Jürgen Udolph: Burg in Flurnamen

Man man sich fragen, ob es überhaupt Flurnamen mit dem Bestandteil „Burg“ gibt? Handelt es sich nicht vielmehr um Hinweise auf eine jetzige Burg oder auf die noch erhaltenen Reste einer derartigen Anlage? Und ist dann nicht eher von Ortsnamen im Sinne von Siedlungsnamen zu sprechen, worunter im deutschen Sprachgebiet im allgemeinen die Bezeichnungen für von Menschen bewohnte Gebäude verstanden werden, während man unter einem Flurnamen gerade eine von Menschen nicht bewohnte Örtlichkeit verstanden wird?

Das Lexikon versteht unter einer Burg eine „historische Bauanlage, charakterisiert durch die Doppelfunktion ,Wohnen und Wehren’, weist aber im Anschluß daran aber schon darauf hin, daß die Bezeichnung Burg im weiteren Sinne „auch alle ehemals bewohnbaren vor- und frühgeschichtlichen Wehranlagen inner- und außerhalb Europas“ umfaßt1.

Zu etwa demselben Ergebnis kommt man, wenn man sich um das Wort Burg in seiner historischen Entwicklung bemüht. Es begegnet in allen germanischen Sprachen, ist für das Germanische als *burgs anzusetzen und erscheint im Gotischen als báurgs, vgl. weiter ahd. puruc, purc, asä., afries. burug, burg. ags. byrig, engl. borough, altnord, schwed., dän. borg, mhd. burc, nnl. borg, nhd. Burg, nnd. borch. Etymologisch gehört es als sogenannte indogermanische „Schwundstufenform“ *bhro                                         gh- zur Vollstufenform *bhergho-, die in unserem

Wort Berg erscheint. Damit verwandt sind z.B. altind. brh. ánt- „groß, hoch, erhaben“, keltisch bre „Hügel“, zum Beispiel in Brigantia „Bregenz“.

Bei Edward Schröder heißt es dazu2: „Der Berg diente zum Schutze; was auf dem Berg untergebracht ist, das ist gut aufgehoben. Burg und Berg sind in der älteren Zeit nicht gut zu trennen. Deshalb wechseln sie auch häufig in ein und demselben Ortsnamen. Deshalb auch ist bei den Namen auf -burg das Alter schwer zu bestimmen. Sie können uralt sein, aber ebenso gut auch ganz jung“.

Schon Tacitus nannte an Namen aus Deutschland Asciburgium, Teutoburgiensis saltus (Teutoburger Wald), Ptolemäus kannte Ortsnamen wie EÁóêé-âïýñãéïí, Ëáêéâïýñãéïí, Ôïõëéâïýñãéïí.

Sieht man sich in Sammlungen von Orts- und Flurnamen Niedersachsens (vor allem in dessen südöstlichem Teil) und in den benachbarten Landstrichen in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Westfalen um, so läßt sich eine Fülle von Namen ermitteln. Das gesamte deutsche Sprachgebiet kennt nach E. Förstemann3 allein in Belegen vor dem Jahr 1200 ca. 350 Ortsnamen mit -burg als Grundwort, darunter etwa Bildungen wie Burgbeck, Burgberg, Burgfeld, Burgheim, Burghorst, Burghusen, Burgloh, Burgdorf.

1.) Einfache Bildungen

Das einfache Wort Burg, niederdeutsch borg, borch dürfte auf das Vorhandensein einer Burg hinweisen. Hierher gehören Burg bei Celle, schon um 900 so genannt4, Burg, OT. v. Hannover, Burg bei Magdeburg. In Kombination mit anderen Grundwörtern finden sich Burgdorf bei Hannover, Burghagen bei Ziegenhagen, 1357 in deme Borghayne, 1357 (A. 16. Jh.) in dem Borghayne5, Burgmühlen, 5mal in Hessen.

2.) Ableitungen von Gewässernamen

Bei der Lage an Gewässern liegt kaum ein alter Flurname, sondern der Bau eines Gebäudes zugrunde. Hierher gehören etwa Aschaffenburg (an der Aschaff), Boizenburg an der Elbe, die Ertheneburg bei Artlenburg an der Elbe, Gelsterburg bei Witzenhausen an der Gelster, Hallerburg an der Haller nahe Springe (dem alten Hallerspringe). Auch Katlenburg enthält einen alten Flußnamen, ebenso Limburg an der Lahn, weiter Saalburg an der Saale.

