ost, Osten. Dazu gehört etwa Osterem, eine Wüstung bei Pattensen südlich von Hannover. Die Belege dieses Namens liegen nun gesammelt vor , genannt seien 1222-1227 Estenhem, nach 1225 Ostrem, um 1260 Ostenem, Ende 13./Anfang 14. Jh. Ostenem.
Nach E. Steigerwald  scheint eine fränkische Namengebung vorzuliegen. Er begründet die-ses mit dem Satz: „Die -em-Endung kann zwar eine -heim-Abschleifung sein und damit auf eine frühere Namengebung hindeuten, das orientierende, eine Himmelsrichtung angebende Bestimmungswort Ost- kommt jedoch nur bei Gründungen auf fränkischem Königsgut vor“. Aus diesem Satz wird deutlich, wie fest verwurzelt bereits der angeblich fränkische Einfluß in niedersächsischen Siedlungsnamen ist. Betrachten wir vor einer Erörterung des Problems einen weiteren Namen dieses Typs. Es ist Östrum bei Bad Salzdetfurt, (um 1226) Osterim, 1274 Osterim usw. . Dazu meint D. Rosenthal, der dem Fränkischem durchaus nicht abge-neigt ist: „Das Bestimmungswort scheint eine typische Richtungsbezeichnung der fränkischen Verwaltung, kann es aber nicht sein, da der Ort nordwestlich von der fränkischen Anlage Bodenburg liegt ... Name und Ort müssen also vorfränkisch sein, wie ja auch Richtungswörter bereits aus altgermanischer Zeit in Ortsbezeichnungen überliefert sind ...“ .
Dieser Auffassung kann nur beigepflichtet werden. Viel zu wenig wird in diesem Zusammen-hang aber auch der wichtige Beitrag von H. Kuh, Ostenfeld und Westensee  herangezogen, der deutlich gemacht hat, daß Kombinationen wie Ostendorf, Westenhem einer älteren Bil-dungsweise angehören als Ostdorf und Westheim. Das empfinden selbst noch heutige Spre-cher des Deutschen. Nachdrücklich ist in diesem Zusammenhang auch auf P. v. Polenz zu verweisen , der ganz entsprechend im Zusammenhang mit dem Westargouwe ausgeführt hat: „ ... die Richtungsbezeichnung ist hier mit dem Richtungssuffix *-þra versehen (ahd. westar).
 