Auf einen See nehmen Bezug Seeburg im Kreis Eilsleben, Seeburg am Seeburger See und Seeburg im Vogelsbergkreis.

3.) Personennamen in Burgnamen

Bei diesen Burgennamen wird kaum ein Flurname eine Rolle gespielt haben. In jedem Fall ist zu prüfen, ob nicht erst nachträglich der Name einer Person hineingedeutet worden ist. Wenn die Überlieferung früh genug beginnt, ist eine Entscheidung zumeist möglich.

Aus der Fülle der hier aufzuführenden Burg- und Ortsnamen nenne ich Abbenburg bei Höxter; Amelungsburg bei Hessisch Oldendorf; Charlottenburg, Wüstung in der Gemeinde Gleichen; Erichsburg im Kreis Northeim. Schon in älteren Belegen erscheinen Burg-Namen mit Personennamen kombiniert, so etwa 1274 als Gernandesborch (bei oder in Hannover).

Ein Personenname liegt auch vor in der Hämelschenburg, die nicht zum Namen Hameln gehört, sondern aufgrund der alten Belege (1304-1324) hermerschenborch, (Anf. 14. Jh.) de Hermerscheborg, 1339 Hermersen auf einem älteren Namen *Herimares-husen beruht. Weiter gehören hierher Süpplingenburg bei Helmstedt, 1125 Suplingeburch, 1303 Suplingeborch.

Den Namen einer ehemaligen Königen enthalten die Marienburg bei Hildesheim, den der Gottesmutter die Marienburg im Weichseldelta.

Zu Vorsicht muß geraten werden in Fällen wie der Cheruskerburg am Gehrdener Berg, der Frankenburg in Frankenhausen und der Frankenburg bei Rinteln. Diese erhielten ihre Namen zumeist erst in jüngerer Zeit durch mythische Verklärung an historische Völkerschaften. Bezeichnenderweise geht der Name der Frankenburg bei Rinteln auf den Familiennamen eines Försters zurück6. Ähnliches mag gelten für die Friesenburg bei Obersdorf, Kr. Sangerhausen, die Pipinsburg bei Osterode und bei Sievern, die Wittekindsburg bei Minden, 993 in castello suo Wedegenburch7, und die Wittekindsburg bei Osnabrück8.

4.) Ableitungen von Ortsnamen

Auch diese Gruppe enthält kaum alte Flurnamen. Die Namen sind meist durchsichtig wie etwa Bennigser Burg, Burghasungen, Burghaun bei Hünfeld, Burg­uffeln. Auch der Name der Trendelburg bei Hofgeismar, 1303 Trindirberg, 1305 Drendeneburg ist nach einem Ort benannt. Am Fuß des Berges liegt der Ort Trende9.

5.) Standesbezeichnungen in Burgnamen

Den Typus Grebenstein, Fürsteneck, Bischofsstein habe ich unter den Namen mit -burg kaum finden können. Aber vielleicht kann man hier den Typ der Schalkenburg, Schalkerburg, Schalksburg einordnen, der rund um den Harz nicht selten begegnet und zu deutsch Schalk, ursprünglich „Knecht“, gestellt wird. Hierzu gehört auch die Schallenburg bei Sömmerda, 1019 Scalcaburg, Scalchisburg. Auch der Name eines Burgwalls Schanzenburg bei Heudeber, Kr. Halberstadt, 1294/98 Scalkesburg, und ist daher auch hier einzuordnen.

6.) Besitz; Kirche; Kloster; Recht; Abgaben

Typische Burgennamen weisen auch auf Besitzverhältnisse, auf Zusammenhänge mit Kirchen und Klöstern, auf Rechtsverhältnisse und Abgaben hin: Kammerburg bei Lorch in Hessen (der Kammerjäger war zunächst ein fürstlicher Leibjäger), die Paschenburg oberhalb der Schaumburg, nach W. Laur wie weitere Paschenburgen zu mnd. pâsche(n) „Ostern“, ndd. påsch, påschen, dazu evtl. auch die Pagenburg bei All Wallmoden stellt.

An die zahlreichen Spielberge in Deutschland kann der Name der Spielburg bei Auleben, Kr. Nordhausen, angeschlossen werden. Sie werden am besten mit engl. spell „erzählen, sprechen“ und dt. Kirchspiel verbunden und deuten auf eine Gerichtsstätte hin. Dt. Steuer, Abgabe vermutet C. Stühler in den Namen Steuerburg (in Hessen).

Auf dem Namen des alten Leinegaus geht die Lüningsburg bei Neustadt/Rbge. zurück. Dieses verraten die alten Belege, z.B. 1315 Loghingeborch, 1330-1352 Logyngheborch; Loghingeborch. Es ist also eine alte „Leinegauburg“.

7.) Heraldik, Wappentiere, Schutz und Trutz

Der typische Burgenname wie Falkenstein, Greifeneck, Treuenfels, Stolzenfels findet sich auch mit dem Wort burg kombiniert: Ehrenburg bei Frankenberg an der Eder, vielleicht auch Engelsburg, verschwunden bei Nordhausen, Falkenburg bei Frankenhausen, vielleicht auch Eulenburg bei Osterode [Nachtrag: nein, s. Schreiben von G. Becker (Osterode), 24.2.2000], ganz sicher aber der Typ der „Löwenburg“, z.B. in Lauenberg bei Dassel, Lauenburg an der Elbe, Lauenburg bei Blankenburg, Kr. Wernigerode, Lauenburg im Kreis Quedlinburg und Löwenburg bei Bleicherode, Kr. Nordhausen.

8.) Alter

Auf das Alter wird häufig bezug genommen, einem hochdt. Naumburg, z.B. an der Saale, aber auch bei Wolfhagen, 1182 novum castrum, steht das niederdt. Niemberg bei Halle, 1184 Ninburch, und das bekannte Nienburg gegenüber. Wo etwas „neu“ ist, darf auch das „Alte“ nicht fehlen: Ohlenburg bei Lamspringe und bei Hornsen nahe der Winzenburg, Oldenburg und die hochdt. Variante Altenburg.

9.) Form, Gestalt, Ausstattung

Namen wie Breitenburg im Kr. Steinburg und Grotenburg bei Detmold sind leicht verständlich. Aber auch Luxemburg ist nichts anderes als eine kleine Burg (engl. little, ndt. lütt). Dem gegenüber ist Mecklenburg eine ursprünglich „große Burg“, vgl. altsächs. mikil „groß“. In der Schöneburg, die in Resten in Altenbrak bei Wernigerode vorhanden ist, sieht man dt. schön, die Klingenburg bei Duderstadt scheint auf Glocken o.ä. hinzuweisen.

Bauliche Merkmale oder Angaben zum Charakter des Untergrundes weisen als erste auf Berührungen mit eventuell dahinter verborgenen Flurnamen hin. Ist eine Hornburg nach der Bauform oder der Geländeform benannt? Besitzt die Kogelnburg bei Volkmarsen eine Kugelgestalt? Bezieht sich der Name

Kracheborch oder Kragenburg bei Oberdorla auf die Kragenform des Gebäudes oder des Geländes? Beides ist möglich. Die Krukenburg im Kr. Hameln-Pyrmont stellt man zu ndt. Krück(e) in der Bedeutung ,Ecke, Winkel, Krümmung’, also ,gekrümmter Berg’ oder ,Berg in einer Krümmung’“, in der Kuppenburg bei Bräunrode, Kr. Hettstedt, wird man die Bergkuppe vermuten dürfen, während der Name der Sababurg, 1300 Zappenburg, mit dt. Zapfen verbunden wird.

Aber was bedeutet die Spiegelburg bei Klostermansfeld, Kr. Eisleben und bei Oberode im Thüringer Wald? Klarer ist da schon die Spitzenburg bei Gieselwerder und die Stapelburg im Kr. Wernigerode.

Bezieht sich Rot in Rodenberg im Kreis Schaumburg, in Rotenburg an der Fulda, Rotenburg an der Wümme und Rothenburg bei Bad Frankenhausen auf die Farbe der Burg oder auf den Boden? Beliebt war auch die Farbe weiß, so in Weißenburg und niederdt. Wittenburg bei Elze, Wittenburg im Kr. Hagenow und Wittenburg bei Reyershausen.