Das widerspricht der Bildungsweise der orientierenden Namen aus staatlich-fränkischer Na-mengebung“. Somit ist fränkischer Einfluß auf die Ortsnamen Osterem und Östrum aus meh-reren Gründen auszuschließen.
n. Meine, Rethen: Die hier zu behandelnden Ortsnamen aus dem Kreis Gifhorn sind von W. Meibeyer im Anschluß an L. Fiesel  in einen Zusammenhang mit fränkischem Einfluß ge-bracht worden. Er hat ausgeführt : „Ein Blick auf die  heim-Namen erweist diese als unter-schiedlich gebildet. Denn die Wüstung Ellardesheim (nördlich Hillerse) enthält einen Personennamennamen. Meine (1007 Meyum) und Rethen (1301 Rethene) sind hingegen ap-pellativisch gebildet. Das Vorkommen den Franken zugeschriebener Ortsgründungen mit -heim-Namen auf sächsischem Boden bereits vor den Sachsenkriegen erfährt seine Erklärung aus der frankenfreundlichen Einstellung verschiedener sächsischer Adelsfamilien, wodurch fränkische Einflüsse und Siedlungsinitiativen in Teilen Sachsens schon frühzeitig an Boden gewinnen konnten“.
Bei allen drei Namen gibt es Zweifel an einer Verbindung mit asä.  h?m (es empfiehlt sich, die niederdeutsche Variante zu verwenden; schon die Angabe „-heim“ erzeugt unzulässiger-weise eine Verbindung mit dem Hochdeutschen).
1. Ellardesheym kann der Wg. Eilerse bei Hillerse zugeordnet werden; die weiteren Belege weisen eher auf -husen: 1318 Eylerdessen, 1330-1352 Eylerdessen usw. .
2. Rethen, 1301 Rethene, 1323 Rethem, 1341 Rethen, 1343 Rethene, 1349 Rethen, 1350 Re-them, 1445 Rethem  ist sprachlich von Rethen südl. Hannover nicht zu trennen, dessen Überlieferung wesentlich früher beginnt: (1100-1200) Reten (2mal), 1244 Vulverus de Rhethen, (1247) de Retene usw. . Etymologisch gehört Rethen zu dem bekannten Ried-Wort, vgl. hdt. Ried, mhd. riet, ahd. (h)riot, asä. hriod, mnd. rêt, reit „Schilfrohr“, nnd. Reet, Reit „Ried, Riedgras, schilfartiges Gras, Schilfrohr“, ae. hr?od, afries. hri?d, hreid. Die Überlieferung Rethen, Rethene ist am ehesten als Reflex des alten Dat. Plur. Retum, Retun zu verstehen. Mit -h?m hat der Name nichts zu tun, obwohl später ein auf  hem deutendes -m- in die Überlieferung eindringt.
3. Zweifel an der Auffassung, daß Meine ein -h?m-Name sei, hat schon H.-H. Kretschmann geäußert . Betrachtet man sich die ältesten Zeugnisse 1007 (A. 14. Jh.) Meynum, 1022 (F. 12. Jh.) Mainum (2mal), (um 1220) (A. 14. Jh.) Meinnem, 1265 Meynum, 1266 Mejnjm, um 1274 Meynem, 1291 (A. 15. Jh.) Meynem, 1297 Meynum, 1316 Meynum, 1318 Meynum, 1334 Meynum , so werden die Zweifel keineswegs geringer. Die Endung -um aus den Bele-gen des 11. Jhs. darf keineswegs bereits als Ergebnis der in der Braunschweiger und Hildes-heimer Gegend typischen Entwicklung alter -h?m-Namen zu -um (Borsum, Harsum, Achtum, Mehrum, Sorsum, Ohlum usw.) interpretiert werden . Hinter Meinum verbirgt sich eher wie bei Rethen ein Dat. Plur., so daß die Ableitungsbasis in Mein- gesucht werden muß.
Eine Deutung ist schwierig, weil -ei- in niederdeutschen Namen und Wörtern im allgemeinen erst sekundär durch Ausfall eines -g- oder -d- einstanden ist, so etwa bei Peine, Leine u.a. Man könnte also von einer Grundform *Magin-um, *Madin-um (oder unter Abtrennung der Dat.Plur.-Endung von *Magin-, *Madin-) ausgehen, wobei aber Sicherheit kaum zu gewinnen ist. Spekulationen über die Etymologie des Namens helfen kaum weiter, jedoch sollte die Ähnlichkeit der lautlichen Entwicklung bei Mayen nahe Koblenz, alt Megina, Megena, 1110 Meina, oder Meyen an der Maas, alt Meginum, Megena, und auch Meinberg bei Detmold, alt Megenberg, nicht übersehen werden. Hinzuweisen ist aber auch auf eine Sippe von westfäli-schen Namen um Mante, Mahnen, Mane, Mahne, Homeynen, alt Honmeynen .
Wenn auch letzte Klarheit nicht gewonnen werden kann, dürfte aber dennoch recht sicher sein, daß Meine zu einer dieser beiden Gruppen gehört, somit aber eine Bildung mit -h?m nicht in Frage kommt.

Auswertung und Schluß

Nach Durchsicht der meisten Ortsnamen, bei denen fränkische Herkunft oder fränkischer Einfluß vermutet worden ist, können wir zu einer Auswertung und zu einem zusammenfassenden Urteil - auch über die -heim-Namen in Nieder-sachsen - kommen.
O. Bethges Versuch vom Anfang dieses Jahrhunderts hat bis heute nachgewirkt. Man erkennt dieses an Äußerungen wie z.B. von H.-J. Nitz, der recht zutreffend die allgemeine Meinung unter Einbeziehung von namenkundlichen Argumenten umrissen hat: „Auch Namensforscher wie A. Bach und Historiker wie Albert Hömberg sind der Auffassung, daß die inselartigen Vorkommen von -heim-ON in Nordwestdeutschland z.B. um Hildesheim und südlich von Braunschweig erst seit der fränkischen Eroberung entstanden sein können. Gerade um Hildes-heim und Braunschweig treten massiert jene schematischen -heim-Namen wie Nord-, Süd-, West- und Ostheim, Bergheim, Mühlheim, Talheim, Buchen- und Eichenheim usw. auf, die vielfach als fiskalische Gründungen gelten.“ . Ganz ähnlich heißt es bei W. Meibeyer: „Schließlich ist aus verschiedenen anderen Gebieten seit längerem bekannt, daß eine Art von amtlicher Kolonisation des fränkischen Staates stattgefunden hat, welche unter einer gewissen Bevorzugung des Grundwortes -heim an bedeutsamen Stellen Siedlungen oft auf königlichem und/oder konfisziertem Grund und Boden etwa in Sachsen errichtet hat. Die Ortsnamen wur-den auffällig schematisch gewählt, und niemals scheinen dabei in den Bestimmungsworten Personennamen, sondern stets Appellativa zur Anwendung gekommen zu sein“ .
Wir hatten gesehen, daß die sprachliche Seite der angesprochenen Namen auch von A. Bach und anderen unzutreffend beurteilt worden ist und die altsächsische und mittelniederdeutsche Sprachentwicklung nicht ausreichend berücksichtigt wurde . Die -h?m-Namen des südli-chen und südöstlichen Niedersachsen gehören in einen ganz anderen Zusammenhang. Daß die fränkische Organisation nicht entscheidend gewesen sein kann, ergibt sich auch aus der Streu-ung der -h?m-Namen in diesem Gebiet, denn dieser Typus fehlt in den Altkreisen Göttingen, Osterode, Duderstadt und Münden gänzlich (vgl. Karte 3). „Das ist sehr merkwürdig“, be-merkt W. Flechsig mit Recht und schreibt weiter: „Denn wenn Namen solcher Art von den fränkischen Beamten geprägt worden sind, wie wir annehmen, so müßten sie eigentlich über-all dort zu finden sein, wo in der Karolingerzeit von Staats wegen neue Wohnplätze angelegt wurden. Es ist aber unwahrscheinlich, daß die Kreise Münden, Göttingen, Duderstadt und Osterode sowie Holzminden und Gandersheim, wo ebenfalls keine ‘fiskalischen’ -heim-Namen vorkommen, frei von Stützpunkten der fränkischen Militär- und Zivilverwaltung gewesen sein sollten“ .