10.) Wald, Holz, Pflanzen/Tiere

Man vergleiche Heisterburg bei Bad Nenndorf, fast genau gegenüber liegt die Heisterberg(-burg) und mnd. hêister, hester „junger, noch nicht ausgewachsener Baum“. Unsicher ist, ob die Holzburg bei Neukirchen in Hessen aus Holz gebaut. In der Lindenburg, einer Wallburg im Kreis Heiligenstadt, steckt wohl der Name der Linde, aber entsprechend die Weide in Widenburg bei Steigerthal im Kreis Nordhausen (Variante: Weydenburg, 1551 Widenburgk oder Weydenburgk)? Die vor etlichen Jahren entdeckte Retburg bei Koldingen im Kreis Hannover gehört dagegen wohl zu dt. Ried oder Reet, die Bramburg bei Hemeln im Bramwald zu dt. Brombeere, mnd. brambeer, die Eschenburg auf dem Eschenberg bei Bremke zur Esche.

Tierbezeichnungen finden sich in Jetenburg, OT. von Bückeburg, mua. Jetenborch, 1153-70 in Geteneburg (vgl. mnd. geite, asä. get, mua. jitt, jett „Ziege“, hdt. Geiß und die Jettenhöhle im Kreis Osterode). Bezieht sich aber Mückenburg bei Riddagshausen auf die Mücke? Die Ochsenburg bei Steinthalleben, Kr. Artern, und die Ochsenburg bei Pfaffschwende scheinen klar zu sein, aber was sucht der Ochse im Burgnamen? Die Pagelsburg im Kreis Osterode hat U. Scheuermann zu mnd. page „Pferd“ gestellt. Die Schnakenburg bei Wernigerode könnte mnd. snãke „Schlange, vor allem Ringelnatter, Blindschleiche“ enthalten, aber der Beleg von 1472 Schnavenburg mahnt zur Vorsicht. Auch in Schnackenburg an der Elbe liegt wahrscheinlich nicht der Tiername zugrunde10. Probleme bereitet auch die Vogelsburg bei Salzderhelden nahe Vogelbeck. Möglicherweise liegt eine alte Klammerform *Vogelbergburg vor.

11.) Stellenbezeichnungen, Bodenqualität u.ä.

Hier finden sich am ehesten alte Flurnamen. Die Asseburg im Kreis Wolfenbüttel enthält den Namen des Gebirgszuges Asse und kann vielleicht mit dt. Asche und

Esse verbunden werden, vielleicht als Bezeichnung eines trockenen Gebietes. Der Wechsel zwischen -berg und -burg zeigt sich in dem Typ Blankenburg, bei Schlotheim 1143 Blankenberg, aber 1506 Blankenburg, auch Bad Blankenburg bei Rudolstadt: 1193 Blankenberc. Bückeburg stellt man zu bücke, ndt. Gebück, aus Hainbuchen angefertigte lebende Hecke, die als Schutzwehr diente. Klar ist Dammburg bei Wentorf und anderswo. Die ndt. Entsprechung zu hdt. tarnen findet sich Derenburg, Burgreste im Kr. Wernigerode, in der Derneburg bei Hildesheim. Der Wechsel zwischen berg und burg begegnet wieder im Fall von Dornberg in Hessen, 1160 de Dornburg. In der Haarburg bei Haynrode, Kr. Worbis, vermute ich wie in Harburg bei Hamburg das alte deutsche Wort hor, har „Sumpf, Dreck, Morast“. Aber die Burgreste der Harburg bei Wernigerode gehören wegen der Nennung von 1412 in monte Hardenberg zusammen mit Hardenberg bei Nörthen als „(am harten) Berg“ gelegen eher zu hdt. hart, ndt., engl. hard. Hamburg enthält wie wie Hamm in Westfalen und Hameln, Hemeln ein altes Wort ham für „Ecke, Winkel, Biegung“. In der Harzburg bei Bad Harzburg und bei Ilfeld finden wir den Namen des Harzes wieder, während der nicht seltene Name Hindenburg auf die Lage bezug nimmt (hdt. hinter, altsächs. hindan). Das betrifft auch den häufigen Typ der Homberg, der hohen Burg

In Lüneburg vermutet man ein Wort für „Schutz, Abhang, Schräge“, während eine Moorburg sich selbst erklärt. Nicht ganz sicher bin ich, ob Moseberg bei Bad Sachsa, 1073 Moseburg (also mit Wechsel des Grundwortes) und Moseburg zum Moos gehören. Der bekannte Nürburgring gehört wie Nürnberg zu einem alten Wort nörr, nürr „Fels“, während Osterburg und Westerburg im Kreis Halberstadt und bei Bad Sooden-Allendorf nach der Lage benannt zu sein scheinen. In der Querenburg bei Nettlingen liegt das alte germanische Wort für die „Mühle“, got. qaírnus, aisl. kvern, schwed. qvarn, asä. quern zugrunde. Eine Beziehung zur Mühle vermutet man auch in dem ON. Radeburg bei Dresden, nämlich zum Mühlrad.

Die Heldenburg bei Salzderhelden hat nichts mit Helden zu tun, sondern gehört zusammen mit dem Heldenberg, auf dem sie liegt, und mit Salzderhelden zu ndt. helde „abschüssige Stelle“, verwandt mit der bekannten Halde. Die bekannte Schaumburg findet sich häufig in in Deutschland (auch als Schauenburg bei Kassel) und wird als „schauende Burg“, also als Burg, die in das Land schaut, verstanden. Der direkte Gegensatz findet sich in Schulenburg, einem versunkenen Ort im Okerstausee, einem ON. im Kreis Hannover und einem Wall nahe der Marienburg bei Nordstemmen. Die Namen gehören zu ndt. schulen „versteckt sein, sich verbergen“, bi der schulenden borch bezeichnet nach E. Schröder eine verborgene, eine im Versteck lauernde Burg“.

Nach der Form des Berges sind zumeist die Staufenburgen benannt, so etwa bei Zorge, bei Gandersheim und im Kreis Goslar. Man stellt sie zu ahd. stouf, stoupf „Becher, auch von Felsen gesagt“, „Fels“. Wenig bezeugt ist Steinburg begegnet, n in dem ON. Steinbergen bei Bückeburg begegnet er. Neben dem berühmten Straßburg im Elsaß gibt es auch ein Strasburg bei Neubrandenburg. Vienenburg bei

Goslar ist eine Burg „über dem Sumpfe“ und enthält ein altes Wort fenni, vgl. Hohes Venn im deutsch-belgischen Grenzgebiet und den Venusberg in Bonn. Auch die Fehn-Orte in Nordwestniedersachsen sind hier anzuschließen.

12.) Unklares und Vermischtes

Noch unklar sind Magdeburg (sicher keine Mägde-, Mädchenburg), die Madeburg bei Reckershausen, Merseburg. Umstritten ist der Name Brandenburg.  Übertragen sind Neubrandenburg und der ON. Salzburg im Kreis Hameln-Pyrmont (Hugenottensiedlung). In ganz alte Zeiten reicht der Ortsname Börger im Emsland, um 1000 (A. 15. Jh.) Burgiri, auch Börry im Kreis Hameln-Pyrmont, 968-969 (Abschr. 15. Jh.) in Burgiun, kann als alter Name bezeichnet werden, ebenso wie Burgripi, eine Wüstung zwischen Lenne und dem Ith.

Ein Wort verdient der häufige Name Hünenburg. In dieser gern vergebenen Bezeichnung sieht der Volksmund gern einen Hünen, einen Riesen. Vorsicht ist geboten. So ist die Hünenburg bei Hohenrode keine ehemalige Burg, sondern bezieht sich auf steile, mauerähnliche Felsabbrüche11, die Hünenburg bei Badenhausen heißt auch Hindenburg, die Hüneburg bei Wimmelburg 1569 Heineborch. In diesen Fällen ist die Verbindung mit einem Hünen abzulehnen.

Manchmal wird auch das Wort Burg falsch hineingedeutet: der Ort Burgwalde bei Heiligenstadt heißt 1236 im Bortwolde und bedeutet „Grenzwald“ und gehört zu nd. bord „Grenze, Rand“.