Gegen fränkische Herkunft der -h?m-Namen Niedersachsens spricht auch das Vorkommen dieses Typs in den Niederlanden, Belgien und England, worauf bereits bei der Diskussion der -stedt-Namen (s.o.) hingewiesen wurde .
 
Aus dem Gesagten ergibt sich, daß die Datierungsversuche von Kretschmann , der die Zeit vom 3. vorchristlichen bis zum 5. nachchristlichen Jahrhundert favorisiert hat, durchaus zu-treffen können. Namen wie Achim (< Aha-hem) oder Ohrum (*Aur-hem) gehören zur ältesten Schicht germanischer Namen. A. Bachs Ablehnung der Kretschmannschen These  unter Berufung auf Prähistoriker berücksichtigt nicht, daß germ. haims seinen engsten Verwandten in lit. ki?mas „Bauernhof, Dorf“ besitzt und somit davon abgeleitete Ortsnamen schon zum ältesten Bestand germanischer Namengebung gehören müssen. Daß es daneben auch jüngere Bildungen mit -h?m geben muß, bleibt davon unberührt .
Völlig unzutreffend ist L. Fiesels Bemerkung, wonach -h?m den alten Sachsen fremd gewe-sen sei . Zudem ist mit F. Schwarz zu betonen, „daß in Schweden und England dieselben -heim-Namen vorkommen, bei denen fränkischer Einfluß ausgeschlossen ist. Bildungen wie Tal-, Bach-, Bergheim konnten sich überall leicht einstellen“ . Die Eintönigkeit der Namen-gebung beruht nicht auf fränkischer Kolonisationstätigkeit, sondern auf „der volkstümlichen Einfachheit, Nüchternheit, Genügsamkeit und dem engen Horizont der Bewohner eines klei-nen Wirtschaftsraumes“ .
Greift man unter diesen Gesichtspunkten nochmals zur großen Arbeit von C. Jochum-Godglück  und betrachtet sich die dieser Untersuchung beigegebene Verbreitungskarte der orientierten Siedlungsnamen auf -heim, -hausen, -hofen und -dorf (vgl. Karte 4), so zeigt die Streuung der norddeutschen Namen (um diese geht es hier allein) im wesentlichen eine De-ckung mit zahlreichen anderen altertümlichen Ortsnamentypen. Die entscheidenden Punkte sind:
1. Rasches Nachlassen östlich und nördlich der Elbe.
2. Geringes Vorkommen in Schleswig-Holstein.
3. Konzentrationen in den Lößgebieten nördlich der deutschen Mittelgebirge.
4. Ausbreitung der Namen nach Flandern (und weiter über den Kanal).
 
Eine zusammenfassende Karte derjenigen Namen, die die Verbindungen zwischen dem Kon-tinent und England demonstrieren  (vgl. Karte 5), zeigt dieses nachdrücklich. Damit aber erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, daß sich die orientierenden norddeutschen Ortsnamen zum erheblichen Teil als Spuren einer altsächsisch-germanischen Namengebung interpretieren lassen, erneut um einige Stufen und wir treffen uns in unserem Urteil mit dem von G. Müller, der sagte: „Feststeht aber, daß man die fränkischen Einflüsse weit überschätzt hat. Wenn A. Bach in Nachfolge von F. Kaufmann schreibt, auch Westfalen sei ‘mehr oder weniger franko-nisiert’ worden, so wird der Hauptakzent - nimmt man dabei die Verhältnisse in anderen deut-schen Landschaften zum Vergleich - auf dem ‘weniger’ liegen müssen. Auch beim System der Bezirks- und Landschaftsnamen, das, wie P. v. Polenz zeigte, in vielen Gebieten sehr starke Veränderungen durch die Franken erfahren hat, haben Westfalen und Niedersachsen konser-vativ an Altem festgehalten“.