Manchmal sucht man auch eine Burg in Fällen, wo nie eine gestanden hat, so etwa in Herberhausen, alt Herborgehusen, eine Ableitung von einem weiblichen Personennamen, vgl. Walburga, Burglinde.

Zu Vorsicht man der Wechsel zwischen Burg und Berg, der auch in einzelnen Namen begegnet. Es kann durchaus sein, daß hinter einem Flurnamen mit dem Bestandteil -burg keineswegs eine Burg stecken muß. Gelegentlich reichen landschaftliche Eigentümlichkeiten, vielleicht aufragende Felsen oder Steine dazu aus, daß man die Örtlichkeit als Burg bezeichnet.

13.) Das Wort Burg in Flurnamen

In Ahrbergen bei Hildesheim wird der Platz vor der heutigen Kirche Alter Burgplatz genannt. Dort stand vielleicht einmal eine Burg. Die Flurnamen Auf der Burg und Burgpfad in Schlewecke bei Gandersheim weisen nach Stolberg 369 auf eine Burg. Borg ist ein Flurname bei Deblinghausen im Kreis Nienburg12. Der noch 1875 so genannte Borgwall am Seeburger See bezieht sich auf eine Fluchtburg13. In Hedemünden gibt es die Flurnamen Am Burgberg, Auf der Burg und Burgweg. Nach Kaerger14 ist der Ringwall auf dem Steinberg gemeint. Der Flurname Burg in Schwanebeck bei Halberstadt weist auf die Reste einer Wasserburg hin15. Aber nicht immer gilt das. So schreibt U. Maack16 zum Flurnamen Up’r Burg bei Exten: „Volkstümlicher Name einer Straße im nördlichen Dorfteil ... Erhöhte Lage [östlich der] Dorfstraße führte zur Namensbildung Burg. Eine Burg hat es hier nicht gegeben“. Also war nur die erhöhte Lage von Bedeutung. Der Name Burgberg bei Witzenhausen soll auf eine Wüstung weisen17.

Die Zellerfelder Flurnamen Burgstätte, Burgstätter Gang weisen auf die ehemalige Burg hin18, wie auch der Flurname Burgstede in Exten, 1545 de Burgstede19. Burgwege gibt es in Rohden (er führt zur Schaumburg) und mehrmals im Kreis Heiligenstadt. Aus dem Braunschweigischen hat Andree in seiner Volkskunde genant: Burgberg in Großdahlum; Burglegden in Adersheim; Burgkamp in Cramme; Burgbreite in Berel; Burgstelle in Völkenrode, Barmke und Weferlingen (in diesem Ort vorgeschichtlicher Ringwall); Burgthal in Schliestedt; Burgwanne in Semmenstedt, und Burgwiese in Rottorf und meinte dazu: „Ob auf eine wirkliche Burg deutend? Zuweilen auch auf vorgeschichtliche Ringwälle“.

Als wichtigstes Ergebnis darf man festhalten: häufig weist Burg in Flurnamen auf eine ehemalige Burg oder Wallanlage, aber gelegentlich wird eine Burg an Stellen hineingedeutet, wo es nie eine gegeben hat. Auch der Wechsel mit dem Bergwort muß immer im Auge behalten werden.

Da die frühmittelalterlichen kleinen Wallanlagen nicht ständig besiedelt waren und oft in natürlich geschützer Position lagen20, nimmt es nicht wunder, daß bereits in den ersten Berichten über germanische Stämme unser Wort auftaucht. Es liegt vor in dem für Römer berühmt-berüchtigen saltus Teutoburgiensis, dem Teutoburger Wald, ferner in dem Namen der Burgunder und einer Insel, die gern mit ihnen in Verbindung gebracht wird, nämlich Bornholm, altnordisch Burgundrholmr, und auch einer der wichtigstenen Burg der Sachsen im Kampf mit Karl dem Großen, der Eresburg, dem heutigen Obermarsberg an der Diemel. Der letzte Name allerdings erhielt seinen Zusatz Burg wiederum erst später: auszugehen ist von dem Namen Eresberg, der uralt ist und am besten mit dem altgriechischen Wort für den Berg, griech. —ñïò, aus *eros, eres-, verbunden werden kann. Man sieht: Burg und Berg standen schon früh nebeneinander und sind manchmal nicht mehr voneinander zu trennen.